06:29 25 September 2017
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    Konflikt mit Metallriesen: Autobauer beschweren sich bei Putin

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    MOSKAU, 28. Mai (Wlad Grinkewitsch, RIA Novosti). Der russische Regierungschef Wladimir Putin hat offenbar beschlossen, den Konflikt zwischen der Hüttenindustrie und den Automobilbauern zu schlichten.

    MOSKAU, 28. Mai (Wlad Grinkewitsch, RIA Novosti). Der russische Regierungschef Wladimir Putin hat offenbar beschlossen, den Konflikt zwischen der Hüttenindustrie und den Automobilbauern zu schlichten.   

    Bei einem Treffen mit dem Chef der russischen Kartellbehörde, Igor Artemjew, am Mittwoch sagte Putin, man sollte die Perspektiven der Preiserhöhung für Walzblech „mit Vertretern der Branche besprechen, die reale Situation bewerten, die Struktur der Preisgestaltung und andere Aspekte untersuchen". Zugleich warnte er die Metall-Konzerne, dass der Kostenanstieg kein Grund sei, die Preise hochzuschrauben.

    Die offene Konfrontation zwischen den beiden Industriezweigen brach aus, als der Vorstandschef der Technologieholding Rostechnologii, Sergej Tschemesow, Putin während dessen Ischewsk-Reise am Dienstag einen Appell der vier russischen Autokonzerne (AvtoVAZ, GAZ, KamAZ und Sollers) überreichte, in dem sie sich über die ihrer Meinung nach unbegründete Preiserhöhung bei Walzblech beklagten. Mitte Mai hatte die Metallindustrie die für Juli geplante Preiserhöhung um 25 bis 30 Prozent angekündigt. 

    In Wirklichkeit dauert dieser Konflikt bereits seit mehreren Monaten. Kaum hat die Hüttenindustrie die Krise überwunden, begannen die führenden Konzerne - Severstal, die Hüttenkombinate von Nowolipezk (NLMK) und Magnitogorsk (MMK), die Preise für ihre Erzeugnisse zu erhöhen. Sie begründeten das durch die von der Krise verursachten großen Verluste, die ausgeglichen werden müssten (damals waren die Preise für einzelne Walzerzeugnisse um 40 Prozent geschrumpft), sowie durch die Preiserhöhung für Eisenerz und Kohle. Im März waren die Termingeschäfte für Kohle tatsächlich um 50 Prozent und die für Erz um 70 Prozent gewachsen.

    Als erste verlor das Management des in der Rüstungsindustrie tätigen Betriebs Uralwagonsawod die Nerven. Im April wandte es sich an die Kartellwächter mit einer Klage gegen den Hüttenkonzern Evraz. Gleichzeitig verwies die Russische Eisenbahnen AG (RZD) Vizepremier Igor Setschin auf die unbegründete Preiserhöhung durch ihre Lieferanten Evraz, MMK und Severstal hin. Die Wettbewerbsbehörde leitete allerdings nur gegen Evraz ein Ermittlungsverfahren ein.

    Die im Mai von der Metallindustrie angekündigte Preiserhöhung für Walzblech löste Hektik in der Automobilindustrie aus. Das Management von AvtoVAZ, KamAZ, GAZ und Sollers einigten sich bei einer Beratung darauf, dass die neue Preispolitik der Hüttenindustriellen alle Bemühungen des Staates um die Unterstützung des Automobilbaus zunichte machen würde. Das wäre tatsächlich möglich, denn unabhängigen Experten zufolge würde die Metallverteuerung den Anstieg der Verkaufspreise für Fahrzeuge um fünf Prozent zur Folge haben.

    Die Autohändler würden den Preis um weitere zehn Prozent anheben. Der gesamte Preisanstieg um 15 Prozent wäre ein richtiger Schlag gegen die Wettbewerbsfähigkeit der russischen Fahrzeuge, vor allem wenn man bedenkt, dass der Lada Kalina ohnehin fast genauso viel kostet wie die in Russland gebauten Renault Logan und Ford Focus. Dabei werden die ausländischen Betriebe mit Metall von ausländischen Lieferanten versorgt.

    Im Unterschied zu der Rüstungsindustrie haben die Autobauer den Konflikt in die Öffentlichkeit getragen und den Regierungschef darin eingeschaltet. Vielleicht ist das richtig, weil sich die aktuelle Situation nach dem Szenarium von 2008 entwickelt. Damals hatten NLMK, MMK und andere Hüttenbetriebe die Preise um 46-47 Prozent angehoben und diesen Schritt mit dem 60-prozentigen Anstieg der Rohstoffpreise begründet.

    Damals richtete das Kartellamt seine Aktivitäten gegen die Kohleförderungsbetriebe, zum Sündenbock wurde der Bergbau- und Hüttenkonzern Mechel gemacht. Die Ermittlungen der Kartellwächter und scharfe Äußerungen Premier Putins hatten den Absturz des Börsenwerts von Mechel von 15 auf zehn Milliarden Dollar zur Folge, während der ganze russische Aktienmarkt um fünf Prozent zurückging.

    So etwas könnte auch diesmal passieren, zumal die Ölkonzerne Lukoil, Surgutneftegas, Rosneft, Gazpromneft und TNK-BP vor kurzem das Kartellamt aufgefordert haben, gegen die Rohrhersteller zu ermitteln, die im zweiten Quartal 2010 die Preise stark angezogen haben.

    Aber große Skandale wie beim Fall Mechel, besonders unter Beteiligung der wichtigsten Antriebskräfte der russischen Wirtschaft, wären zurzeit sehr unpassend, zumal die Kapitalflucht aus Russland anhält (12,9 Milliarden Dollar im ersten Vierteljahr 2010). Wenn aber der Konflikt am Verhandlungstisch bereinigt wird, kann die russische Wirtschaft davon nur profitieren.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.