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    Investitionen: China greift nach der Spitze

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    Der Bericht über Direktinvestitionen im Jahr 2010 zeigt, in welche Richtung sich die Welt nach der Krise entwickelt.

    MOSKAU, 28. Juli (Dmitri Kossyrew, RIA Novosti). Der Bericht über Direktinvestitionen im Jahr 2010 zeigt, in welche Richtung sich die Welt nach der Krise entwickelt.

    Selbst wenn sie noch nicht überwunden ist, verdeutlicht das Dokument, wer der beste Krisenmanager, der künftige Spitzenreiter ist und wer das Nachsehen haben wird usw.

    Das Dokument ist äußerst interessant. Dessen Urheber hat einen zuverlässigen Ruf: die UNCTAD, die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung.

    Auf den ersten Blick gibt es keine Sensationen in diesem Bericht. Die Situation bleibt trotz der Krise ziemlich konstant. Amerika ist und bleibt der weltweit größte Investitionsempfänger, während der Platz zwei nach wie vor China gehört. Die globalen Investitionen werden dieses Jahr bei etwa 1,2 Billionen US-Dollar liegen, was im Vergleich zur Vorkrisenzeit nicht allzu viel ist: Damals beliefen sie sich auf etwa drei Billionen Dollar jährlich. In den kommenden zwei Jahren soll laut Bericht allerdings der einstige Stand wieder erreicht werden. Die USA sind zwar  einsame Spitze, aber China holt stark auf.

    Dabei geht es nicht im chaotische Geldbewegungen durch Portfolio-Investitionen, sondern um direkte Investitionen in etwas Konkretes, zum Beispiel in Industriebetriebe. Das sind ernsthafte Investitionen, die nicht über Nacht verschwinden können.

    Chinesische Wirtschaftsexperten haben die Situation bereits ruhig und offen kommentiert und festgestellt, dass klare Gesetze und Regeln, begabte Arbeitskräfte und ein starker Verbrauchermarkt (nämlich die USA) besser sind als ein schnelles Wachstum und billigere Arbeitskräfte (nämlich China). Aus diesen Gründen waren die Investitionen in China im vorigen Jahr 34,9 Milliarden Dollar weniger als die in den USA. Anfang dieses Jahres hatten die Direktinvestitionen in China jedoch massiv zugelegt, während sie in den USA um 60 Prozent schrumpften. Sollte dieser Trend konstant bleiben, dann...

    In den vergangenen 20 Jahren war China schon einmal für kurze Zeit Spitzenreiter beim Investitionsvolumen in seine Wirtschaft - ob in Wirklichkeit oder laut Umfragen zur Investitionsvorzügen. Danach zogen die USA wieder an dem Reich der Mitte vorbei. Aber Wirtschaft ist kein Sportwettbewerb, wo man die anderen auf- und überholen muss. Amerika ist für die Volksrepublik kein Superziel, das in Wirklichkeit etwas anders ist. China steigt allmählich selbst zum Großinvestor auf, was viel wichtiger ist, und zwar nicht nur für Peking selbst.

    In einem ganzseitigen Artikel der „Washington Post" ging es um Brasilien.

    Wenn man die Emotionen beiseite schiebt, dann haben sich Chinas Direktinvestitionen in Brasilien allein im ersten Halbjahr 2010 auf 20 Milliarden Dollar belaufen, wodurch die Volksrepublik zum größten Investor in diesem Land wurde. Peking investierte in die brasilianische Stahlindustrie und Automobilwerke, in die Infrastruktur für Kraftwerke und in andere Branchen. Allein der Ölkonzern Petrobras erhielt zehn Milliarden Dollar. Außerdem stieg China auf diese Weise zum größten Handelspartner Brasiliens auf.

     

    Die Emotionen des US-Experten, der diesen Artikel verfasst hat, sind aber durchaus verständlich. Brasilien ist kein kleiner Inselstaat im Pazifik, sondern die Lokomotive von ganz Lateinamerika und BRIC-Mitglied (die anderen Mitglieder sind Russland, Indien und China). Derzeit wird viel davon geredet, dass es sinnlos wäre, die vier Länder näher zu bringen, weil sie nicht miteinander verbunden sind. Doch in der Realität sieht das anders aus. Die Kontakte zwischen China und Indien weisen ein konsequentes Wachstum auf, obwohl beide Länder ungeregelte territoriale und andere Fragen haben. Erwähnenswert ist auch die Gewohnheit der BRIC, regelmäßig Gipfeltreffen und Ministerkonferenzen zu organisieren, bei denen im Anschluss immer mehr Investitionsgelder strömen.  

    Eigentlich reicht es nicht, die Spitzenreiter nach den Direkt- und Gesamtinvestitionen zu erkennen, um eine klare Vorstellung von den globalen Bewegungstrends zu bekommen. Es ist sehr nützlich, auch weniger offensichtliche Dinge einzusehen, beispielsweise den massenhaften Zufluss der chinesischen Gelder in die wichtigsten Länder. Wie auch nach Japan, Peru, Iran usw.

    Um ein ganzes Bild davon zu bekommen, sollte man sich die Situation in Europa betrachten - und die ist nicht allzu erfreulich. Die Europäer (vor allem die Europäische Handelskammer in China) bemühen sich in den vergangenen Monaten vor allem darum, ihre Besorgnis um die Investitionsperspektiven in China mitzuteilen. Sie beklagen sich, dass China „allmählich die Tür für ausländische Geschäftskreise schließt", um die einheimischen Unternehmen zu schützen, was wegen europäischen Finanzkrise „äußerst bedauernswert" sei. In erster Linie geht es dabei um Branchen wie „saubere" (alternative) Energien und Informationstechnologien. Haben denn die Chinesen etwa nicht die Absicht, die USA zu überholen und der größte Empfänger von ausländischen Investitionen zu werden? Offensichtlich nicht.

    Laut einer Umfrage der Europäischen Handelskammer wollen allerdings etwa 50 Prozent der befragten europäischen Unternehmer in den nächsten zwei Jahren in China zusätzlich investieren.

    In einem Bericht der größten europäischen Bank, die aber aus Asien stammt - HSBC (Hongkong and Shanghai Banking Corporation) - wurde die grausame Wahrheit geäußert: Die Weltwirtschaft neigt immer mehr zu Asien, wobei die europäischen Unternehmen mit diesem Trend kaum Schritt halten können. Es sei denn sie lernen, ihre Mittel in Innovationsforschungen in Asien anzulegen, und vergessen die „gestorbene" (so der HSBC-Bericht) Idee, dass Erfindungen im Westen gemacht werden, während der Osten nur eine Produktionsregion ist.

    Dies stimmt mit der jüngsten Aussage von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso gut überein, die EU würde auch bei den Wirtschaftsbeziehungen zu den USA nicht mit der neuen Zeit mithalten können. Das ist aber ein anderes sehr großes und schwieriges Thema.

    So ist also das allgemeine Weltbild (wenigstens die wichtigsten Trends). Es stammt von Menschen, die sich gut überlegen, wo sie ihr übrig gebliebenes Geld investieren wollen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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