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    Agentenaustausch zwischen USA und Russland: Wer sind die vier US-Spione?

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    Mutmaßliche russische Spione in USA verhaftet (73)
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    Russland und die USA haben sich auf einen Agentenaustausch geeinigt: Zehn russische Agenten gegen vier US-Spione, die ihre Strafen in russischen Gefängnissen abbüßten.

    MOSKAU, 09. Juli (RIA Novosti). Russland und die USA haben sich auf einen Agentenaustausch geeinigt: Zehn russische Agenten gegen vier US-Spione, die ihre Strafen in russischen Gefängnissen abbüßten.

    Die vier Inhaftierten hatten beim russischen Präsidenten Dmitri Medwedew ein Gnadengesuche eingereicht, in denen sie sich schuldig bekannten. Präsidentensprecherin Natalia Timakowa teilte mit, dass Medwedew die Gnadengesuche von Alexander Saporoschski, Gennadi Wassilenko, Sergej Skripal und Igor Sutjagin angenommen habe.

    Saporoschski, Wassilenko und Skripal sind ehemalige Mitarbeiter der russischen Geheimdienste. Sutjagin ist Wissenschaftler. Er hatte am USA- und Kanada-Institut in Moskau als Rüstungsexperte gearbeitet.

    Gennadi Wassilenko, früherer Vizesicherheitsdienstschef des Kabelfernsehsenders NTV-Plus, wurde wegen illegalem Waffen- und Sprengstoffbesitz verurteilt. Am 25. August 2005 wurden bei einer Durchsuchung in Wassilenkos Wohnung und seiner Garage vier Pistolen (die spanischen Starlet und Starlancer, eine amerikanische Ruger und eine russische Makarow), 478 Gramm Sprengstoff, drei elektrische Zünder und 14 Patronen gefunden. Wassilenko war damals 64 Jahre alt. Kollegen bezeichneten ihn als „verdienten Geheimdienstveteranen".

    Journalisten behaupten, dass Wassilenko während der Ermittlungen zur Bombenexplosion auf der Moskauer Nikulinskaja-Straße am 13. Oktober 2004 festgenommen wurde. Die Bombe detonierte, als sich Mostransgas-Direktor Alexej Golubnitschi in der Nähe befand. Mostransgas ist ein Tochterunternehmen von Gazprom. Doch die Staatsanwaltschaft widerlegte diese Version und erklärte, dass Wassilenko wegen illegalem Waffenhandel festgenommen worden war.

    Das Moskauer Bezirksgericht Golowino verurteilte Wassilenko 2006 zu drei Jahren Strafkolonie wegen illegalem Waffenbesitz, den versuchten Bau einer Sprengvorrichtung und Widerstand gegen die Polizei. 2008 sollte der Geheimdienstveteran aus dem Gefängnis entlassen werden.

    Doch der Name Wassilenko wurde in Veröffentlichungen zum Fall Robert Hansen erwähnt, der 2001 als ehemaliger FBI-Mitarbeiter wegen Spionage für Russland verhaftet wurde. Laut diesen Veröffentlichungen wurde Wassilenko Ende der 1980er Jahre vom US-Geheimdienst angeworben. Hansen gestand bei seinen Verhören, dass Wassilenko für die USA arbeite.

    Gennadi Wassilenko arbeitete zuerst in der USA-Abteilung des Ersten Direktorats des früheren russischen Geheimdienstes KGB. 1976 wurde er in die Außenabwehrabteilung versetzt und nach Washington entsandt. Im Januar 1988 wurde Wassilenko bei einer Dienstreise nach Kuba festgenommen und mit einem Schiff in die Sowjetunion zurückgebracht. Dort stand er wegen Spionage für die USA vor dem Gericht. Im Laufe der Ermittlungen wies Wassilenko die Anklagen kategorisch zurück. Die Ermittler konnten keine Beweise vorlegen, dass er Landesverrat begangen hatte. Deswegen wurde das Verfahren sechs Monate später eingestellt. Wassilenko wurde vom Oberstleutnant zum Major degradiert und aus dem KGB ohne Recht auf Rente entlassen. Das recherchierten zumindest einige Journalisten.

    Igor Sutjagin wurde am 7. April 2004 vom Moskauer Stadtgericht zu 15 Jahren Haft wegen Hochverrat in Form von Spionage verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 17 Jahre Freiheitsstrafe gefordert. Zwölf Geschworene erklärten Sutjagin einstimmig für schuldig.

    Sutjagin wurde vorgehalten, dass er Staatsgeheimnisse an den britischen Geheimdienst MI-6 weitergegeben hatte. Den Ermittlern zufolge hatte Sutjagin Informationen an das britische Beratungsunternehmen Alternative Futures weitergereicht. Dieses Unternehmen war nach Angaben des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB eine Tarnfirma für Aufklärer und hatte mit Forschungsstudien nichts zu tun.

    Sutjagin beteuerte immer wieder vor Gericht, dass er unschuldig ist. Allerdings bestritt er nicht, dass er Ausländern einige Informationen übergeben hatte, die er jedoch aus zugänglichen Quellen in Zeitungen und Zeitschriften gesammelt hatte. Menschenrechtler protestierten, dass der Wissenschaftler rechtswidrig verurteilt worden sei.

    Sergej Skripal, ehemaliger Oberst des russischen Militärnachrichtendienstes GRU, wurde 2004 festgenommen und 2006 zu 13 Jahren Haft wegen Hochverrat und Spionage für Großbritannien verurteilt. Nach FSB-Angaben hatte Skripal mehr als zehn Jahre lang mit dem britischen Nachrichtendienst zusammengearbeitet - er wurde Mitte der 1990er Jahre angeworben. Für die Weitergabe von Staatsgeheimnissen hatte er Geld bekommen. Nach Angaben der Ermittler erhielt Skripal mindestens 100.000 Dollar, die auf sein Konto in Spanien überwiesen wurden. Skripal soll die Außensicherheit Russlands erheblich in Gefahr gebracht haben.

    Oberst Alexander Saporoschski, ehemaliger Stellvertreter des Chefs der 1. Abteilung des Spionageabwehrdienstes des Auslandsaufklärungsdienstes SWR, wurde am 11. Juni 2003 vom Moskauer Wehrkreisgericht zu einer 18-jährigen Haftstrafe verurteilt. Saporoschski wurde angeschuldigt, dem CIA Informationen über SWR-Mitarbeiter und drei amerikanische Staatsbürger übergeben zu haben, die als Agenten dieses Geheimdienstes tätig waren.

    Saporoschski war bis 1997 beim SWR-Spionageabwehrdienst beschäftigt. 1998 quittierte er seinen Dienst, fand Arbeit in einem US-Unternehmen und lebte im Bundesstaat Maryland. 2001 wurde er bei einem Besuch in Moskau festgenommen.

    Nach Angaben der Ermittler hatte Saporoschski seit den 1990er Jahren mit dem CIA zusammengearbeitet und ihm Informationen über 20 russische Agenten in den USA übergeben. Die Medien vermuteten, dass er an der Verhaftung des ehemaligen FBI-Mitarbeiters Robert Hansen in den USA, der wegen Spionage für Russland schuldig gesprochen wurde, mitgewirkt haben könnte.

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