13:14 21 November 2017
SNA Radio
    Meinungen

    Keine Härte nach Anschlägen in Moskau!

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 3 0 0

    Terroristen sind keine "Bestien" und "Bastarde", wie es die russischen Spitzenrepräsentanten salopp darstellen.

    MOSKAU, 30. März (Michail Logvinov für RIA Novosti). Terroristen sind keine "Bestien" und "Bastarde", wie es die russischen Spitzenrepräsentanten salopp darstellen. Der Terrorismus hat seine eigene Logik und der größte Fehler, den die Regierung in Moskau machen kann, ist, mit "eiserner Faust" zurückzuschlagen.

    Trotz aller berechtigten und unberechtigten Kritik an der Antiterrorpolitik Moskaus gab es in den letzten Monaten positive Anstöße und wichtige neue Initiativen, die keinem Experten entgangen sind. Gemeint ist hier vor allem ein Umdenken und teilweise auch ein Strategiewechsel, der von Präsident Medwedew vollzogen und zum Teil umgesetzt wurde.

    Die Überzeugung des Kreml, der Terrorismus sei mit rein operativen Maßnahmen nicht zu bekämpfen, forderte neue Politikansätze, die mit den jüngsten personellen Entscheidungen besiegelt worden sind. Korruptionsbekämpfung, struktureller Umbau und Wirtschaftsförderung samt effizienter Kontrolle der Geldflüsse sowie Schaffung von Arbeitsplätzen sind jene Erfolg versprechende Maßnahmen, die vom Kreml angedacht sind und im mühsamen Kampf gegen den Terrorismus ergriffen werden müssen.

    Demgegenüber gab es geradezu obszöne Vorschläge, die Kriminalität im Nordkaukasus durch allgemeine Erfassung der biometrischen Merkmale (Fingerabdrücke) zu bekämpfen. Bezeichnenderweise kamen diese aus Sicherheitskreisen. Die zwei Beispiele zeigen, dass die Antiterrorpolitik des Kreml sich am Scheideweg befindet.

    Das Dilemma in der Nordkaukasuspolitik des Kreml wird auch in der Region wahrgenommen - auch von denen, für die der Terrorismus ein profitables Geschäft ist. Man muss keine hellseherischen Fähigkeiten besitzen, um sich zu vergegenwärtigen, warum der Anschlag von gestern sich gerade in diesem Moment ereignet hat.

    In den letzten Monaten hatten die Sicherheitsdienste zwar einige operative Erfolge zu verbuchen, weshalb die Anschläge als Racheakte ausgelegt werden können (und müssen). Dennoch sind die Attentate im angedeuteten breiteren Kontext zu sehen. Denn die terroristische Logik setzt auf die Provokation der Macht, um diese Macht zur Überreaktion zu zwingen, was in Russland keine Kunst ist. Lange Zeit standen die harten, operativen Bekämpfungsmaßnahmen mit unzähligen Kollateralschäden und Gesetzverletzungen unter den Sicherheitsexperten hoch im Kurs.

    Setzt sich also die operative Sicht durch, dreht Moskau mit neuen Aktionismen an der Gewaltspirale weiter, reißt die unverhältnismäßige Gegengewalt nicht ab bzw. überschattet die strukturelle Bekämpfung des Terrorismus, dann kann mit weiteren Eskalationsszenarien gerechnet werden.

    Genau diese Fehltritte spielen den Terroristen in die Hände, für die es unter solchen Umständen um einiges einfacher ist, die Kämpfer und Selbstmordattentäterinnen zu rekrutieren und ihren "Widerstand" zu legitimieren. Denn die vertraute "Härte" der Sicherheitsbehörden und die Feindseligkeit verschärft das Misstrauen der nordkaukasischen Bevölkerung gegenüber Moskau, fördert ihre Ausgrenzung und trägt zur Radikalisierung der jüngeren Generation bei.

    Wird der Kreml die angekündigten Gegenmaßnahmen wie gewohnt und bis heute gehandhabt in die Tat umsetzen, dann kann man mit Sicherheit sagen, dass die für die Bombenanschläge verantwortlichen Drahtzieher ihr Ziel erreicht haben. Sie haben nämlich den Staat zu einer neuen Überreaktion gezwungen und die Provokation ist ganz nach ihrem Szenario gelungen.

    Daher keine unverhältnismäßige Härte einhergehend mit Schikanen, ungesetzlichen Verhaftungen u.a. üblichen "Bekämpfungsmaßnahmen"! Genau das wollen die Terroristen nämlich bezwecken. Nicht nach Udugows & Co. Pfeife tanzen!

    Sie sind nämlich nicht so dämlich, wie man leichtfertig annehmen könnte. Sie sind keine "Bestien" und "Bastarde". Sie sind Terroristen mit Erfahrung und lernfähig. Sie wissen die Ohnmacht der Großmacht für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Und genau das ist die Logik des Terrorismus.

    Moskau darf sich daher keine Fehler leisten. Die Sicherheitsbehörden müssen zweifelsohne den Fahndungsdruck, den die Islamisten (keine Zivilisten!) zu spüren bekommen, erhöhen. Ein rechtsstaatlicher Prozess hätte jedoch einen größeren Nutzen als die angekündigte Vernichtung der "Unmenschen".

    Zum Autor:

    Dr. Michail Logvinov ist Sicherheits- und Terrorismusexperte

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren