15:53 23 Oktober 2018
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    Russland-USA: Anderes Denken statt Spionage

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    Mutmaßliche russische Spione in USA verhaftet (73)
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    MOSKAU, 13. Juli (Dmitri Babitsch, RIA Novosti). Russland und die USA haben offenbar die Wogen um den Spionageskandal glätten können.

    MOSKAU, 13. Juli (Dmitri Babitsch, RIA Novosti). Russland und die USA haben offenbar die Wogen um den Spionageskandal glätten können.

    Journalisten und Blogger auf beiden Seiten des Atlantiks haben sich über die Abenteuer der erbärmlichen „Agenten" amüsiert. Im Internetzeitalter tauschten die Spione Informationen aus, die mit unsichtbarer Tinte geschrieben wurden. Im Zeitalter des Online-Bankings werden Geldkoffer in der Erde vergraben. Der russische „Agent" Michail Semenko schickt eine Nachricht nach Moskau, spricht dabei mit sich selbst und wird in diesem Augenblick vom amerikanischen Geheimdienst gefasst. Das ist ein Sujet nicht einmal für John Le Carré, sondern für Shakespeare, bei dem alle Bösewichter immer laut dachten.

    Doch ist die Reaktion der westlichen und russischen Beobachter auf die Agenten-Affäre  viel moderner oder angemessener? Der große „Russland-Freund" vom „Economist Magazine", Edward Lucas, erklärte am ersten Tag des Skandals, die festgenommenen „Spione" wären sehr gefährlich für die westliche Welt. Besonders schlimm fand er, dass sich zehn russische „Agenten" in US-Denkfabriken einnisten konnten. Dabei ließ sich Lucas nicht von der Tatsache irritieren, dass Denkfabriken öffentlich arbeiten sollten.

    Die Publizistin Ann Applebaum von der „Washington Post" ging diesen logischen Weg noch weiter. Sie quälte sich mit der Frage: „Warum verschwendet die russische Regierung viele Jahre und Millionen Dollar für die Ausbildung und den Unterhalt von Spionen, die vielleicht eines Tages in der Lage sind, ein paar Gerüchte zu sammeln? Die Dinge, die man auf den Webseiten von „The Post", der Brooking Institution und von einem Dutzend anderer Institutionen finden kann, all diese Blogs und Beiträge kann man doch auch sitzend auf einem Stuhl in Moskau kontrollieren."

    Eine wirklich arrogante Frage, doch gleichzeitig gab Applebaum die Antwort: „Der KGB glaubte nicht an einen freien Informationsumlauf und hielt die so genannte „freie Presse" für ein Instrument der kapitalistischen Ausbeuter." Ausgerechnet wegen des Misstrauens gegenüber den Medien haben sich die russischen Agenten laut Applebaum entschieden, nach weniger offenen Informationsquellen zu suchen und lernten deshalb Freunde der Familie Clinton kennen usw.

    Einigen Medien darf man tatsächlich nicht vertrauen. Wie sollte man auch den europäischen und amerikanischen Zeitungen glauben, die seit 15 Jahren unablässig über die „Wiederbelebung der imperialen Ambitionen Russlands" im postsowjetischen Raum, über die mögliche Invasion russischer Truppen auf die Krim, über die „Hand Moskaus" bei den jüngsten Ereignissen in Kirgistan schreiben?

    Leider gibt es in Russland ähnliche Experten. Geopolitische Akademien (denen ein oder zwei Mitglieder angehören) und „strategische Forschungszentren" (die üblicherweise aus einem Forscher und einer Sekretärin bestehen) reden tagtäglich von der Zweckmäßigkeit eines Bündnisses zwischen Russland und China gegen die USA, von den Absichten Washingtons zur Abspaltung Sibiriens von Russland und anderen gefährlichen Unsinn. Für diese „Forschungen" wird auch viel Geld ausgegeben. Jemand mietet diesen „Experten" Räume für Pressekonferenzen und druckt ihre „Analysen" in den Zeitungen. Obwohl ihre Denkweise genauso unzeitgemäß ist wie die vergrabenen Geldkoffer.

    Unzeitgemäß ist also nicht nur die russisch-amerikanische Spionage, sondern auch die dahinter stehende Politik. Zum Glück gehört diese Politik allmählich der Vergangenheit an. Der bereits erfolgte „Neustart" in den russisch-amerikanischen Beziehungen hat es nicht erlaubt, dass dieser Skandal den bilateralen Beziehungen wirklich stark schaden würde. Die Verkettung der Ereignisse liegt jetzt auf der Hand: Obama hatte von der „Agentengruppe" mindestens mehrere Wochen vor ihrer Festnahme gewusst. Erst als Medwedew aus den USA abgereist war, verfügte er ihre Festnahme. Kurz nachdem der „Spionagering" ins Netz gegangen war, wurde der russische Auslandsgeheimdienst SWR benachrichtigt. Das russische Außenamt beschwichtigte die Amerikaner, indem es einräumte, dass die Gefangenen russische Staatsbürger sind. Anschließend kamen beide Seiten auf die Idee, Agenten auszutauschen. Ein durchaus korrekter und offener Arbeitsstil.

    Obamas Regierung scheint verstanden zu haben, dass Russland weder für die USA noch für seine Nachbarn gefährlich ist. Nur Georgiens Präsident Saakaschwili sollte vielleicht Angst vor Moskau haben, falls er erneut eine Militäraffäre auslösen würde. Nachdem Obamas Umgebung diese Wahrheit verstanden hatte, wurden die russischen Agenten absolut korrekt enttarnt, zumal sie in Washington wohl als Relikte aus der Präsidentschaft von George W. Bush betrachtet wurden. Die „Spione" hatten ihren Einsatz begonnen, als Bush noch im Weißen Haus das Sagen hatte - den musste man tatsächlich immer im Auge behalten.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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