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    Koreanische Halbinsel: Auswege aus einem Konflikt

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    Die Situation auf der koreanischen Halbinsel hält die Weltgemeinschaft in Atem. Im Interview mit RIA Novosti spricht Wagif Gussejnow, Direktor des Instituts für strategische Einschätzungen und Analysen, über die Probleme auf der koreanischen Halbinsel und mögliche Lösungswege.

    MOSKAU, 04. August (RIA Novosti). Die Situation auf der koreanischen Halbinsel hält die Weltgemeinschaft in Atem. Im Interview mit RIA Novosti spricht Wagif Gussejnow, Direktor des Instituts für strategische Einschätzungen und Analysen, über die Probleme auf der koreanischen Halbinsel und  mögliche Lösungswege.

    RIA Novosti: In der letzten Zeit wird die Situation auf der koreanischen Halbinsel immer stärker von den Medien verfolgt. Beim ersten Anblick scheint es, dass nichts Neues passiert. Wie hat sich die Situation nach einem Jahr verändert? Welche Schritte muss die Sechsergruppe unternehmen, um zumindest damit zu beginnen, dieses Problem zu lösen?

    Wagif Gussejnow: Die Situation kann einem, der damit nicht vertraut ist, trotz der intensiven Verhandlungen hoffnungslos erscheinen. Dennoch sind die Positionen der Staaten, die sich damit befassen, kompliziert und widerspruchsvoll. Ein Beispiel dafür sind die USA, die dem militärstrategischen Konzept des Pentagons folgen. Demnach ist die US-Präsenz in der Region unerlässlich. Für Russland ist diese Region ebenfalls wichtig. Dies hängt mit der Nachbarschaft zur koreanischen Halbinsel zusammen. Zudem hat Russland seine geopolitischen, wirtschaftlichen und militärischen Interessen in dieser Region. Nach meiner Ansicht gibt es derzeit vor allem Verhandlungen zwischen Nordkorea-China, Nordkorea-Russland, Nordkorea-USA u.s.w. Bilaterale Verhandlungen können selbstverständlich gewisse Ergebnisse mit sich bringen, wodurch die Situation von der Stelle bewegt wird. China hat seine eigenen Interessen. Norkorea kann die von der Sechsergruppe vorgeschlagenen Bedingungen kaum akzeptieren. Dies hängt mit der schweren Verletzung der Souveränität Iraks seitens der USA und dem anschließenden Angriff auf Irak zusammen. Der Angriff kam, obwohl die USA versprochen hatten, dass sie keine Militäraktionen gegen den Irak führen werden, falls die Entwicklung der Atombombe eingestellt wird. In diesem Sinne kann man die Befürchtungen Nordkoreas verstehen.

    RIA Novosti: Die Besorgnisse der internationalen Gemeinschaft um Nordkorea und den Iran hängen vor allem mit dem möglichen Einsatz der Atomwaffe zusammen. Inwiefern ist es möglich, dass Nordkorea Atomwaffen einsetzen wird?

    Wagif Gussejnow: Es muss ein ernsthaftes Ereignis geschehen, das die militärische und politische Führung Nordkoreas dazu zwingen wird.

    RIA Novosti: Kann Nordorea als Aggressor auftreten?

    Wagif Gussejnow: Nach meiner Ansicht ist dies kaum möglich. Die nordkoreanische Führung besteht aus klugen Menschen, die in einem wirklich schwierigen politischen Umfeld aufgewachsen sind. Sie wissen ganz genau, welche Folgen der Einsatz von Atomwaffen haben wird. Ich meine, dass die Atombombe eher ein Schutz- und nicht Aggressionsinstrument ist.

    RIA Novosti: Gibt es nach 50 Jahren der Konfrontation irgendwelche Wege zur Wiedervereinigung Nordkoreas und Südkoreas?

    Wagif Gussejnow: In der jetzigen Situation wird es sehr schwer sein. In dieser Region haben sich neben der Konfrontation von zwei Ländern die Interessen anderer Staaten verflochten. Es handelt sich um die USA, China, Russland, Frankreich, Deutschland, Großbritannien u.a. Deswegen ist es kaum möglich, das Problem ohne gemeinsame Schritte zu lösen. Man muss ein einheitliches Konzept ausarbeiten, wobei die Interessen aller Seiten berücksichtigt werden. Für Nordkorea und Südkorea müssen gegenseitig annehmbare Bedingungen gefunden werden. Dennoch meine ich nicht, dass diese Lösung in den kommenden Jahren gefunden wird.

    RIA Novosti: Kann die von der Weltgemeinschaft geführte Politik (Zusammenarbeit und friedliche Atomforschung) bei der Lösung dieses Problems helfen? Die Staaten der Sechsergruppe liefern Rohstoff und Norkorea verzichtet auf alle militärischen Atomprogramme. Werden der Iran und Nordkorea diesen Vorschlag annehmen?

    Wagif Gussejnow: In absehbarer Zukunft nicht. Bislang ist kein notwendiges Niveau des internationalen Vertrauens erreicht worden, bei dem Staaten wie der Iran und Nordkorea der Weltgemeinschaft bei Gewährleistung von konkreten Garantien entgegenkommen werden. Ein Beispiel dafür sind die Ereignisse im Irak:  Die USA haben mit Gewalt die Regierung abgelöst. Deshalb werden beide Staaten in der nächsten Zeit diesen Vorschlag nicht akzeptieren. Diese Entscheidung kann vielleicht in 15 oder 20 Jahren unter der Bedingung getroffen werden, dass die Beziehungen verbessert und ernsthafte Garantien von den USA, Russland, Deutschland und anderen Staaten gewährleistet werden.

    RIA Novosti: In der heutigen Welt gibt es keine globale Gefahr einer Atomkatastrophe. Sind Sie damit einverstanden? Können derzeit lokale Atomkonflikte entstehen?

    Wagif Gussejnow: Lokale nukleare Katastrophen enstanden in unterschiedlichen Regionen. Was die Atomkatastrophe betrifft, verstehen weltweit alle Spitzenpolitiker ganz gut, welche Folgen der Einsatz von Atomwaffen haben kann. In der Geschichte gibt es viele Beispiele, bei denen Staatsführer in kritischen Situationen eine gemeinsame Lösung fanden. Dennoch ist es nicht auszuschließen, dass sich die Situation in zehn oder 15 Jahren verschlechtern kann. In diesem Fall wird die Gefahr einer Atomkatastrophe anders bewertet.

     

     

     

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