07:53 13 November 2018
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    Sorge um Erdmagnetfeld: Verbrennt die Sonne alles Leben?

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    MOSKAU, 13. Juli (RIA Novosti). Dass der Nord- und der Südpol wieder auf Wanderschaft gehen, ist nur eine Frage der Zeit. Im Interview mit RIA Novosti spricht der russische Geophysiker Dr. Anatoli Lewitin über die Verschiebung der Magnetpole und deren Folgen für das Leben auf der Erde.

    MOSKAU, 13. Juli (RIA Novosti). Dass der Nord- und der Südpol wieder auf Wanderschaft gehen, ist nur eine Frage der Zeit.

    Im Interview mit RIA Novosti spricht der russische Geophysiker Dr. Anatoli Lewitin über die Verschiebung der Magnetpole und deren Folgen für das Leben auf der Erde.

    RIA Novosti: Der Wechsel der Magnetpole hat zuletzt großen Wirbel in den Medien verursacht. Für Verwirrung sorgen verschiedene Informationen. Deshalb entstehen einige Fragen. Was ist ein Magnetfeld? Welche Prozesse laufen im Magnetfeld ab? Ist der Wechsel oder die Verschiebung der Pole tatsächlich möglich?

    Anatoli Lewitin: Das Erdmagnetfeld ist eines der unphysikalischen Felder der Erde. Außer einem Magnetfeld gibt es auch ein seismisches Feld und ein Gravitationsfeld, Hüllen u.s.w. Die Magnetfelder unterscheiden sich danach, wo sie erzeugt werden. Die Magnetfelder entstehen durch elektrischen Strom. Die Stromquellen befinden sich sowohl innerhalb als auch außerhalb der Erde. Deshalb unterscheidet man ein konstantes (inneres) Magnetfeld, das sich innerhalb der Erde befindet, und ein äußeres Magnetfeld (Wechselmagnetfeld), das sich außerhalb der Erde befindet. Zudem ist das äußere Magnetfeld ein Bestandteil der Magnetosphären. Die Frage, wie ein Magnetfeld erzeugt wird, ist sehr kompliziert.

    Laut Einstein ist eine der wichtigsten und der schwersten Aufgaben, zu verstehen, wie ein Magnetfeld strukturiert ist. Innerhalb der Erde, an der Grenze zum harten Kern (rund 3000 Kilometer), wird Strom erzeugt, wodurch ein Magnetfeld entsteht. Das Magnetfeld gelangt durch Tausende Kilometer an die Erdoberfläche, wo es vermessen werden kann. Diese Quelle heißt Hauptmagnetfeld. Dieses konstante Magnetfeld verändert sich sehr langsam, weil es dieses Feld seit einer Milliarde Jahren gibt. Eine der wichtigsten Aufgaben der Magnetfeldforscher ist, das Tempo der Veränderung des Hauptmagnetfelds festzustellen und zu vermessen.

    RIA Novosti: Wie beeinflussen die Magnetfelder das Leben auf der Erde? Haben sie Auswirkungen auf das Klima und die Meeresströme?

    Anatoli Lewitin: Die Hauptaufgabe dieses Magnetfeldes ist der Schutz der Erdoberfläche vor den hochenergetischen Teilchen, die aus allen Richtungen der Galaxis kommen, vor allem von der Sonne. Dieses Magnetfeld reflektiert viel Energie. Deswegen hat man auf der Erde gute Lebensbedingungen und ein für die Menschen unschädliches Ausstrahlungsniveau.

    Zudem ist die Existenz der Magnetosphäre der Erde dem Magnetfeld zu verdanken. Das Magnetfeld spielt eine wichtige Rolle im erdnahen Raum (Magnetosphäre). Wir alle leben in der Atmosphäre der Sonne. Die Sonne ist inhomogen, deswegen entstehen auf ihrer Oberfläche unterschiedliche Anomalien, die die Erde beeinflussen. Die Magnetosphäre schützt die Erde vor der schädlichen Wirkung der Sonne. Dies ist dem Magnetfeld zu verdanken. Falls das Magnetfeld sich verändert, verändert sich diese Wirkung ebenfalls. Falls das Magnetfeld abnimmt, kann sich diese Strahlung der Erde nähern. Alle Prozesse, die in der Atmosphäre und der Ionosphäre ablaufen, werden spürbarer sein und sie können negative Auswirkungen auf die Menschen haben.

    RIA Novosti: Welche Folgen sind zu erwarten, wenn sich die Pole verschieben? 

    Anatoli Lewitin: Die Verschiebung der Pole ist ein Kennwert, der von der Veränderung der Pole zeugt. Derzeit verfügt man nur über ungenaue Informationen über die Prozesse im erdnahen Raum. Als es noch keine Satelliten gab, vermutete man nur, dass es einen Sonnenwind gibt. Man hatte keine Vorstellung davon gehabt, was eine Magnetosphäre ist und welche Prozesse und Ströme drinnen ablaufen. Heute kann man sich gut vorstellen, was ein Magnetfeld ist. Man weiß, dass sich die Breite und Länge der Magnetfelder verändern. Dies hängt damit zusammen, dass die Magnetfelder breitenabhängig sind.

    An den Polen ist die erhöhte Intensität eines Magnetfeldes von Energieleitungen zu erkennen. Wegen der schwankenden Magnetosphäre ändern sich die Energieleitungen während der Störungen. Bei starken Störungen werden die Energieleitungen in der Polkappe (rund zehn Breitengrade) nicht verschlossen. Deswegen öffnet sich der Trichter und die Teilchen gelangen in Gegenden, wo das Magnetfeld keinen Schutz gewährt. Das nächstliegende Gegend ist das Gebiet der intensiven Polarlichter (etwa 20 Breitengrade). Das Vorhandensein dieses Gebiets hängt mit der Gestaltung des Magnetfelds zusammen. In der Magnetosphäre gibt es viele Teilchen, die vom Magnetfeld gelenkt werden. In diesem Gebiet sind die Veränderungen am stärksten und kommen am häufigsten vor. Man kann hier das Polarlicht sehen. In diesem Polargebiet fließen sehr starke Ströme. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Teilchen eine Durchleitung gewährleisten und das Stromfeld ihnen zurückgegeben wird.

    RIA Novosti: Dies bedeutet also, dass der Klimawandel nicht unbedingt menschengemacht ist?

    Anatoli Lewitin: Nein. Die Klimaveränderung ist ein physikalischer Prozess. Das Klima ist der „Energiehaushalt" der Erde. Die Erde bekommt Energie von der Sonne, einen Teil davon von innen - das erkennt man an Erdbeben und anderen Reaktionen innerhalb der Erde. Diese Energie erwärmt die Ozeane, die sich mit der Wärme der Erdoberfläche versorgen. Das ist also ein gewisser „Haushalt", der aus Einnahmen und Ausgaben besteht.

    RIA Novosti: Sie reden von „Energiehaushalt". Wenn der Mensch damit nichts zu tun hat, warum wird so viel Geld aus dem richtigen Haushalt ausgegeben?

    Anatoli Lewitin: Derzeit ist die Energie des Menschen im Vergleich zu diesem Energiehaushalt so niedrig, dass sie kaum das Klima beeinflussen kann. Dennoch weiß man noch nicht viel über den „Energiehaushalt". Man hat nicht genug Beobachtungspunkte, um Messungen durchzuführen. Dieser Prozess ist sehr kompliziert. Heute ist es kaum möglich, eine 99-prozentige Genauigkeit bei Vermessungen zu erreichen. Die Fehlerhaftigkeit der Messung liegt bestenfalls zwischen zehn und 15 Prozent.

    Das Klima wandelt sich erst dann, wenn es eine Veränderung von mindestens einem Prozent geben wird. Das Erdklima lebt anscheinend sein eigenes Leben. Dennoch kann man dies kaum erkennen - es existiert seit vielen Millionen Jahren. Die Geschichte der menschlichen Beobachtungen ist zu kurz, um eine Tendenz feststellen zu können. Es gibt sekundenlange und jahrelange Prozesse. Man kann beispielsweise einen Menschen kaum innerhalb einiger Sekunden prüfen. Dafür braucht man mindestens ein paar Wochen. Dasselbe trifft auf das Klima zu.

    RIA Novosti: Wenn es eine massive Verschiebung der Pole geben wird (wie es einige Wissenschaftler und Astrologen vorhersagen), wird die Sonne tatsächlich alles Lebendige vernichten?

    Anatoli Lewitin: Man soll die Situation nicht übertreiben. Derzeit gibt es in unserem Land Menschen, die so etwas berechnen. Dies wird für den Fall gemacht, wenn das Erdmagnetfeld abnehmen wird. Es ist sehr schwierig, heute die Magnetfeldabnahme einzuschätzen. Die Messungen des Magnetfelds werden mit Observatorien oder Satelliten durchgeführt. Zudem sind die Messungen eines Satelliten örtlich begrenzt: Während er sich um die Erde dreht, macht er Magnetaufnahmen. 24 Stunden lang decken die speziellen Satelliten die ganze Erde ab.

    RIA Novosti: Man bekommt also durchschnittliche Kennzahlen?

    Anatoli Lewitin: Ja. Es gibt Fehler, die genaue Kalkulationen unmöglich machen. Die Sonnenstrahlung, die das Klima beeinflusst, ändert sich. Deshalb sind die Berechnungen mangelhaft. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich die Sonnenaktivität im Laufe der Datenerfassung verändert. Heute ist das wichtigste Forschungsobjekt die Veränderlichkeit des Magnetfeldes. Die Daten über die Veränderung des Magnetfeldes bekommt man mittels Aufnahmen in diesem Jahr, drei Jahre später, fünf Jahre später u.s.w.

    RIA Novosti: Vielleicht erfährt man einmal, dass das Ende der Welt in einer halben Stunde zu erwarten ist?

    Anatoli Lewitin: Nein. Zuerst wird die Geschwindigkeit der Veränderung gemessen, dann wird sie mit anderen Daten verglichen. Im Ergebnis wird festgestellt, wann und wie sich das Magnetfeld verringern wird. Dennoch können verschiedene Menschen verschiedene Geschwindigkeiten messen. Zudem sind sekundenlange Störungen nicht auszuschließen. Wegen dieser Störungen ist es kaum möglich, Voraussagen für weitere 1000 Jahre zu machen. Das sind sehr komplizierte Prozesse, die man untersuchen muss. Man darf keine übereilten Schlüsse ziehen.

    RIA Novosti: Die Umpolung erfolgt sehr schnell. Sie hat das Aussterben der Dinosaurier und das Verschwinden der Atlantis verursacht. Laut Mayakalender findet die nächste Umpolung am 21. Dezember 2012 statt. Diejenigen, die nicht umschalten, werden verschwinden. Die anderen werden in vier Dimensionen leben. Es gibt viele Wissenschaftsartikel zu diesem Thema.

    Anatoli Lewitin: Ich glaube nicht, dass die Wissenschaftler darüber ernsthaft genug schreiben. Laut indirekten Angaben kann sich ein Magnetfeld in die Erdoberfläche „einsaugen". Es gibt Magnetite und unterschiedliche Mineralien, die magnetisiert werden. Unter bestimmten Bedingungen können sie dieses Magnetfeld im „Gedächtnis" behalten.

    RIA Novosti: Sie können also zu Trägern der Informationen werden?

    Anatoli Lewitin: Ja. Aber man muss in weit zurückliegende Zeiten zurückkommen (vor zwischen 200.000 und 300.000 Jahren). Man kann an einem Mineral kaum erkennen, wie alt es ist. Es gibt nur Vermutungen. Das ist eine sehr schwierige Aufgabe.

    Das Gespräch führte Samir Schachbas.

    Dr. Anatoli Lewitin ist Laborleiter am Institut für Erdmagnetismus, Ionosphäre und Radiowellenausbreitung

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