03:03 24 November 2017
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    Deutschlands Presse über Russland und GUS am 01. April

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    * Moskau lehnt US-Alleingang bei der Raketenabwehr ab * Russische Börse ignoriert Terroranschläge * Wettlauf um Rohstoffe in der Arktis Nordpol-Gipfel in Kanada

    * Moskau lehnt US-Alleingang bei der Raketenabwehr ab * Russische Börse ignoriert Terroranschläge * Wettlauf um Rohstoffe in der Arktis Nordpol-Gipfel in Kanada

    Handelsblatt: Moskau lehnt US-Alleingang bei der Raketenabwehr ab

    Gemeinsame Einschätzung setzt gemeinsame Verantwortung voraus. Russland aber soll einsame Entscheidungen der USA mittragen.

    Mit dem Abschluss des neuen Start-Vertrags in der nächsten Woche ist das leidige Thema der Raketenabwehr nicht vom Tisch. Russlands Außenminister Sergej Lawrow war in einem Fernsehinterview deutlich: "Der Vertrag enthält keine Bestimmungen, welche den Aufbau einer US-Raketenabwehr erleichtern, die eine Gefahr für Russland darstellen würde."...

    Die USA denken gar nicht daran, ihre Pläne aufzugeben. Vielmehr preisen sie eine "neue Gestalt" der Raketenabwehr, die nach den Worten meines Kollegen Ivo H. Daalder, des Nato-Botschafters der USA in Brüssel, "stärker, flexibler und schneller" sein werde. Moskau beansprucht nicht für sich, innenpolitische Entscheidungsprozesse der US-Administration zu beeinflussen. Aber die Forderung, nationale Interessen gemeinsam zu berücksichtigen, ist wohl berechtigt. Partnerschaft ist ein Tango für zwei. Allein kann man bestenfalls Breakdance tanzen...

    Wenn schon ein Neustart, dann müssen Absichten und Ziele offen und klar sein. Leider ist es bis heute nicht der Fall. Wie sonst soll man Versuche der USA verstehen, die jedwede Einschränkungen bei der Entwicklung neuer Raketenabwehrsysteme und deren Stationierung ablehnen? Es wirkt beunruhigend, dass die USA ihren Partnern und Verbündeten die eigene Sicht der Bedrohungen aufoktroyieren und sogar einzelne Länder zu Schurken abstempeln, gegen die man vorgehen müsse. Hält Washington eine Raketenbedrohung durch Iran, Syrien und Nordkorea für derart offensichtlich, dass seine Haltung bedingungslos, ohne die Nato-Verbündeten und Russland zu konsultieren, akzeptiert wird? Nur eine gemeinsame Einschätzung der Gefahr führt zur Übernahme gemeinsamer Verantwortung. Heute aber wird uns angeboten, kollektive Verantwortung für Entscheidungen eines einzigen Staates zu tragen. Washington glaubt doch nicht im Ernst, dass Russland solchen Bedingungen zustimmt.

    Auch die europäischen Partner der USA in der Nato müssen schwer ins Grübeln geraten sein. Setzt der US-Entwurf gleiche Beteiligung der Verbündeten am Aufbau und an der Nutzung der Raketenabwehr voraus, oder brauchen die USA nur deren Zusage zur Errichtung der Stützpunkte auf ihrem Boden? Wenn das eine "Verzahnung der Fähigkeiten" der USA und Nato sein soll ... Die Grundsatzfrage ist, wessen Finger werden den Startknopf bedienen? Hillary Clinton überreichte dem russischen Außenminister vor einem Jahr einen symbolischen "Neustart"-Knopf. Er war größer als der richtige Knopf und bot Platz genug für zwei Finger. Soll der künftige Startknopf für die Raketenabwehr Pizzagröße haben, damit er Platz für alle 28 Nato-Staaten bietet? Und wird dort auch Platz für die Finger anderer Partner sein, welche die USA hinzuziehen wollen?...

    Die Welt: Russische Börse ignoriert Terroranschläge

    An und für sich sei es ja nicht nur schlecht, wenn die Börse nicht politisiert ist, meinte dieser Tage der russische Wirtschaftsexperte Maxim Blant. Aber wenn der Ölpreis in den USA für die russischen Händler wichtiger ist als die blutigen Terroranschläge in der Moskauer U-Bahn, so illustriere dies doch den Reifegrad der russischen Gesellschaft. Während am Montag 39 Tote aus zwei U-Bahn-Stationen getragen wurden, stieg der Leitindex RTS um über zwei Prozent. Am Dienstag, als noch 71 Verletzte in den Krankenhäusern verblieben und offiziell Staatstrauer herrschte, war die Börse weiter in guter Laune und legte um 0,69 Prozent zu. Und auch am Mittwoch hielt die positive Dynamik an...

    Dass sich die russische Börse - etwa im Unterschied zu Amerika nach dem 11. September oder zu London nach U-Bahn-Anschlägen - von Terroranschlägen nicht beeinflussen lässt, ist kein Novum. Schon bei früheren Terrorattacken blieben Investoren gelassener, als beispielsweise Premier Wladimir Putin - wie im Sommer 2008 - einen nicht gefügigen Konzernchef verbal ohrfeigte und den Konzern beispiellos entwertete.

    Wie der Ökonom Oleg Buklemischew in einer Analyse für die führende Wirtschaftszeitung "Wedomosti" darlegt, liegt die Resistenz der Börse gegenüber dem Terror zum einen im sogenannten "Offshore-Moment" - die Aktien der russischen Rohstoffexporteure richten sich demnach vor allem nach den internationalen Rohstoffbörsen. Zudem hätten russische Großkonzerne in den vergangenen Jahren viel in die Diversifikation ihrer Unternehmen im Ausland investiert und sich dadurch vor Unwägbarkeiten im Inland geschützt....

    Berliner Zeitung: Wettlauf um Rohstoffe in der Arktis - Nordpol-Gipfel in Kanada endet mit einem Eklat

    Das einst ewige Eis auf der Nordhalbkugel schmilzt wegen der Klimaerwärmung immer schneller. Deswegen verschärfen sich nun die Konflikte zwischen den acht Arktis-Anrainerstaaten. Ein Wettlauf um die Ressourcen der Zukunft hat begonnen. Im kanadischen Ottawa endete gestern ein Treffen der rivalisierenden Nationen mit einem Eklat.

    US-Geologen haben errechnet, dass in der Arktis fast ein Viertel der bislang unentdeckten Öl- und Gasvorräte der Welt lagern dürften. Bislang waren die Vorkommen wegen der harschen Wetterbedingungen nördlich des Polarkreises nicht erreichbar oder wirtschaftlich nicht attraktiv. Durch die nunmehr frei werdenden Seewege und das schmelzende Eis ändert sich das...

    Russland hat vor gut zwei Jahren auf dem Grund des Nordpolarmeeres Bodenproben genommen, die russische Staatsflagge aufgestellt und kündigte jetzt an, dieses Jahr in den ehemals unzugänglichen Gebieten erstmals aktiv nach Öl und Erdgas zu suchen. Kanada plant den Ausbau einer Marinebasis in der Arktis. Norwegen und Russland streiten sich um den genauen Grenzverlauf in ihren Küstengewässern. Die Amerikaner durchkreuzen mit ihren Atom-U-Booten umstrittene Gewässer der Polarregion.

    Auf dem Arktisgipfel diese Woche in Kanada wollten die Rivalen über das weitere Vorgehen beraten. Doch die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton verließ das Treffen vorzeitig und kritisierte den engen Verbündeten und Gastgeber Kanada ungewöhnlich scharf. "An Diskussionen über die Zukunft der Arktis sollten alle teilnehmen, die legitime Interessen in der Gegend haben", sagte Clinton.

    Die Kanadier hatten zu dem Gipfel nur vier Nationen eingeladen: Russland, die USA, Dänemark und Norwegen. Andere Anrainer wie Schweden, Finnland oder Island waren ebenso ausgeschlossen wie Vertreter der Ureinwohner. Beobachter sahen darin den Versuch Kanadas, die Ansprüche dieser Gruppen auf die Rohstoffe zu schwächen und deren Bedenken über Umweltgefahren beim Erschließen der Arktis vom Tisch zu wischen...