23:53 23 September 2018
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    Iraker befürchten nach Abzug des US-Militärs Gewalt und Bürgerkrieg

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    Nach mehr als sieben Jahren schließen die USA am heutigen Dienstag ihre Kampfmission im Irak offiziell ab. Bagdad wartet in gespannter Stille auf das Ende des amerikanischen Kriegseinsatzes.

    Nach mehr als sieben Jahren schließen die USA am heutigen Dienstag ihre Kampfmission im Irak offiziell ab. Bagdad wartet in gespannter Stille auf das Ende des amerikanischen Kriegseinsatzes. 

    Die Straßen sind leer. Aus Angst vor einer neuen Welle von Gewalt verschanzten sich die Menschen in ihren Häusern. Soldaten patrouillieren in der Stadt. Die Armee hat zahlreiche Kontrollposten in der irakischen Hauptstadt eingerichtet. Die Behörden trauen den Militärs offenbar mehr als der Polizei.

    Laut einem Vertrag vom November 2008 zwischen Washington und Bagdad müssen alle regulären Kampfeinheiten der USA bis 1. September 2010 den Irak verlassen. Die verbleibenden rund 50.000 Soldaten sollen noch anderthalb Jahre lang die irakischen Truppen schulen.

    „Die Amerikaner gehen, ohne kampffähige irakische Truppen und Sicherheitskräfte zu hinterlassen“, sagte Salam al-Hawadschi, Direktor des  Bagdader Instituts für strategische Studien, in einem Gespräch mit RIA Novosti. Dies könne zu neuen Terror-Wellen führen.

    Der andauernde Machtkampf zwischen den führenden politischen Kräften im Irak, die sich seit sechs Monaten nicht auf eine neue Regierung einigen haben können, drohe mit dem Zerfall der Armee und Sicherheitskräfte, urteilte der Experte.

    Dass sich Soldaten und Polizisten hinter verschiedene verfeindete Lager stellen würden, sei umso wahrscheinlicher, weil zwischen der kurdischen, der arabischen, der sunnitischen, der schiitischen Gemeinde tiefes Misstrauen herrsche.

    Zudem würden die regionalen Mächte nach dem US-Rückzug versuchen, das entstehende Machtvakuum zu füllen. Die Rivalität zwischen dem schiitischen Iran und sunnitischen arabischen Staaten könnte eine religiöse Fehde schüren. 

    Selbst die irakischen Rebellen, die seit mehr als sieben Jahren gegen die Okkupation kämpften, glauben nicht an die Fähigkeit ihres Staates, den internen und auswärtigen Gefahren im Alleingang zu widerstehen.

    „Ich habe jahrelang von diesem Tag geträumt. Doch liegt der Abzug der US-Truppen derzeit nicht im Interesse des Irak“, erzählte der ehemalige Widerstandskämpfer Amu Amin, der bei Gefechten gegen die US-Armee schwer verletzt worden war. „Ich bin überzeugt: Amerika ist ein Feind. Doch der Irak hat auch andere Feinde, die von einem Teil der Bevölkerung als Freunde betrachtet werden. Das droht mit inneren Bürgerkonflikten.“

    Von der US-Invasion versprachen sich viele Iraker ein besseres Leben. Obwohl die unter Saddam Hussein verbotenen Satellitenfernsehen und Mobilfunk jetzt zugänglich sind, sind viele Menschen mit ständigem Strom- und Trinkwassermangel konfrontiert, während die Bildung und Gesundheitsversorgung sich in kläglichem Zustand befinden.

    „Die Amerikaner versprachen uns Demokratie und Wohlstand. In der Tat haben wir jetzt weder einen richtigen Staat noch annehmbare Lebensbedingungen“, sagte der Bagdader Taxifahrer Sattar Dschabbar. Auch der Rückzug der Amerikaner scheint ihm zweifelhaft: „Es verbleiben doch noch 50.000 Soldaten in 93 Regionen des Irak.“

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