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    Krieg gegen Japan: Die letzte Schlacht

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    Der Krieg zwischen der Sowjetunion und Japan dauerte vom 9. August bis zum 2. September 1945.

    MOSKAU, 11. August (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Der Krieg zwischen der Sowjetunion und Japan dauerte vom 9. August bis zum 2. September 1945.

    Doch die letzte Schlacht des Zweiten Weltkriegs spielt eine Hauptrolle in der Geschichte des Fernen Ostens und in Gesamtasien, weil sie zahlreiche historische Prozesse abschloss, andere dagegen auf Jahrzehnte hinaus initiierte.

    Vorgeschichte

    Die Voraussetzungen für einen sowjetisch-japanischen Krieg entstanden genau an dem Tag, als der Russisch-Japanische Krieg mit der Unterzeichnung des Friedens von Portsmouth am 5. September 1905 zu Ende ging. Russlands Gebietsverluste waren belanglos: lediglich die bei China gepachtete Halbinsel Liadong und der Südteil der Insel Sachalin. Weit gewichtiger war der Einflussverlust in der Welt und insbesondere im Fernen Osten, verursacht durch den misslungenen Krieg zu Lande und den Untergang des Großteils der Flotte. Sehr ausgeprägt war in Russland zudem das Gefühl der Erniedrigung.

    Japan stieg zur dominierenden Macht im Fernen Osten auf, nahezu unkontrolliert beuteten die Japaner in den russischen Hoheitsgewässern Meeresressourcen und die Fisch- und Krabbenbestände aus.

    Diese Lage spitzte sich während der Oktoberrevolution von 1917 und des darauf folgenden Bürgerkrieges in Russland zu, als Japan für mehrere Jahre den russischen Fernen Osten faktisch okkupierte und die Region nur höchst ungern unter dem Druck der USA und Großbritanniens verließ, die eine übermäßige Verstärkung des früheren Verbündeten aus dem Ersten Weltkrieg befürchteten.

    Zugleich festigte Japan seine Position in dem ebenfalls geschwächten und zerstückelten China. Der in den 1920er Jahren einsetzende Gegenprozess – die erstarkende Sowjetunion, die sich nach den militärischen und revolutionären Erschütterungen erholte - führte recht bald dazu, dass zwischen Tokio und Moskau Beziehungen entstanden, die ohne weiteres als Kalter Krieg bezeichnet werden können. Der Ferne Osten sollte für eine lange Zeit zum Platz der militärischen Konfrontation und lokaler Konflikte werden. Ende der 1930er Jahre erreichten die Spannungen ihren Höhepunkt, charakteristisch für diese Periode waren die damals größten Zusammenstöße zwischen der UdSSR und Japan: der Konflikt am Chassansee von 1938 und der am Fluss Chalchin-Gol von 1939.

     

    Zerbrechliche Neutralität

    Japan, das recht schwere Verluste erlitten und sich von der Macht der Roten Armee überzeugt hatte, zog es vor, am 13. April 1941 mit der UdSSR einen Neutralitätspakt abzuschließen, um im Pazifik-Krieg freie Hand zu bekommen.

    Auch die Sowjetunion brauchte den Pakt. Zu jener Zeit wurde klar, dass in Japans Politik die Flottenlobby, die die südliche Richtung im Krieg durchzusetzen versuchte, eine immer größere Rolle spielte. Andererseits waren die Positionen der Armee durch kränkende Niederlagen geschwächt. Die Wahrscheinlichkeit des Kriegs mit Japan wurde in Moskau nicht sehr hoch eingeschätzt, während der Konflikt mit Deutschland täglich näher rückte.

    Für Deutschland selbst, Japans Partner im Antkomintern-Pakt, das in Tokio seinen Hauptverbündeten und künftigen Partner in der "Neuen Weltordnung" sah, war der Vertrag zwischen Moskau und Tokio eine schallende Ohrfeige. Er löste Komplikationen in den Beziehungen zwischen Berlin und Tokio aus. Tokio aber erinnerte die Deutschen daran, dass dieser Neutralitätspakt auch zwischen Moskau und Berlin bestand.

    Die beiden größten Aggressoren des Zweiten Weltkriegs konnten sich nicht einigen, jeder von ihnen führte seinen eigenen Hauptkrieg: Deutschland gegen die Sowjetunion in Europa, Japan gegen die USA und Großbritannien im Pazifik. Deutschland erklärte den USA an dem Tag den Krieg, als Japan Pearl Harbor überfiel. Aber entgegen den Hoffnungen der Deutschen erklärte Japan der Sowjetunion nicht den Krieg.

    Dennoch waren die Beziehungen zwischen der UdSSR und Japan angespannt: Japan verstieß immer wieder gegen den Pakt, hielt sowjetische Schiffe  fest, ließ immer wieder Angriffe auf sowjetische Kriegs- und Zivilschiffe zu, verletzte die Landgrenze usw.

    Es war offensichtlich: Für keine der Seiten war das unterzeichnete Dokument auf Dauer etwas wert, der Krieg war nur eine Frage der Zeit. Doch ab 1942 veränderte sich die Situation allmählich: Der Umschwung im Krieg, der sich abgezeichnet hatte, zwang Japan dazu, seine langfristigen Pläne eines Kriegs gegen die UdSSR aufzugeben; zugleich erörterte man in der Sowjetunion immer aufmerksamer die Pläne zur Rückführung der im Russisch-Japanischen Krieg verlorenen Gebiete.

    Bis 1945, als die Lage kritisch wurde, versuchte Japan, unter sowjetischer Vermittlung Verhandlungen mit den westlichen Alliierten einzuleiten, was jedoch ohne Erfolg endete.

    Auf der Konferenz von Jalta gab die UdSSR die Verpflichtung bekannt, binnen zweier oder dreier Monate nach Abschluss des Kriegs mit Deutschland einen Krieg gegen Japan zu beginnen. Die Alliierten betrachteten die Einmischung der Sowjetunion als notwendig: Eine Niederlage Japans setzte die Zerschlagung seiner Landstreitkräfte voraus, die vom Krieg noch verschont worden waren. Die Alliierten befürchteten, dass eine Landung auf den Japanischen Inseln sie viele Opfer kosten würde.

    Solange die Moskau neutral blieb, konnte Japan mit der Fortsetzung des Krieges und der Verstärkung seiner Truppen rechnen, die in der Mandschurei und in Korea stationiert waren. Die Kontakte mit ihnen wurden trotz aller Versuche, sie zu unterbinden, aufrechterhalten.

    Die Kriegserklärung durch die Sowjetunion zerschlug diese Hoffnungen endgültig. Am 9. August 1945 sagte der japanische Premier Suzuki in einer dringenden Sitzung des Obersten Kriegführungsrats:

    "Der am heutigen Morgen erfolgte Eintritt der Sowjetunion in den Krieg macht unsere Lage völlig ausweglos und die weitere Kriegführung unmöglich."

    Zu bemerken ist, dass die Atombomben in diesem Fall nur ein zusätzlicher Anlass waren, aus dem Krieg möglichst bald auszutreten, keinesfalls der Hauptgrund. Der Hinweis mag genügen, dass der massierte Bombenangriff auf Tokio im Frühjahr 1945, der ungefähr die gleiche Opferzahl forderte wie Hiroshima und Nagasaki zusammen, Japan nicht dazu bewogen hatte, an eine Kapitulation zu denken. Erst der Eintritt der UdSSR in den Krieg mit den Atombomben im Hintergrund zwang Japans Führung zu dem Eingeständnis, dass die Fortsetzung des Kriegs sinnlos sei.

     

    Der "Auguststurm"

    Der Krieg selbst, der im Westen als "Auguststurm" bekannt ist, verlief rasend schnell. Reich an Kampferfahrungen im Krieg gegen die Deutschen, durchbrachen die sowjetischen Truppen durch eine Serie von schnellen und entschlossenen Schlägen die japanische Verteidigung und begannen eine Offensive ins Innere der Manschurei. Die Panzereinheiten rückten unter eigentlich ungeeigneten Bedingungen – im Sand der Gobi-Wüste und im Chingang-Gebirge – erfolgreich vor; die während der vier Kriegsjahre gegen den gefährlichsten Gegner eingespielte Kriegsmaschinerie konnte praktisch nicht aufgehalten werden.

    Die 6. Garde-Panzerarmee legte bis zum 17. August eine Entfernung von mehreren Hundert Kilometer zurück, so dass es bis zur mandschurischen Hauptstadt Xinjing nur noch etwa 150 Kilometer waren. Um diese Zeit hatte die erste Fernostfront den Widerstand der Japaner im Osten der Mandschurei gebrochen und die in jener Region größte Stadt Mudanjiang genommen. In mehreren Regionen im Hinterland der Verteidigungslinie mussten die sowjetischen Truppen den erbitterten Widerstand des Gegners überwinden.

    In der 5. Armee war er im Raum Mudanjiang besonders stark. Es gab Fälle des erbitterten Widerstands in der Transbaikalischen und der 2. Fernostfront. Die japanische Armee unternahm mehrmals Gegenangriffe. Am 17. August 1945 nahmen die sowjetischen Truppen in Mukden den Kaiser von Mandschukuo, Pu Yi (zuvor der letzte Kaiser von China), gefangen.

    Am 14. August schlug das japanische Oberkommando einen Waffenstillstand vor. Doch die japanische Seite stellte die Kriegshandlungen im Grunde nicht ein. Erst drei Tage später erhielt die Kwantung-Armee den Befehl über die Kapitulation, die dann am 20. August begann. Aber der Oberbefehlshaber erreichte nicht alle zugleich, mancherorts kämpften die Japaner entgegen des Befehl weiter.

    Am 18. August begann die Seelandungsoperation auf den Kurilen, in deren Verlauf die sowjetischen Truppen die Inseln einnahmen. Noch am selben Tag erteilte Marschall Wassilewski, Oberbefehlshaber der sowjetischen Truppen im Fernen Osten, den Befehl, die japanische Insel Hokkaido mit zwei Schützendivisionen zu okkupieren. Diese Landung wurde nicht verwirklicht, weil die sowjetischen Truppen auf Südsachalin langsamer vorwärts kamen, und später bis auf weitere Weisung aus dem Hauptquartier aufgeschoben wurde.

    Die sowjetischen Truppen besetzten den Südteil von Sachalin, die Kurilen, die Mandschurei und einen Teil Koreas. Die wichtigsten Kampfhandlungen auf dem Kontinent dauerten bis zum 20. August, also zwölf Tage. Doch vereinzelte Kämpfe gab es bis zum 10. September. Das war der letzte Tag der vollen Kapitulation und der Gefangennahme der Kwantung-Armee. Auf den Inseln waren die Kampfhandlungen am 5. September beendet worden.

    Die Urkunde über Japans Kapitulation wurde am 2. September 1945 an Bord des Linienschiffs "Missouri" in der Bucht von Tokio unterzeichnet.

    Die millionenstarke Kwantung-Armee erlitt eine schwere Niederlage. Laut sowjetischen Angaben betrugen ihre Verluste 84.000 Gefallene und 600.000 Gefangene. Die Verluste der Roten Armee beliefen sich auf 12.000 Gefallenen.

    Nach dem Krieg erhielt die UdSSR faktisch die von Russland früher verlorenen Gebiete (Südsachalin und zeitweilig Kwantung mit Port-Arthur und Dalny, die später China übergeben werden sollten) sowie die Kurilen zurück. Die Zugehörigkeit ihres Südteils wird von den Japanern bis heute bestritten.

    Gemäß dem Vertrag von San Francisco verzichtete Japan auf alle Ansprüche auf Sachalin (Karafuto) und die Kurilen (Tishima Retto). Der Vertrag legte jedoch die Zugehörigkeit der Inseln nicht fest, die Sowjetunion unterzeichnete ihn nicht. Die Verhandlungen über den Süden der Kurilen-Inseln dauern bis heute, wobei bisher nichts darauf hoffen lässt, dass eine baldige Lösung gefunden wird.

     

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

     

     

     

     

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