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    Russland schaut nach Asien

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    Am Donnerstag ist in Hanoi über Russlands künftige Südostasien-Politik diskutiert worden.

    MOSKAU, 23. Juli (Dmitri Kossyrew, RIA Novosti). Am Donnerstag ist in Hanoi über Russlands künftige Südostasien-Politik diskutiert worden.

    In der vietnamesischen Hauptstadt fand die Sitzung der Außenminister Russlands und der ASEAN-Mitgliedsstaaten (Association of Southeast Asian Nations) statt. Das Treffen wird jedes Jahr Ende Juli in der so genannten ASEAN-Woche durchgeführt. Zuerst verhandeln die Minister der zehn ASEAN-Mitgliedsstaaten untereinander und sprechen anschließend mit ihren Amtskollegen aus den anderen Regionen unter vier Augen: China-ASEAN, Russland-ASEAN, USA-ASEAN u.s.w.

    Die wichtigste Nachricht zu diesem Thema  kam jedoch einen Tag zuvor aus London.

    Bei der Luftfahrtmesse in Farnborough bei London hat der russische Flugzeughersteller Irkut am Mittwoch einen Liefervertrag für 50 Passagierjets MS-21 mit der malaysischen Crecom-Gruppe abgeschlossen. Der Deal soll 3,4 Milliarden US-Dollar schwer sein. Dennoch wurde in Kuala Lumpur, wo der Deal vorbereitet wurde, eine andere Zahl bekanntgegeben: fünf Milliarden US-Dollar. Diese Zahl umfasst alle Arbeiten, die ähnliche High-Tech-Projekte benötigen.

    Seit 1991 hat nicht mehr so einen großen Deal im russischen Zivilflugzeugbau gegeben. Es handelt sich um ein Flugzeug, das überhaupt noch nicht gebaut wurde. Malaysia bestellte im Voraus die ersten 50 Maschinen. Zudem wurden in London weitere Lieferverträge für 90 Flugzeuge mit anderen Ländern abgeschlossen.

    Malaysia ist ASEAN-Mitglied. Man muss auch die Tatsache berücksichtigen, dass es sich um einen sehr integrierten Wirtschaftsraum handelt. Es ist zu erwarten, dass einer der Nachbarn Malaysias danach das Flugzeug MS-21 bekommt (Singapur, Laos oder Indonesien).

    Der in London geschlossene Liefervertrag verändert den Handelsumsatz zwischen Russland und den ASEAN-Staaten. Früher machte der Handelsumsatz mit allen zehn ASEAN-Ländern über zehn Milliarden US-Dollar aus. Während der Krise ging er deutlich zurück. Jetzt erholt er sich wieder. Nach dem Abschluss dieses Vertrags werden die Zahlen nach oben schnellen.

    Wer sind die wichtigsten Partner bei der Modernisierung Russlands? Wenn man Öl und Gas aus dem Exportgeschäft ausklammert, sind Europa und die USA nicht die wichtigsten Partner Russlands sind. Moderne Anlagen  werden in der Tat aus Europa und teilweise aus Japan importiert. Europa, Japan und die USA werden auch als wichtige Lieferanten von Hochtechnologien angesehen. Doch auch Russland verfügt über Hochtechnologieprodukte oder deren Know-how, die in andere Regionen exportiert werden könnten: Südasien (Indien), Ostasien (China), Südostasien und Lateinamerika (vor allem Brasilien). Es handelt sich um die zivile Atomtechnologien, Militär- und zivile Flugzeuge, neue Werkstoffe u.s.w.

    So sieht die Zukunft der Entwicklung Russlands aus. Dies bestätigen auch die jüngsten Aussagen des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew in Chabarowsk und im russischen Außenministerium. Seine Reden werden fälschlicherweise als „Prioritätenwechsel" bezeichnet. Vielleicht geht es um einen Prioritätenwechsel in Bezug auf die GUS-Staaten, doch gab es bereits Ende der 1990er Jahre Versuche, auf dem Hochtechnologiemarkt der ASEAN-Staaten Fuß zu fassen. 

    Nicht immer war alles positiv gewesen. Bei den Geschäftsforen mit der ASEAN hatte Moskau große Projekte vorgeschlagen: Schwimmende Atomkraftwerke, Bodeneffektfahrzeuge, Flugzeug Be-200 u.a. Lediglich bei Rüstungsdeals konnten Erfolge verbucht werden. Allerdings gibt es immer Schwierigkeiten, wenn ein neuer Markt erobert werden soll.

    Moskau legte große Hoffnungen auf die politische Kooperation mit der ASEAN, um schneller auf den dortigen Märkten Fuß zu fassen. Dennoch tauchten Probleme wie in der EU-Bürokratie auf: Mit einzelnen Ländern gestaltet sich die Zusammenarbeit erfolgreich, mit allen zusammen eher nicht.

    Zudem gibt es Schwierigkeiten bei den Russland-ASEAN-Treffen und dem ostasiatischen Gipfel. Nicht jeder Partner der ASEAN-Gruppe bekommt eine Einladung zu den jährlichen Gipfeln. Russland hatte diese Ehre. Das erste Russland-ASEAN-Gipfel fand 2005 in Kuala Lumpur statt. Danach verzichtete Wladimir Putin auf die Teilnahme an weiteren Treffen, weil die Organisation die Entwicklung der Wirtschaftszusammenarbeit nicht förderte. Worüber sollte man dann sprechen?

    Zudem wurde in demselben Jahr über die Teilnahme Moskaus an den ostasiatischen Gipfeltreffen gezankt. Der damalige US-Präsident George W. Bush war erbost, dass Russland (ein asiatischer Staat im Unterschied zu den USA) an den Treffen teilnehmen darf, und die USA außen vor gelassen werden. Weil in der ASEAN Entscheidungen nach dem Konsensprinzip getroffen werden, war es nicht schwierig, einen „Blockierer" zu finden.

    Bei der jetzigen Konferenz in Hanoi wurde beschlossen, dass sowohl Russland als auch die USA an den ostasiatischen Treffen teilnehmen dürfen. Die Zeiten haben sich geändert. Für Washington hat es keinen Sinn mehr, Russland überall zu blockieren. Beide Staatschefs können jetzt selbst klären, warum man diese Treffen überhaupt braucht. Das ist tatsächlich eine schwierige Frage.

    Rusland nimmt ebenfalls wieder an den anderen ASEAN-Treffen mit den priviligierten Partnern teil, die jeden Herbst stattfinden. Außenminister Sergej Lawrow verkündete kurz vor seinem Abflug nach Hanoi, dass das zweite ASEAN-Russland Treffen Ende Oktober ebenfalls in der vietnamesischen Hauptstadt stattfinden wird. Zudem sagte er, dass konkrete Projekte, Ideen und Vorschläge beim jetzigen Treffen erörtert würden, die zum Hauptthema im Oktober würden.

    Es liegt auf der Hand, dass Asien derzeit eine größere Rolle für Russland spielt als vor fünf Jahren. Welche Bereiche bei der Zusammenarbeit mit Moskau sollen ausgebaut werden? Russlands Einstieg in die Erschließung des Mekong-Beckens? Oder die Schaffung einer regionalen Atomenergiewirtschaft? Im zivilen Flugzeugbau gibt es ja schon Erfolge.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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