10:01 18 Dezember 2017
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    Arktis-Forum – Gesellschaftskammer für Arktis

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    Arktis. Territorium des Dialogs (88)
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    In Moskau ist am Donnerstag das internationale zweitägige Forum zum Thema „Dialograum Arktis“ zu Ende gegangen.

    In Moskau ist am Donnerstag das internationale zweitägige Forum zum Thema „Dialograum Arktis“ zu Ende gegangen.

    Dabei wurde fast alles besprochen, was etwas mit dem russischen, kanadischen, amerikanischen, grönländischen und norwegischen Norden zu tun hat. Von der Umwelt und dem Klima bis zu den Bodenschätzen und den juristischen Aspekten der Arktis-Aufteilung. Ein ganz besonderes Thema waren die Perspektiven des Hohen Nordens in fünf, zehn, 15 oder 20 Jahren.

    Zum Abschluss des Treffens sagte der russische Ministerpräsident Wladimir Putin das, wovon Umwelt- und Klimaexperten, Tierfreunde, Polarforscher und wer auch immer schon seit langer Zeit reden. Er stellte nämlich fest, dass die „Arktis-Frage“ „viel mehr wert ist als die Milliarden Barrel Öl und Billionen Kubikmeter Gas, die dort gefördert werden können.“ „Sollten wir heute in der Arktis verantwortungslos handeln, dann werden wir morgen nicht globale Vorteile, sondern globale Probleme ernten“, warnte Putin.

    Wer sich im Thema Hoher Norden gut auskennt, der nahm diese Fragestellung sehr positiv auf. Genauso wie die Initiative der Russischen geographischen Gesellschaft zur Einberufung des Forums, das von RIA Novosti unterstützt wurde. Die Teilnehmer des Forums einigten sich auf eine Fortsetzung der Diskussion, was die Polarenthusiasten optimistisch stimmt.

    Jeder Dialog über wichtige globale Probleme ist eine gute Sache. Was das Moskauer Arktis-Seminar angeht, so war dabei die zum Abschluss bestimmte Entwicklungsrichtung äußerst wichtig. Es gibt mindestens zwei Gründe für Optimismus (falls sich das Forum tatsächlich in eine Institution verwandelt und regelmäßig stattfindet, was viele Experten hoffen).

    Erstens entsteht in diesem Fall eine wirklich Große internationale Arena, in der Probleme des Nordens besprochen werden, wobei sich an der Diskussion nicht nur die „arktische Fünfer-Gruppe“ (Russland, USA, Kanada, Norwegen und Dänemark) beteiligen wird, sondern auch viele andere Staaten, Wissenschaftler, Ureinwohner, Unternehmer usw.

    Der baldigen juristischen Arktis-Aufteilung in nationale Segmente wird ein solches Forum nicht besonders helfen – das ist immerhin nicht seine Angelegenheit. Aber dieses Gremium könnte verhindern, dass nach der Aufteilung die „Besitzer“ dieses oder jenes Segments absolut willkürlich handeln, ohne die Meinung ihrer Nachbarn zu berücksichtigen.

    Die in Moskau geäußerten Initiativen zur Errichtung eines Einheitlichen internationalen Arktis-Informationsraums, die Erarbeitung von einheitlichen Verhaltensregeln in der Arktis, die Durchführung eines Arktis-Jahrzehnts (nach dem demnächst auslaufenden Arktis-Jahr) und die gemeinsame Zusammenstellung eines Großen Arktis-Atlasses (der Informationen über Geographie, Bodenschätze und Klima enthalten soll) – das alles waren schon konkrete Vorschläge.

    Russland hat einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht, indem es der Weltbank die Gründung eines Trustfonds für die Arktis-Kooperation vorschlug. Russlands Regierung und private Unternehmen sind bereit, an der Finanzierung dieser „Arktis-Bank“ teilzunehmen. Diese Mittel wären für die Erarbeitung von Sicherheitsmaßnahmen für alle Infrastruktur-Projekte im Arktis-Raum und für den Einsatz von neusten Hochtechnologien bestimmt.

    Solche Foren können für die Reinigung bzw. Gewährleistung der Sauberkeit der Arktis viel nützlicher als diverse diplomatische und Regierungskonferenzen werden. Außerdem könnten dabei die Aktivitäten von Regierungen und privaten Unternehmensstrukturen besser kontrolliert werden – ob sie ihre Verpflichtungen erfüllen oder ignorieren. Das wäre dann eine Art „Internationale Gesellschaftskammer für die Arktis“.

    Zweitens (für Russland natürlich erstens) ist ein solcher Dialog, an dem Premier Wladimir Putin höchstpersönlich teilnahm und den Präsident Dmitri Medwedew aufmerksam verfolgte, ohnehin ein Beweis dafür, dass das Arktis-Problem „ganz oben“ bemerkt worden ist. Aber eine weitere Ignoranz der riesigen Region, wo zwar nur 1,5 Prozent der Bevölkerung des Landes leben, die aber elf Prozent der Inlandsproduktion und 22 Prozent des russischen Exports (vor allem geht es um Kohlenwasserstoffe) sichert, kann sich Russland nicht mehr leisten.

    Die vollwertige russische Arktis-„Perestroika“ (der einst dank Michail Gorbatschow weltbekannt gewordene Begriff bedeutet wörtlich „Umbau“) wird natürlich viel Zeit in Anspruch nehmen. Und auch viel Geld. Da müsste man vorsichtig bei der Bewertung von Rohstoff-Vorräten sein, die sich unter dem arktischen Eis verbergen. Laut den jüngsten Angaben, die auf dem Moskauer Forum angeführt wurden, geht es dabei um etwa 51 Milliarden Tonnen Öl und 87 Billionen Kubikmeter Gas. Russland gehören davon jeweils neun Milliarden Tonnen und zehn Billionen Kubikmeter.

    Dass Russland endlich an seine „nördliche Dimension“ denkt und aus seinem arktischen „lethargischen Schlaf“ erwacht ist (das Moskauer Forum ist ein Beweis dafür), ist sehr erfreulich. Und es geht dabei nicht um Öl, Gas, Nickel, Wolfram, Mangan oder Gold. Russland sollte sich neben seinen nördlichen Nachbarn endlich um die Arktis kümmern, sonst gibt es bald keine frische Luft mehr, die wir alle atmen können.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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