23:17 23 November 2017
SNA Radio
    Meinungen

    Pentagon droht Flop bei Kampfjet-Projekt

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 2 0 0

    MOSKAU, 24. März (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Die Kostenexplosion und ständige Verzögerungen lassen zunehmend am Kampfjet-Projekt der USA zweifeln.

    MOSKAU, 24. März (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Die Kostenexplosion und ständige Verzögerungen lassen zunehmend am Kampfjet-Projekt der USA zweifeln.

    Zurzeit wird in den US-Medien die Zukunft des JSF-Programms (Joint Strike Fighter) heftig diskutiert, das die Entwicklung des Kampfjets F-35 vorsieht. Seitdem dieses Projekt gestartet wurde, haben sich die Kosten nahezu verdoppelt, während die Auslieferung der Maschine ständig verschoben wurde.

    Die jetzigen Prozesse lassen sich auf die Ereignisse vor 20 bzw. 30 Jahren zurückführen, als die USA und andere führende Industrieländer mit der Entwicklung neuer Waffen begannen, die die Technik aus den Zeiten des Kalten Kriegs ablösen sollten. Schon damals war klar, dass die Kosten dieser Projekte gigantische Ausmaße im Vergleich zu den alten Waffensystemen annehmen würden.

    Der Zerfall der Sowjetunion bedeutete den Ausstieg eines Beteiligten des Wettrüstens, doch die USA machten weiter. Im Weißen Haus setzte man sich zum Ziel, weltweit zur Rüstungsmacht Nummer eins aufzusteigen, die samt politischer und wirtschaftlicher Macht ihre Dominanz für viele Jahrzehnte sichern würde.

    Aber in Wirklichkeit gerieten die USA sofort in eine schwierige Lage: die Steigerung der Militärausgaben garantierte nicht, dass die neue Technik mehr Möglichkeiten schaffen werde, die dieses Aufwands wert wären. Jegliche Maßnahmen, um die Ausgaben zu drücken, blieben erfolglos.

    Ende der 1980er Jahre befasste sich die US-Kriegsmarine mit dem Projekt „Seawolf", einem neuen Atom-U-Boot. Die Amerikaner wollten insgesamt 30 „Seewölfe" bauen. Das sollte die Überlegenheit der US-Marine gegenüber dem damals neusten sowjetischen U-Boot (Projekt-971) sicherstellen, weil die „Seawolf" schneller (mehr als 35 Knoten), tiefer tauchen (600 Meter), leiser (traditioneller Vorteil der amerikanischen U-Boote) und sehr gut bewaffnet sein sollte. Ein U-Boot sollte 2,8 Milliarden Dollar kosten, nahezu viermal so viel wie sein Vorgänger der „Los-Angeles"-Klasse (etwa 700 Millionen Dollar) und fast dreimal soviel wie die modernisierte „Los Angeles" (eine Milliarde Dollar).

    Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde beschlossen, dass die US-Marine nur zwölf dieser U-Boote brauchen würde. Letztendlich wurden aber nur drei „Seewölfe" gebaut, von denen jede (unter anderem wegen der kleinen Serie) mit 4,2 Milliarden Dollar zu Buche schlug.

    Solche Beispiele gibt es jede Menge, aber zurück zum Kampfjet F-35. Der Preis für das Jagdflugzeug hat sich mittlerweile verdoppelt, wann es jemals abheben wird, steht ebenfalls in den Sternen. Außerdem ist die Kampfeffizienz dieser Maschine fragwürdig. Zahlreiche Branchenkenner reden Klartext: Sie sei 2,5- bis dreimal so teuer wie die russischen „Sukhoi"-Modelle, was aber keine Garantie sei, dass sie besser als die russischen Jets ist.

    Was sind die Gründe für diese Misserfolge? Zum einen gibt es eine gewisse technologische Hürde, auf die früher oder später alle führenden Waffenentwickler und -hersteller stoßen. Letztmalig war das während und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg  massenweise geschehen, zum Beispiel beim Übergang von Propellerflugzeugen, deren Modernisierung immer schwerer fiel, zu Düsenjets. Der damalige technologische Durchbruch wurde „dank" des Zweiten Weltkriegs ermöglicht, weil die Großmächte zu riesigen Investitionen in die Entwicklung neuer Kampftechnik gezwungen waren.

    Jetzt sind de facto alle Industriebranchen auf das neue Hindernis gestoßen - immer kleinere technische Schritte verlangen immer größeren Aufwand.  

    Experten haben Verständnis für diesen Sachverhalt, aber die Verteidigungsministerien bemerken dieses Hindernis üblicherweise nicht. So wurde zu diesen „Verständnislosen" beispielsweise das US-Verteidigungsministerium im jüngsten Bericht des Verbandes der US-Luft- und Raumfahrtindustrie (Aerospace Industries Association, AIA) gezählt. In diesem Dokument wurde direkt darauf verwiesen, dass die Pläne des Pentagons zur weltweiten technologischen Dominanz angesichts des fehlenden Know-how zum Scheitern verurteilt sind.

    Diese Hürde steht nicht nur vor den USA. Ähnliche Probleme müssen auch die EU und Japan lösen. Auch Russland wird demnächst damit konfrontiert werden, das wegen des Zerfalls der Sowjetunion etwa 15 Jahre verloren hat und Versäumtes nachholen muss. Die anderen Industrieländer, die von den Erfindungen der amerikanischen, russischen und europäischen Ingenieure profitieren - egal ob China, Indien oder jemand anders - werden bald auch vor dieser Hürde stehen.

    Ob sich dieses Hindernis überwinden lässt, ist schwer vorherzusagen. Offensichtlich ist aber, dass die Arbeit in dieser Richtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen und massive Investitionen in die Grundlagenforschung beanspruchen wird. Selbst ein Krieg würde diesen Prozess nicht beschleunigen. Denn ein moderner großer Krieg würde die Industrieländer wahrscheinlich um mehrere Jahrzehnte zurückwerfen statt die Überwindung dieses Hindernisses fördern.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.