04:56 24 November 2017
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    Wasser-Konflikt in Zentralasien verschärft sich

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    MOSKAU, 01. April (Andrej Gubenko für RIA Novosti). In der Sowjetunion hatte einst die Initiative für großes Aufsehen gesorgt, die sibirischen Flüsse nach Zentralasien umzuleiten.

    MOSKAU, 01. April (Andrej Gubenko für RIA Novosti). In der Sowjetunion hatte einst die Initiative für großes Aufsehen gesorgt, die sibirischen Flüsse nach Zentralasien umzuleiten.

     Jetzt, vier Jahrzehnte später, arbeiten die Länder dieser dürregefährdeten Region an einem noch ehrgeizigeren Projekt. Sie wollen nicht die Richtung der Flüsse ändern, sondern das ganze System der Wasserversorgung umbauen.

    Taschkent ist jetzt nicht nur eine Brot-, sondern auch eine Wasserstadt. Kurz vor dem zentralasiatischen (und astronomischen) Neujahr, das in Kasachstan Naurys und in Usbekistan Nawrus heißt, haben die Präsidenten beider Länder, Nursultan Nasarbajew und Islam Karimow, eine gemeinsame Deklaration signiert, in der sie von ihren im Hochgebirge gelegenen Nachbarstaaten Tadschikistan und Kirgisien verlangten, den Bau von neuen Wasserenergieanlagen unter Beteiligung internationaler Experten zu beschließen. Das ist notwendig, um das ökologische Gleichgewicht zu erhalten (damit die Flussumleitung keine Naturkatastrophen verursacht) und um die wirtschaftlichen Interessen aller Länder zu berücksichtigen.

    Denn in den Tälern Kasachstans, Usbekistans und Turkmenistans wird das Wasser vor allem für die Bewässerung verwendet, während die Gebirgsländer Tadschikistan und Kirgisien es vor allem als Energiequelle betrachten. Dieser Widerspruch hat schon öfter Konflikte ausgelöst, die allerdings bisher keine globalen Folgen hatten.

    Unter anderem wirft Astana Bischkek vor, dass seit der Leistungssteigerung des kirgisischen Wasserkraftwerks Toktogul im Jahr 1993 die Menge des aus dem gleichnamigen Stausee abgelassenen Wassers im Winter auf das 2,5-fache gestiegen ist. Deshalb werden die flussabwärts liegenden Gebiete jeden März überschwommen, während im kasachischen Flusstal des Syrdarja jeden Sommer große Dürre herrscht.

    Die Wiederaufnahme der Bauarbeiten am großen Wasserkraftwerk Rogun (die zu den UdSSR-Zeiten begonnen hatten, dann aber aufs Eis gelegt wurden) am Fluss Wachsch in Tadschikistan rief Umweltsorgen bei Usbekistan hervor.

    Bisher gab es in der Region keine Auseinandersetzungen zwischen den beiden Lagern im Konflikt um das Wasser. Jetzt ist es aber zur gemeinsamen Erklärung der Präsidenten Karimow und Nasarbajew gekommen, der zufolge Usbekistan und Kasachstan ihre Interessen gemeinsam verteidigen werden. Ob die neue Allianz angesichts der Tatsache, dass die Kraftwerk-Anhänger von ihrer günstigeren geographischen Lage profitieren und den in ihren Manövern eingeschränkten Bewässerungs-Anhängern ihren Willen aufzwingen, imstande ist, den Status Quo zu ändern?

    Vieles, wenn nicht alles, wird von der Position Russlands abhängen. 2007 mussten die russischen Unternehmen (Konzern Rusal) aus dem Rogun-Projekt aussteigen. In den zerstrittenen zentralasiatischen Ländern werden die Aufrufe immer lauter, die UNO, die USA oder die EU als Schiedsrichter heranzuziehen. Die englische Sprache ist in der Gegend immerhin keine Seltenheit mehr: Die zentralasiatischen Länder werden seit dem Nato-Einsatz in Afghanistan sowohl als Transit- und Übungsgebiet als auch als Militärstützpunkt genutzt.

    Es ist kein Geheimnis, dass die jetzige Taschkent-Deklaration eigentlich eine Folge der in der letzten Zeit aktiver gewordenen Politik Moskaus ist. Russland hat den zuvor versprochenen Kredit über 1,7 Milliarden Dollar an Kirgisien auf Eis gelegt, bis alle notwendigen internationalen Expertisen vorliegen. (Bekanntlich bauten mit Erlaubnis der kirgisischen Regierung Ende des vergangenen Jahres die Nato-Länder auf der Militärbasis Gansi bei Bischkek ihre Präsenz aus.)

    Der Kredit war für die Fertigstellung des Wasserkraftwerks Kambaratinskaja an dem Fluss Naryn vorgesehen. Kasachstan und Usbekistan sind in diesem Spiel ausschließlich an einer für sie vorteilhaften Lösung des Streits um das Wasser interessiert. Dank der unerwarteten Einmischung Moskaus ist diese Lösung derzeit gut möglich. Gerade wegen unterschiedlich und gleichartig gelagerten Interessen hat die neue Politik in Zentralasien eine Zukunft. Die Frage besteht darin, ob Russland genug Geduld für eine flexible Fortsetzung des geopolitischen Spiels in der Region hat.

    In der Antike hieß diese Region Sogdiana. Die Perser nannten sie Turan, die Araber Mawarannahr. Im Russischen Reich hatte Zentralasien den Namen Turkestan.

    Das einzige Resultat der einst geplanten Umleitung sibirischer Flüsse ist der 450 Kilometer lange Irtysch-Karaganda-Kanal in Kasachstan. Die Umleitung eines Teils der sibirischen Flüsse in die zentralasiatischen Dürregebiete wurde bereits unter Nikolaus II. und Josef Stalin diskutiert. Die Entscheidung wurde jedoch erst 1968 auf der Tagung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei getroffen. Was wird nach der jetzigen „Umleitung der sogdianischen Flüsse" bleiben?

    Hoffentlich wird es nicht einfach ein weiteres künstliches Objekt wie der Koksaraj-Stausee, der ebenfalls in Kasachstan gebaut wurde. Es handelt sich um ein riesiges Rückhaltebecken mit einem 45 Kilometer langen Staudamm, der gebaut worden war, falls man sich beim Konflikt ums Wasser in Zentralasien nicht einigen wird. Der Stausee wurde am nächsten Tag nach der Rückkehr von Nasarbajew aus Taschkent feierlich eröffnet.

    Zum Verfasser: Andrej Gubenko ist politischer Kommentator (Kasachstan)

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen