14:30 19 Januar 2018
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    Obamas Atomgipfel: Kleiner Schritt nach vorn

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    MOSKAU, 15. April (Andrej Fedjaschin, RIA Novosti). Die atomare Weltgemeinschaft muss wohl immer wieder durchgerüttelt werden, damit die Einhaltung der Atom-Vereinbarungen ernst genommen wird.

    MOSKAU, 15. April (Andrej Fedjaschin, RIA Novosti). Die atomare Weltgemeinschaft muss wohl immer wieder durchgerüttelt werden, damit die Einhaltung der Atom-Vereinbarungen ernst genommen wird.

    Der Atom-Gipfel vom 12. bis 13. April in Washington hat natürlich keine Überraschungen gebracht, diente aber der nuklearen Sicherheit. In einem so hoch technologischen und komplizierten Bereich wie der Unversehrtheit und Sicherheit der Kernbrennstoffe ist bereits ein kleiner technischer Fortschritt ein politischer Erfolg.

    Es wird sicherlich kaum gelingen, in vier Jahren, wie das in Washington erklärt wurde, die Probleme der "unzuverlässigen nuklearen Materialien" komplett zu lösen. Dazu müssen zuerst die Konflikte im Nahen Osten, Afghanistan, Irak und zwischen Pakistan und Indien gelöst werden, die bei Vernachlässigung das Streben nach "nuklearen Instrumenten" und dem "Nuklearterror" provozieren.

    Bisher beschäftigten sich nur die USA und Russland ernsthaft mit einer gemeinsamen Kontrolle der Unversehrtheit und Sicherheit (wichtigste Maßnahmen, um Terroristen von Nuklearmaterialen abzuhalten). Nach dem Atom-Gipfel zeigt sich zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass wir uns der weltweiten Kontrolle und Überwachung anzunähern beginnen.

    Von Russland (das den USA bei der Formulierung der Tagesordnung des Gipfels half) ging die Initiative zu dem heute wichtigsten Dokument aus, das wenigstens halbwegs definiert, was Nuklearterror und wer "Nuklearterrorist" ist: die Internationale Konvention zum Kampf gegen Nuklearterrorismus. Bislang haben mehr als 60 UNO-Staaten das Dokument unterzeichnet. Es besteht die Hoffnung, dass nach dem Gipfel noch einige Dutzend Staaten die Konvention unterzeichnen und ratifizieren werden. Das Dokument ist natürlich kein Allheilmittel gegen die "nuklearen Krankheiten", doch weil es nichts besseres gibt, gleicht es einer Art Medizin.

    Alle Vereinbarungen bei dem Treffen (Kommuniqué, Übereinkünfte über Informationsaustausch, Zustimmung zur Zulassung von IAEO-Inspektoren u. a.), haben einen freiwilligen Charakter. Alles Freiwillige neigt in  einzelnen Atomstaaten gewöhnlich dazu, sich in eine nicht ganz angemessene Auffassung davon zu verändern, was für die Weltgemeinschaft günstig wäre. Dieser nationale Egoismus ist allen geheimen und bekannten Atomwaffenbesitzern eigen, wenn auch in verschiedenem Maß.

    Angesteckt davon sind die wichtigsten „atomaren Querulanten" Teheran und Pjöngjang, die als Besitzer von atomaren Sprengköpfen geltenden Israel, Indien und Pakistan, aber auch die "Senioren" USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich. Wie alle Verträge über Rüstungskontrolle, die vor langer Zeit oder gerade (Nachfolgeabkommen von Prag) unterzeichnet wurden, zeigen, befreien Russland und die USA sich allmählich von diesem "nuklearen Egoismus". Wenn der vor kurzem zu Ende gegangene Atom-Gipfel dazu beitragen würde, diesen Prozess in anderen Ländern zu aktivieren oder einzuleiten, wäre das schon ein großer Schritt nach vorne. Mit Blick auf den für 2012 in Südkorea angesetzten zweiten Atom-Gipfel könnte eine Brücke zur wirklichen Nichtweiterverbreitung geschlagen werden.

    Bei solchen Versammlungen gibt es bei allem Ernst immer wieder unbedeutende Kleinigkeiten. Für den politischen Farbenreichtum sind sie gewiss nützlich, Experten ringen sie aber nur ein Lächeln ab. Es handelt sich um die von der Ukraine, Kanada, Chile und Mexiko verkündete Entschlossenheit, auf ihre waffenfähigen Nuklearmaterialien zu verzichten. Russland und die USA tun dies bereits seit etwa zehn Jahren.

    Völlig „erschüttert" war der Atom-Gipfel vom georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili, der erklärte, er habe ohne internationale Hilfe in Tiflis einen Schwarzmarkt-Deal mit hochangereichertem Uran (HEU) vereitelt. Die Rede ist von einigen Gramm. Glaubt man Tiflis, so wurde bereits achtmal so ein Geschäft verhindert. Laut IAEO-Angaben wurden seit 1993 insgesamt 15 Fälle des versuchten Schmuggels von hochangereichertem oder waffenfähigem Uran registriert. Somit entfällt auf Georgien mehr als die Hälfte solcher Fälle. Über Einzelheiten der Beschlagnahmungen wollte Saakaschwili später berichten.

    Schlecht überwachtes hochangereichertes Uran als potenzielle Beute der Terroristen stellt zwar eine Gefahr dar, dennoch ist sie etwas übertrieben. Als hochangereichert gilt jedes Uran-235, das eine Reinheit von mehr als 20 Prozent hat (in Atomkraftwerken wird niedrigangereichertes - auf ein bis fünf Prozent -  Uran verwendet).

    In der Theorie lässt sich selbst aus einem Uran mit einer Reinheit von 30 oder 40 Prozent eine Atomanlage basteln. Dazu sind jedoch zumindest ein paar Hundert Kilo "Rohstoff" nötig, und die "Bombe" selbst wäre mehrere hundert Kilogramm schwer. So etwas eignet sich wohl kaum für einen verdeckten Terroranschlag. Für die auf Hiroshima abgeworfene Bombe wurden ungefähr 60 Kilogramm hochangereichertes Uran verbraucht. Als "waffenfähig" gilt ein auf etwa 90 Prozent angereichertes Uran.

    Etwas anderes ist eine "schmutzige Bombe": ein konventioneller Sprengkopf, der mit mittel oder niedrig angereichertem Uran gespickt ist. Sie kann zur großflächigen Vernichtung von Menschen und zur Verseuchung der Gebäude sowie der Umwelt mit katastrophalen Langzeitfolgen führen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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