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    Deutschlands Presse über Russland und GUS am 23. Juli

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    * In Putins Namen * Mutmaßliche Islamisten überfallen Wasserkraftwerk im Kaukasus * Die dritte Kraft am Himmel: Russen kehren zurück *

    * In Putins Namen * Mutmaßliche Islamisten überfallen Wasserkraftwerk im Kaukasus * Die dritte Kraft am Himmel: Russen kehren zurück *

    Die Welt: Nomen est omen, bekanntlich.

    Und auch in Russland können Namen ihre Träger mit besonderen Vorteilen ausstatten oder gar die Umgebung erzittern lassen. So beim Familiennamen Putin. Die Wirtschaftszeitung „Wedomosti" hörte sich unter den Namensvettern des russischen Ministerpräsident Wladimir Putin um und fand heraus: Allein die Assoziation mit ihm bringt wirtschaftliche Vorteile.

    Ein wirkliches Verwandtschaftsverhältnis mit dem obersten Strippenzieher des Landes ist dabei nicht ausschlaggebend. Wie Beispiele zeigen, reicht es offenbar aus, den Anschein gemeinsamer Vorfahren zu erwecken, um einen Startvorteil auf dem Markt zu genießen - und sogar Größen wie den russischen Gas-Monopolisten Gazprom zu täuschen.

    So etwa im Fall des Brüderpaars Igor und Oleg Putin. Die Kleinunternehmer aus der russischen Provinzstadt Kurgan waren dabei, als die ungarische Zwischenhandelsfirma Emfesz, die einem ukrainischen Gazprom-Partner gehörte, den Besitzer wechselte. Die beiden behaupteten, ihre eigenen und des Premierministers Vorfahren stammten aus demselben Dorf. Die Verwandtschaft bestätigte sich nicht. Dennoch verzichtete Gazprom auf eine Klage - obwohl der Konzern in der Emfesz-Geschichte Hunderte Millionen Dollar verlor…

    Das tat ein anderer Unternehmer namens Sergej Putin offenbar nicht. Er behauptet zwar nicht, mit Premier Putin verwandt zu sein - gibt aber offen zu, dass ihm sein Familienname durchaus Vorteile bringe. „Die Leute reagieren positiv darauf, behalten dich schnell in Erinnerung", berichtet er.

    In jüngster Zeit geht das Interesse an dem Namen etwas zurück, vielleicht, weil sich neben Putin auch sein politischer Ziehsohn Dmitri Medwedjew langsam etabliert. Doch weil nach wie vor jedes Wort Putins einem Befehl gleichkommt, löst allein der Name einen Reflex der Gehorsamkeit aus. Nur rund 2000 Menschen heißen in Russland „Putin". Vor allem in der Provinz bringe der Name Vorteile, sagt Igor Nikolajev von der Consulting-Agentur FBK. Die Beamten dort fürchteten die Überprüfung eines Verwandtschaftsverhältnisses.

    Süddeutsche Zeitung: Russland brauche einen ,,friedlichen und blühenden Kaukasus", hatte Premierminister Wladimir Putin Anfang Juni gesagt.

    Der Anschlag auf ein Wasserkraftwerk in Kabardino-Balkarien aber hat bewiesen, dass der Kaukasus friedlich und blühend selbst dort nicht ist, wo Putin vor kurzem sogar touristisches Potential entdeckte. Mindestens drei Bewaffnete haben am Mittwochmorgen das Kraftwerk in der Provinzstadt Baxan überfallen, zwei Polizisten am Eingang getötet, zwei Mitarbeiter des Kraftwerkes durch Messerstiche und Schläge mit dem Gewehrkolben gezwungen, ihnen den Weg zu den Generatoren zu verraten…

    Internetmedien kolportierten, der Anschlag sei Ausdruck eines Machtkampfes unter rivalisierenden Anführern des bewaffneten Untergrundes um den militanten Islamisten Doku Umarow. Möglicherweise, so das staatliche russische Fernsehen, hatten die Angreifer Komplizen unter ehemaligen Mitarbeitern des Kraftwerkes in Baxan. Umarow, der sich selbst ,,Emir des Kaukasus" nennt und den tschetschenischen Sezessionskrieg in einen gesamtkaukasischen Dschihad verwandelt hat, hatte bereits vor Monaten angekündigt, dass er die Infrastruktur im Herzen Russlands angreifen werde. Er hatte sogar behauptet, seine Kämpfer hätten vor knapp einem Jahr die Katastrophe in einem Kraftwerk im sibirischen Sajano-Schuschensk ausgelöst.

    Damals hatten sich tonnenschwere Turbinen aus der Verankerung gelöst und waren durch den Maschinenraum geflogen. 75 Menschen starben. Hinweise auf einen Anschlag aber fanden die Behörden nicht, vielmehr galt die Havarie in Sibirien als Beweis für den verheerenden Zustand einer überalterten Energieversorgung, die zu Sowjetzeiten den Gipfel der Ingenieurskunst darstellte, aber inzwischen durch Schlamperei und Korruption die Sicherheit von Mitarbeitern und Anwohnern bedroht.

    Auch das Kraftwerk am Fluss Baxan, der sich aus den Gletschern des Elbrus speist, war mit über 70 Jahren eines der ältesten im Kaukasus. Von einem technischen Versagen sprach jedoch diesmal niemand. Vielmehr zitiert die Agentur Interfax Alexander Torschin, Vizesprecher des Föderationsrates und Leiter der dortigen Kaukasuskommission mit den Worten: ,,Bislang gehörten zu den Zielen der Terroristen vor allem Verkehrsmittel, Massenansammlungen und Sicherheitsorgane. Aber jetzt sind sie zum Angriff von Infrastrukturobjekten übergegangen." …

    Verglichen mit der Anschlagsfrequenz in Tschetschenien oder Inguschetien galt die Republik Kabardino-Balkarien lange als eine der ruhigsten im russischen Nordkaukasus - obwohl es in Kabardino-Balkarien vor fünf Jahren einen spektakulären Überfall in der Hauptstadt Naltschik gegeben hatte, bei dem mehr als 100 Menschen gestorben waren. Derzeit wird den 58 Angeklagten unter umstrittenen Umständen der Prozess gemacht. Allein im Juni hatte es in Kabardino-Balkarien fast ein Dutzend Zwischenfälle gegeben, Angriffe auf Polizisten, in die Luft gesprengte Autos und Mobilfunkstationen. Diesen Anstieg der Gewalt aber hatte lange niemand zur Kenntnis nehmen wollen.

    Anfang Juni hatte Premierminister Putin hier sogar den Parteitag der Kreml-Partei Einiges Russland abhalten lassen wollen, war dann aber vorübergehend in eine Nachbarrepublik ausgewichen. Für jene Veranstaltungen, für die sich die Kreml-Partei dann doch nach Naltschik wagte, wurden die Straßen gesperrt und selbst die Delegationsteilnehmer durchsucht…

    Frankfurter Rundschau: Es ist, als wäre es immer so gewesen und als könnte sich nie etwas ändern.

    Das die Lüfte beherrschende Flugzeug-Duopol Airbus und Boeing liefert sich beim Branchentreff im britischen Farnborough vor den Toren Londons wieder einmal ein Duell um Milliardenaufträge, das die globale Luftfahrtkrise endgültig vergessen lässt…

    Aber die beiden Erzrivalen Airbus und Boeing müssen bald andere an den Tisch lassen. Auf den Rollfeldern von Farnborough steht der russische Superjet-100 des Herstellers Suchoi als Sinnbild für das, was dem Duopol demnächst droht. Es ist das erste seit dem Ende der Sowjetunion neuentwickelte Passagierflugzeug Russlands. 30 Flugzeuge im Wert von knapp einer Milliarde Dollar hat Suchoi gerade verkauft. Gemessen an den Summen, die Airbus und Boeing in Farnborough einstreichen, ist das ein Klacks. Suchoi-Chef Wladimir Prissjaschnuk wertet es dennoch als Durchbruch.

    Falls das voreilig sein sollte: Bis zum echten Durchbruch neuer Airbus-Konkurrenten ist es nur eine Frage der Zeit. Denn die Konkurrenten stehen nicht nur in Russland, sondern auch in China, Kanada, Brasilien und Japan in den Startlöchern. "Man darf sie nicht unterschätzen, sie sind technisch sehr wohl konkurrenzfähig", betont ein Insider eines westlichen Luftfahrtzulieferers, der mit den neuen Wettbewerbern Geschäfte macht. Das gelte vor allem für China: "Die werden die dritte Kraft am Himmel."

    Mit Hochdruck und umfangreicher Staatshilfe baut der Comac-Konzern eine zivile chinesische Luftfahrtindustrie auf. 2014 soll seine C919 abheben, ein Flugzeug mit 150 bis 170 Sitzplätzen. "Das ist mitten im Herzen der A320-Familie", sagt ein Luftfahrtexperte. Die A320 ist als meistverkauftes Airbus-Modell wirtschaftlich von zentraler Bedeutung. Hier tut Konkurrenz besonders weh. China profitiert vom riesigen Binnenmarkt, auf dem Tausende C919 abgesetzt werden können. Kann Comac die Zuverlässigkeit des Produkts unter Beweis stellen, sind ab 2016 große Absatzzahlen im Export drin…

    Die 15 Jahre im Dornröschenschlaf gefangene Luftfahrtindustrie Russlands wird gerade unter dem Dach der Holding United Aircraft Corporation (UAC) erweckt. Vorzeigeflieger ist das Modell MS-21 mit 130 bis 230 Sitzplätzen, ein weiterer Rivale für die A320. "Die Regierung investiert mehrere Milliarden Dollar in die MS-21", gibt UAC-Chef Alexej Fedorow ungeniert zu. Er will zehn Prozent des Weltmarkts von Airbus und Boeing erobern. 50 seiner Maschinen hat gerade die Leasingfirma Crecom Burj aus Malaysia bestellt.

    Die Platzhirsche sind alarmiert. "Wir gehen nicht davon aus, dass unser Duopol bestehen bleibt", räumt ein Airbus-Sprecher ein. Es brauche aber viel Zeit und "tiefe Taschen", um Marktanteile im großen Stil zu erobern. Airbus reagiert und plant eine modernisierte A 320 mit 15 Prozent Spriteinsparung. Das könnte zu wenig sein. Ein völlig neues Modell wird wohl erst 2025 folgen, wenn C919 und MS-21 längst verfügbar sind.

     

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