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    Zweiter Weltkrieg Monat für Monat: Juli 1940

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    MOSKAU, 14. Juli (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Im Juli 1940 wurde vielen Menschen erstmals bewusst, welches Ausmaß der Krieg angenommen hatte.

    MOSKAU, 14. Juli (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Im Juli 1940 wurde vielen Menschen erstmals bewusst, welches Ausmaß der Krieg angenommen hatte.

    Zuvor wurde der Krieg ein Jahr lang eher als eine Angelegenheit zwischen Deutschland und Polen aufgefasst.

    Im elften Monat des Zweiten Weltkriegs waren bereits Polen, Norwegen und die Beneluxländer gefallen. Frankreich wurde von den Deutschen in die Knie gezwungen. Großbritannien zog eilig seine Truppen auf die Insel zurück und bereitete sich auf die Abwehr einer deutschen Invasion vor, die als unvermeidlich galt. In Deutschland selbst brach ein seit den Sedan-Zeiten beispielloser Nationalchauvinismus aus. Das Land, das die Erniedrigung von Versailles erlebt hatte, war auf dem Weg zur führenden Weltmacht.

    In den Truppen und im Hinterland wurden Wetten darüber gemacht, wie lange der Krieg noch dauern werde. Nur wenige sahen die möglichen traurigen Folgen der Geschehnisse voraus. Der französische Feldzug löste in Deutschland eine wahre Euphorie aus: Lediglich anderthalb Monate Kämpfe - und Frankreich war samt seinen Verbündeten niedergerungen worden. Der Preis des Sieges - 45.000 Tote und 110.000 Verwundete - war nebensächlich, besonders im Vergleich mit dem sinnlosen Blutzoll im Ersten Weltkrieg, als die feindlichen Lager jahrelang kein entscheidendes Ergebnis hatten erzielen können.

    Die Ursachen des dermaßen vernichtenden Schlags erklärte wohl der britische Militärhistoriker Basil Henry Liddell-Hart am besten: "... Die Lösung der Frage hing voll und ganz vom Faktor Zeit ab. Die Gegenmaßnahmen der Franzosen erwiesen sich als erfolglos, weil sie in der Regel zu spät kamen und mit der sich schnell wechselnden Situation nicht Schritt halten konnten. Das erklärte sich damit, dass die deutschen Vorstoßtruppen bedeutend schneller vorrückten, als das französische und selbst das deutsche Oberkommando vermutet hatten... Die Franzosen konnten sich den neuen Bedingungen psychologisch nicht anpassen... Die größte Schwäche der Franzosen bestand nicht so sehr in den Mängeln oder der schlechten Qualität der Waffen als vielmehr im Zurückbleiben ihrer Kriegstheorie. ... Wie es in der Geschichte häufig vorkommt, folgten dem Kriegstriumph Selbstzufriedenheit und konservative Ansichten, genau das führte zur Niederlage im anschließenden Krieg."

    Doch der Sieg auf dem Kontinent bedeutete noch nicht den endgültigen Sieg. Die Deutschen befanden sich in einem Kampf zwischen einem Elefanten und einem Wal. Nur wenige Flugminuten und Marschstunden entfernt, lagen die Britischen Inseln. Großbritanniens Armee verließ den Kontinent stark demoralisiert. Ihre Zerschlagung wäre für die Wehrmacht kein Problem gewesen, ungeachtet der sich bereits erwiesenen Fähigkeit des britischen Infanteristen, sich an einem Stück Land festzubeißen. Aber für einen direkten Zusammenstoß zwischen der Wehrmacht und den Überresten der britischen Armee galt es, zwei Bedingungen zu erfüllen: a) die Luftherrschaft über Großbritannien herzustellen, zumindest über dessen südöstlichen Gebieten, um eine Truppenlandung zu ermöglichen und b) die Royal Navy auszuschalten.

    Dem ersten Ziel war die Luftwaffe gewachsen, die bereits mit der Vorbereitung eines Luftangriffs auf die Britischen Inseln begann. Das zweite Ziel schien auch für die Deutschen trotz ihrer gesamten Schlagkraft unerreichbar. Die britische Flotte mit ihren unvorstellbar zahlreichen Schiffen ersten Ranges und Hunderten kleinerer Einheiten kontrollierte große Ozeanregionen, vor allem aber die Seewege. Die Flotte hielt das Königreich zusammen, das sich über ein Drittel des Globus ausdehnte. Dieses Imperium wurde vom "Dritten Reich" herausgefordert.

    Großbritanniens Einstellung wurde übrigens mit aller Deutlichkeit formuliert. Winston Churchill äußerte, als die Kämpfe in Frankreich in vollem Gange waren: "... Selbst wenn die riesigen Weiten Europas, viele uralte und ruhmreiche Staaten gefallen sind oder in die Zange der Gestapo und anderer niederträchtiger Maschinerien der Naziregierung geraten können, werden wir uns nicht ergeben und nicht verlieren. Wir werden bis zum Ende gehen, wir werden uns in Frankreich schlagen, wir werden in den Seen und Ozeanen kämpfen, wir werden mit zunehmender Sicherheit und wachsender Kraft in der Luft ringen, wir werden unsere Insel verteidigen, wie hoch der Preis auch sein mag, wir werden an den Küsten kämpfen, wir werden in den Häfen und auf dem Festland kämpfen, wir werden auf den Feldern und Straßen kämpfen, wir werden auf den Hügeln fechten; wir werden uns nie ergeben..."

    Die überwiegende Mehrheit der deutschen Bevölkerung hörte diese Rede nicht, aber die deutsche Führung hörte und verstand sie. Großbritannien musste aus diesem Krieg ausgeschaltet werden - die erste Etappe war die Vorbereitung einer Luftoffensive gegen die Britischen Inseln. Hitlers Befehl vom 16. Juli, die Landung auf den Britischen Inseln vorzubereiten, erforderte die komplette Zerschlagung der britischen Royal Air Force, bis sie keinen Widerstand mehr leisten könnte.

    Zugleich suchte Deutschland nach einer Möglichkeit, den Erfolg auf dem Festland auszuweiten, wo die Sowjetunion immer noch ihr einziger möglicher Feind war. Einen groben Entwurf des künftigen Feldzugs verfasste das Oberkommando des Heeres (OKH) bereits im Juni 1940. Ende Juli verkündete Hitler diese Pläne, wobei er den Sieg über die Sowjetunion das einzige Mittel nannte, um England aus dem Krieg auszuschalten. Dabei sprach Hitler bereits am 31. Juli nicht nur einfach von der Notwendigkeit des Sieges und der vollen Zerschlagung der UdSSR; er forderte, "Russland zu erledigen". Damit begann die Vorbereitung des Angriffs auf das riesige sowjetische Reich, der zum blutigsten Krieg in der Geschichte unseres Landes werden sollte.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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