15:55 18 Dezember 2017
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    Herrscherdynastien: Söhne lösen Väter ab…

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    Der letzte Herbst des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts scheint Klarheit in die Situation um die Machtperspektiven in Nordkorea und Ägypten zu bringen.

     

    Der letzte Herbst des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts scheint Klarheit in die Situation um die Machtperspektiven in Nordkorea und Ägypten zu bringen.

    Sowohl im Land der Morgenfrische als auch im Land der Pyramiden sind die Staatschefs nicht sehr gesund und suchen nach Nachfolgern – jedenfalls wenn man Experten, Nachrichtendiensten, Astrologen, Politologen, Weissagern, Ärzten, Mienendeutern, Diplomaten etc. etc. glauben sollte.

    Der Machtwechsel ist in beiden Fällen (vor allem in Pjöngjang) schon eine entschiedene Frage. Nicht ganz klar ist nur der Zeitpunkt, wann es passiert. Wer zum „Thronfolger“ wird, ist schon längst bekannt.

    In Pjöngjang soll zum neuen „innig geliebten Führer“ Kim Jong-un, der jüngste Sohn des jetzigen „innig geliebten Führers“ Kim Jong-il, werden. In Ägypten wird höchstwahrscheinlich der 41-jährige Gamal Mubarak seinen Vater Hosni Mubarak beerben.

    Der 82-jährige „Pharao“ regiert über das Nilland seit 1981. Damit hat er bereits die Rekorde Leonid Breschnews (18 Jahre an der Macht in der UdSSR) und sogar Mao Zedongs (27 Jahre als Großer Steuermann in China) gebrochen. Damit begeht Mubarak nächstes Jahr (in Ägypten findet 2011 die nächste Präsidentenwahl statt), das 30-jährige Jubiläum seiner Amtszeit.

    Gamal Mubarak, der wahrscheinlichste Nachfolger, ist derzeit der stellvertretende Generalsekretär der regierenden National-demokratischen Partei und fungiert gleichzeitig als Wirtschaftsberater seines Vaters. Gamal gilt als hervorragender Spezialist für Marktwirtschaft: Er ist diplomierter Experte für Finanzwesen, Wirtschaft und Bankenverwaltung. Sein Alter und seine Qualifikation entsprechen also den Ansprüchen auf die Staatsführung.

    Die Worte „Vetternwirtschaft in der Macht“, die in westlichen demokratischen Ländern nicht besonders beliebt sind, haben im arabischen Osten (eigentlich im ganzen Osten) keinerlei negative Bedeutung.

    In Ägypten ist man sogar absolut sicher, dass Gamal Mubaraks Ernennung zum Präsidenten die Stabilität garantieren würde. Angesichts der Situation im Irak pflegt man in den arabischen Ländern immer öfter zu sagen: „Besser 100 Jahre Selbstherrschaft als ein Tag Bürgerkrieg“. Diese Behauptung ist zwar umstritten, aber der Trend in der ägyptischen Gesellschaft ist verständlich. Zumal sich niemand in Kairo die radikalen „Brüder Moslems“ als Alternative für Mubarak Jr. wünscht.

    In Ägypten wurde bereits die „Volkskoalition für die Unterstützung Gamal Mubaraks“ gegründet, die die Unterschriften seiner Anhänger sammelt. Es gibt natürlich auch gewisse Zweifel an der Rückkehr zur Nachfolge in der Staatsgewalt, aber die Gene werden höchstwahrscheinlich gewinnen: In Ägypten hat es immerhin ewig Herrscherdynastien gegeben.

    In Pjöngjang ist die Situation nicht so offensichtlich. Es ist allerdings schwer, etwas in Bezug auf das Land vorauszusagen, wo absolut alles bis auf den Namen des Herrschers „top secret“ ist. Über die Krankheiten und den baldigen Rücktritt des 68-jährigen Kim Jong-il wird schon seit fünf oder sechs Jahren gesprochen, aber jedes Mal gehen solche Prognosen nicht in Erfüllung.

    Angesichts der absoluten Geschlossenheit der nordkoreanischen Gesellschaft kann man nur vermuten, wann der Machtwechsel möglich wäre. Der für Ostasien zuständige Assistent der US-Außenministerin, Kurt Campbell, nannte Nordkorea in der jüngsten Senatssitzung „eine black box“, bedauerte, dass die Angaben der Nachrichtendienste über die Entwicklung der Situation nur sehr selten mit der Wahrheit übereinstimmen, und kanzelte die Senatoren mit der Aussage ab, dass deren „Vermutungen genauso toll wie unsere“ wären.

    In letzter Zeit gibt es aber immer mehr Hinweise darauf, dass in Pjöngjang doch ein gewisser Wechsel möglich ist, der Kim Jong-un heißt. Für den 28. September ist in Pjöngjang eine Konferenz der regierenden Arbeiterpartei Koreas anberaumt. Solche Parteitage hat es auch früher gegeben, die allerdings eher nach Shows aussahen. Eine solch große Veranstaltung kennt Nordkorea seit 30 Jahren nicht. Die bislang letzte Konferenz dieser Art fand 1980 statt. Ausgerechnet damals stellte Kim Il-sung seinen Sohn Kim Jong-il vor, der aber seinen Vater erst nach seinem Tod 1994 ablösen durfte.

    Es ist also gar keine Selbstverständlichkeit, dass Kim der Mittlere in wenigen Tagen seinen Sohn als Nachfolger präsentieren wird. Höchstwahrscheinlich wird Kim Jong-un irgendein wichtiger Posten in der Partei bzw. Regierung anvertraut, wie das einst Kim Jong-il selbst passierte. Denn es wäre wohl selbst in Nordkorea übertrieben, den jüngsten Sohn zum Staatschef zu machen, von dem man weder im Land noch im Ausland kaum etwas weiß.

    Die nordkoreanische Gesellschaft ist nicht mehr so homogen, wie sie zu den Zeiten des Vaters war: Große internationale, wirtschaftliche und sogar Ernährungsprobleme spielen eine Rolle, und die Demokratische Volksrepublik wandelt sich allmählich. Dort lassen sich sogar die Wurzeln der Unzufriedenheit spüren.

    Gegenüber der Heimat der Chuch’e-Ideologie („Stützung auf eigene Kräfte“) lassen sich aber normale politische Standards kaum anwenden, besonders wenn man den ehrgeizigen, eigenwilligen und unkalkulierbaren Charakter der Kim-Familie bedenkt. In Nordkorea ist also alles möglich.

    Von Kim Jong-un ist lediglich bekannt, dass er 28 oder 29 Jahre jung ist und dass er in der Schweiz ausgebildet wurde. Aber es wurden schon mehrere Millionen Porträts des wahrscheinlichen „Thronfolgers“ gedruckt, während sich nordkoreanische Soldaten schon Lieder zu Ehren des „feinen Sohnemannes“ einprägen. In den nordkoreanischen Medien herrscht im Vorfeld der „weltbewegenden“ Konferenz die Überzeugung, dass der Vater am besten seinem Sohn die Macht überlassen sollte, damit es zu keinen Erschütterungen kommt, die die UdSSR und China erleben mussten. 

    Man muss sagen, dass die Machtübergabe innerhalb einer Familie in der ganzen Welt durchaus beliebt ist. Nicht zuletzt weil die scheidenden Staatsoberhäupter unter solchen Umständen ganz zufrieden sind, ihnen wird dann Unantastbarkeit und stabiler Ruhestand garantiert.

    Der 66-jährige Muammar al-Gaddafi, der in Libyen seit über 40 Jahren regiert, bereitet jetzt seinen 38-jährigen Sohn Saif al-Islam al-Gaddafi (der Name bedeutet soviel wie „Schwert des Islam“) zur Nachfolge. Ihm gehören bereits mehrere wichtige Posten im Land.

    Auch im GUS-Raum, nämlich in seinem „islamischen Teil“, sind die Herrscherdynastien keine Seltenheit. Erwähnenswert ist in diesem Kontext Aserbaidschan, wo Ilcham Alijew seinen verstorbenen Vater Gejdar Alijew „am Steuer“ ablöste. In Usbekistan ist in letzter Zeit die 38-jährige Gulnara Karimowa, die Tochter des Präsidenten Islam Karimows, sehr populär. Sie war bereits Vizeaußenministerin und Usbekistans Vertreterin in der UNO. Jetzt leitet sie die Botschaft in Spanien.

    Auch in Kasachstan sind die politischen Positionen der älteren Tochter Präsident Nursultan Nasarbajews, der 45-jährigen Dariga Nasarbajewa, sehr stark. Sie kontrolliert die nationalen Medien, hat schon an der Spitze ihrer eigenen Partei gestanden und in jeder Hinsicht sehr gute Aussichten.

     

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

     

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