19:38 24 November 2017
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    Deutschlands Presse über Russland und GUS am 24. März

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    Euro fällt - Rubel steigt * Russlands Paralypiiker retten Ehre der Sportnation * Politischer Gefangener Chodorkowski

    Euro fällt - Rubel steigt * Russlands Paralypiiker retten Ehre der Sportnation * Politischer Gefangener Chodorkowski

    F. A. Z.: Euro fällt - Rubel steigt

    Die Währung, die seit Jahresanfang in Osteuropa mit 8,1 Prozent am deutlichsten in Euro aufgewertet hat, ist der russische Rubel. Er profitiert von den hohen Zinsen in Russland von 8,75 Prozent für kurze Laufzeiten, die deutlich über den 0 bis 0,25 Prozent in Amerika und 1 Prozent im Euro-Raum liegen. Dieser Zinsaufschlag, den russische Zinspapiere bieten, lockt zuvor ins Ausland geflüchtetes Geld ins Land zurück. Die russische Wirtschaft dürfte nach Schätzung der Regierung im Februar um 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat geschrumpft sein, im Gesamtjahr aber zwischen 2 und 3 Prozent wachsen...

    Dabei gibt es in Russland zunehmend Zweifel, ob die Regierung ihr selbstgestecktes Ziel erfüllen kann, das Haushaltsdefizit im Jahr 2011 auf 4 Prozent und 2012 auf 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu verringern. Mit Sorge wird in Moskau auch die nach zwölf Jahren Abstinenz bald anstehende Rückkehr des Landes auf dem Euro-Anleihemarkt erwartet. Doch allen russischen Schwächen zum Trotz: Die Schwierigkeiten des Euro-Raums erscheinen den Anlegern offenbar noch größer...

    Mit 436,9 Milliarden Dollar hat Russland hinter China und Japan den drittgrößten Schatz angehäuft. Dabei ist Russland ein gutes Beispiel dafür, dass Länder mit hohen Devisenreserven Anlagealternativen zum Euro, aber auch zum Dollar suchen. Allein im Dezember hat Russland 800 000 Unzen (31,1 Gramm) Feingold gekauft - so viel wie noch nie in einem Monat. Inzwischen lagern in russischen Tresoren 20,5 Millionen Unzen.

    Doch haben China und Russland offenbar nicht nur Zweifel an der Werthaltigkeit des Euro, sondern auch an der des Dollar. Zumindest haben die Russen einen Plan, die Devisenreserven stärker auf Gold und andere Währungen als Dollar und Euro zu verteilen. Bisher sind 47 Prozent der russischen Reserven in Dollar, 41 Prozent in Euro und 10 Prozent in britische Pfund investiert. Im Januar hat die Zentralbank in Moskau damit begonnen, auch in kanadische Dollar zu investieren.

    Süddeutsche Zeitung: Russlands Behinderte retten Ehre der Sportnation

    Behinderte gehören zu den Randfiguren der russischen Gesellschaft, für die meisten Russen liegen Welten zwischen den Paralympics und den Olympischen Spielen.

    Wenn man einen Blick auf die Leistungen wirft, muss man sagen: Das stimmt. Einen jämmerlichen elften Platz hatten die russischen Olympioniken in Vancouver erreicht. Selbst sichere Medaillenbringer wie Eiskunstläufer Jewgeni Pluschenko enttäuschten.

    NOK-Präsident Leonid Tjagatschow musste gehen, und die Sportler klagten, wie man gewinnen solle, wenn man keine eigenen Bobbahnen habe und die Trikots selbst bezahlen müsse? Nun haben die russischen Paralympiker bewiesen: Man kann. 38 Medaillen haben sie in Vancouver geholt, davon zwölf goldene - und das bei 32 Athleten...

    Trainingsstätten für behinderte Sportler? Sponsoren für Behinderten-Sport? Nicht mal geplant. Moskaus Bürgermeister Jurij Luschkow stellte irgendwann tatsächlich fest, dass seine Stadt nicht behindertenfreundlich ist.

    Es war eine dramatische Untertreibung. Moskau mit seinen alpinen Bürgersteighöhen, den zwölfspurigen Boulevards, den Unterführungen, den aufzugfreien Treppenhäusern, ist schon für Fußgänger eine Herausforderung. Für Rollstuhlfahrer ist sie so zugänglich wie der Nanga Parbat. Von den Zuständen in der Provinz ganz zu schweigen. Viele Behinderte verlassen ihre Wohnung monatelang nicht.

    Die Spiele im behindertenfreundlichen Kanada, bemerkte ein Kommentator des Radiosenders Echo Moskwy spitz, seien für Russlands Sportler wohl wie ein Besuch im Paradies...

    Russlands Härte gegenüber den Schwächsten erklärt sich nicht nur aus der Brutalität einer Übergangsgesellschaft, in der keiner etwas zu verschenken hat. Sie ist das Echo eines sowjetischen Körper- und Jugendkultes, der Gesundheit, sportliche Leistung, "Fiskultura", zum Postulat des Sowjetmenschen erhob...

    Es liegt also eine große Ironie darin, dass ausgerechnet die Behinderten Russlands Ehre als Sportnation retten. Präsident Dmitrij Medwedew wird die Athleten empfangen, Premierminister Wladimir Putin gratulierte zur "glänzenden Leistung", "ein großer, gemeinsamer Sieg ganz Russlands".

    "Das Bewusstsein in der Gesellschaft ändert sich, aber es ändert sich nicht so schnell, wie Russlands paralympisches Team wächst", sagte Sergej Schilo - seit über zwanzig Jahren querschnittsgelähmt und einer der ersten russischen Teilnehmer an den Paralympics überhaupt - der Zeitung Sowjetskij Sport.

    Und ein Redakteur der Nowyje Iswestija fragte angesichts der 60 000 Zuschauer, die in Vancouver zur Eröffnung gekommen waren, nach dem Erfolg der nächsten Paralympics: "Können Sie sich so etwas in vier Jahren in Sotschi vorstellen? Ich noch nicht."

    Handelsblatt: Politischer Gefangener Chodorkowskij

    Michail Chodorkowskij sitzt in politischer Haft - auch wenn Russlands Führung um Premierminister Wladimir Putin das nie zugeben würde. Die Verhaftung des einstigen Multimilliardärs, dessen Yukos-Gruppe zu Beginn des Jahrzehnts mit mehr als 100 000 Beschäftigten der größte Ölkonzern des Landes war, setzte einen Schlussstrich unter die politischen Aktivitäten des Oligarchen. Der hatte zuvor einige Ölmillionen in demokratische Parteien gesteckt, den autoritären Kurs des damaligen Präsidenten Putin kritisiert und laut darüber nachgedacht, US-Ölkonzerne bei Yukos als Anteilseigner ins Boot zu holen...

    Heute bekennt Chodorkowskij, er sei damals etwas naiv und zu idealistisch gewesen. Er hatte sich der Illusion hingegeben, ihm, dem steinreichen Oligarchen, könne die russische Justiz niemals etwas anhaben. Doch als er Putin politisch gefährlich zu werden drohte, stürzte die Exekutive den Ölbaron vom Thron...

    Aus Sicht des russischen Normalverbrauchers dagegen widerfährt Chodorkowskij nur Gerechtigkeit: Umfragen zufolge halten zwei Drittel der Russen die Verurteilung des Oligarchen für rechtens. In diese Wahrnehmung mischt sich auch eine generelle Wut auf die Oligarchenkaste, die sich Sowjetbetriebe zum Schleuderpreis unter den Nagel rissen - mit raffinierten, zuweilen kriminellen Methoden. Von diesem Vorwurf ist auch Chodorkowskij nicht ausgenommen. Dank bester Kontakte zum Apparat des damaligen Präsidenten Boris Jelzin ersteigerte er die Yukos-Aktien. Nicht auszuschließen, dass er in den folgenden Jahren Steuern hinterzog - wie andere Oligarchen auch.

    Hinter Gittern ist Chodorkowskij ein Mahnmal für alle, die ihre wirtschaftliche Kraft in politische Macht umzumünzen versuchen. Zugleich ist der Fall ein Menetekel für den Investitionsstandort Russland: Die Exekutive hat exemplarisch statuiert, wie leicht sich ein Privatinvestor mit administrativem und juristischem Druck zu Fall bringen lässt. Insofern bleibt Russland ein unsicheres Pflaster für gute Geschäfte - nicht nur für Chodorkowskij, den Stammgast auf der Anklagebank des Chamowniki-Gerichts.

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