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    Verzweifelte Nahost-Vermittler

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    Das Quartett der internationalen Nahostvermittler (15)
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    Am morgigen Freitag trifft sich das Nahost-Quartett in Moskau.

    MOSKAU, 18. März (Maria Appakowa für RIA Novosti). Am morgigen Freitag trifft sich das Nahost-Quartett in Moskau.

    An der Sitzung nehmen US-Außenministerin Hillary Clinton, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton teil. Die Rolle des Gastgebers obliegt Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Dieses "Quartett" versammelt sich zu einem Zeitpunkt, an dem im Nahen Osten alles wie immer ist: Arabische Teenager bewerfen israelische Soldaten mit Steinen, jederzeit kann die dritte Intifada ausbrechen, und die rosigen Hoffnungen werden von Enttäuschungen verdrängt.

    Haben die Treffen des Quartetts überhaupt noch einen Sinn? Erst vor kurzem haben selbst die USA als aktivster und einflussreichster Akteur im Nahen Osten und als einziger Staat, der Druck auf Israel ausübt, eine Ohrfeige erhalten. Zumindest wurde das bislang so verstanden. Doch die Ereignisse der vergangenen Wochen haben gezeigt, dass es ebenfalls eine Illusion ist.

    Als die USA erreichten, dass die Arabische Liga dem Beginn der indirekten palästinensisch-israelischen Verhandlungen zustimmte, gab Israel den Bau von 1600 Wohnungen in Ost-Jerusalem bekannt, was auf die gesamte islamische Welt und vor allem auf die Palästinenser wie ein rotes Tuch wirkt. Der Bau weiterer Siedlungen wurde zudem verkündet, als US-Vizepräsident Joseph Biden gerade seine Nahost-Reise absolvierte.

    Die Presse brachte eine ganze Serie von Artikeln über die dramatische Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und Israel. Schnell erklärten sowohl israelische als auch amerikanische Spitzenpolitiker, ihre Länder seien nach wie vor die besten Freunde und Bündnispartner. "Israel ist einer unserer engsten Bündnispartner, zwischen uns und dem israelischen Volk besteht eine besondere Bande, die nicht über Nacht verschwinden kann", sagte US-Präsident Barack Obama am 17. März dem TV-Sender Fox News.

    Aber sowohl Obama als auch Clinton halten Israels Siedlungspolitik für einen Fehler. Die US-Chefdiplomatin betonte am Vorabend ihrer Ankunft in Moskau, die Position Washingtons zum Siedlungsbau sei als "Beunruhigung und Enttäuschung" zu beschreiben. Das ist die richtigste Charakteristik der Geschehnisse, wenn auch eine andere möglich wäre: Wie die anderen Vermittler stellt sich Washington, was die Nahost-Regelung betrifft, ein Armutszeugnis aus.

    Die Situation in der Region gleicht einem Dampfkessel, der jeden Augenblick explodieren kann. Aus dieser Sicht würde schon jeder nichtige Vorwand genügen. Letztendlich war Ariel Sharons Besuch auf dem Tempelberg von 2000 auch nur eine "Kleinigkeit", doch sie führte zur zweiten Intifada und zu Hunderten Opfern auf beiden Seiten, ganz zu schweigen vom Machtwechsel in Israel und den Veränderungen des Kräftegleichgewichts innerhalb der politischen Elite der Palästinenser.

    In letzter Zeit gab es nicht wenig solche Anlässe. Zum Siedlungsbau in den besetzten Gebieten kommt hinzu, dass die Palästinenser Israels Wunsch, die Aneignung der Heiligtümer in Hebron und in der Umgebung von Betlehem als Beleidigung empfinden. Dabei sind es gemeinsame Heiligtümer der Juden und der Moslems. Ein weiterer bitterer Tropfen war die Eröffnung der wiederaufgebauten Synagoge in der Altstadt von Jerusalem. Sie ist, wie sich jetzt herausstellt, höher als die islamischen Heiligtümer der Stadt. Es mag sonderbar anmuten, aber auch das ist ein sehr ernsthafter Fall.

    Eine neue Intifada hätte diese Woche ausbrechen können. Die Situation wurde dank der Zurückhaltung der palästinensischen Administration in Ramallah gerettet. Auch die Reaktion der Israelis auf protestierende Palästinenser, die sie mit Steinen und Molotow-Cocktails bewerfen, war nicht übermäßig hart. Die Israelis legten keinen Wert darauf, unter den Palästinensern, die in der Mehrheit der ewigen Zusammenstöße und der wirtschaftlichen Hoffnungslosigkeit müde sind, Unmut hervorzurufen. Sie wollen ganz einfach leben. Doch die Aufrufe zum Dschihad oder zur Intifada verstummen nicht.

    Der Krieg um die Heiligtümer, eine Synagoge, die höher herausragt als die Moscheen, könnten der Stoff für eine mittelalterliche Sage sein. Wer behauptet aber, dass sich seit dem Mittelalter im Nahen Osten etwas verändert hätte? Demokratie, Fortschritt - all das ist eine abermalige Illusion, und zwar betrifft das nicht nur die islamische, sondern auch die anderen Gemeinden, einschließlich der jüdischen. Das Verhalten der Menschen ist unverändert geblieben.

    Auf Zuspiel von Thomas Friedman, Kolumnist der "New York Times", vergleichen die Medien das Vorgehen der israelischen Regierung mit einem betrunkenen Fahrer. Das Bild wurde vom Kolumnisten der israelischen Zeitung "Haaretz" aufgegriffen. Er vergleicht die Handlungen der Israelis bei der Umsetzung der "Straßenkarte" mit ihrer Art, ein Auto zu fahren: Wir setzen den Blinker auf links, biegen aber rechts ab.

    Übrigens zeigen Israels Nachbarn in der Region denselben Fahrstil, die Israelis haben zwar strenge Verkehrsregeln "wie die zivilisierten Europäer", aber ihre Emotionen eines aus dem Nahen Osten kommenden Menschen brechen durch. Es ist also nahezu hoffnungslos, von den Arabern und Israelis zu verlangen, dass sie nach den Regeln der "Straßenkarte" leben, die außerhalb des Nahen Ostens entworfen wurde.

    Das Einzige, was die internationalen Vermittler angesichts der Lage tun können, wäre, den Verkehr auf den harten Straßen im Nahen Osten zu regeln und Wege zur Überwindung der Krise vorzuschlagen. Ob ihre Ratschläge beherzigt werden, hängt von ihnen nicht mehr ab. Sie könnten es höchstens mit Shakespeare halten: "Die Pest auf eure beiden Häuser!" Aber diesen Luxus können sie sich nicht erlauben. So beschränken sie sich auf offizielle Erklärungen.

    Die Meinung der Verfasserin muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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