21:25 18 Dezember 2018
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    Erfolgreicher Raketentest: Verfrühte Euphorie fehl am Platz

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    Bulawa: Chronik der Teststarts (115)
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    Das von vielen Pannen gebeutelte Projekt zum Bau der Interkontinentalrakete Bulawa hat einen Erfolg feiern können.

    Das von vielen Pannen gebeutelte Projekt zum Bau der Interkontinentalrakete Bulawa hat einen Erfolg feiern können.

    Damit sind jedoch nicht alle Widrigkeiten um die neue Interkontinentalrakete, die von U-Booten abfeuert wird, gelöst.

    Dreizehn Mal war die Bulawa bereits getestet worden. Der erste Test in diesem Jahr und der erste nach drei gescheiterten Starts (von Ende 2008 bis Ende 2009), der am Donnerstag stattfand, war erfolgreich. Die Unglückszahl 13 scheint für die russische Rakete genau das Gegenteil zu bedeuten. Die Bulawa hat ihre Aufgaben während des Flugs in vollem Umfang erfüllt. Die individuell lenkbaren Gefechtsköpfe trafen ihre vorgegebenen Ziele.

    Der erfolgreiche Teststart wurde zur rechten Zeit abgehalten. Ein weiteres Fiasko hätte zur Beendigung oder mindestens zur Revision des Programms und somit zur Verzögerung der Inbetriebnahme der U-Boote des Projekts 955 als Raketenträger geführt.

    Zudem kann sich die Situation zuspitzen, weil es keine tatsächliche und schnell umzusetzende Alternative zur Bulawa-Rakete gibt. Ein anderes Raketenmodell, die Flüssigkeitsrakete Sinewa, die für die Raketenträger des Projekts 667BDRM serienmäßig hergestellt wird, hat zwar hervorragende Eigenschaften, jedoch andere Abmaße. Zudem wird die Sinewa völlig anders als die Feststoffrakete Bulawa gelagert, gewartet und gestartet. Deswegen wäre eine Umstellung des Projekts 955 auf eine andere Rakete sehr kostspielig.

    Der erfolgreiche Bulawa-Start hat erneut bestätigt, dass man dieses Programm prinzipiell umsetzen kann. Vorher hatten viele Experten trotz einiger erfolgreicher Teststarts kritisiert, dass die Bulawa-Rakete unüberwindliche Mängel habe, die im Grunde keine Hoffnung auf einen Erfolg des Projekts zulassen. Der gelungene Test offenbarte also, dass die Probleme der Bulawa-Raketen vor allem mit der mangelhaften Produktionsqualität und Kontrolle zu tun haben.

    Diese Situation ist hauptsächlich auf den Krisenzustand der russischen Rüstungsindustrie, die lange Zeit so gut wie ohne Aufträge und Finanzierung auskommen musste, zurückzuführen. Zudem wird sie dadurch verschärft, dass es sich um ein Novum handelt.

    Die Bulawa-Rakete wurde vom Moskauer Institut für Wärmetechnik entwickelt, das keine Erfahrung mit dem Bau von seegestützten Raketen hatte. Als das Forschungsinstitut den Auftrag zur Entwicklung der Bulawa-Rakete bekam, wollte es die bei den Topol- und Topol-M-Modellen erprobten technischen Neuheiten nutzen. Dieser Plan ging jedoch nicht auf, weil das Thema zu spezifisch ist.

    Die bei den Tests entstandenen Schwierigkeiten wurden durch den fehlenden Zusammenhang der Mängel verschärft. Die Probleme des Bulawa-Modells hingen nicht mit einer einzigen Schwachstelle, sondern mit den fehlerhaften Beschlüssen der Konstrukteure, Industrie und der Behörden zusammen. Deswegen führte die Beseitigung einiger Mängel zur Entstehung neuer. Dieser Misserfolg hat die Probleme um die Qualitätskontrolle verschärft.

    Wann die Bulawa-Raketen ihren Dienst antreten, ist trotz des erfolgreichen Teststarts unklar. Ein erfolgreicher Teststart nach einer Pannenserie genügt nicht, um Schlüsse zu ziehen. Man braucht eine Testserie, um das Vorhandensein einer reibungslosen Raketenproduktion zu bestätigen. Derzeit hat man also eine schwierigere und größere Aufgabe zur Aufnahme der Kooperation bei der Herstellung prinzipiell neuer High-Tech-Erzeugnisse.

    Russland hat sich seit mehr als 40 Jahren nicht mehr mit Aufgaben in dieser Größenordnung befasst. Die seit 1970er Jahren in Betrieb genommenen Waffensysteme bilden noch heute den Kern der russischen Streitkräfte. Diese Aufgabe muss man angesichts der vor sich hin darbenden Fachkräfteausbildung, fehlender Spezialisten und der niedrigen Gehälter in der Rüstungsindustrie lösen.

    Solange die genannten Tendenzen nicht gestoppt worden sind, kann man kaum darüber sprechen, dass das „Bulawa“-Projekt ein Erfolg ist. Dazu reicht der Umbau allein der Rüstungsindustrie nicht aus. Jeder Erfolg kostet viel Geld. Dennoch ist das Ergebnis nicht immer im Voraus bekannt.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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