08:55 24 Juni 2018
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    Was Russland von der Multikulti-Debatte in Europa lernen kann

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    Die Debatte über Integration und Einwanderung in Europa hat sich zugespitzt.

    Die Debatte über Integration und Einwanderung in Europa hat sich zugespitzt.

    Bundeskanzlerin Merkel verkündete bei einem Treffen mit der Jungen Union, dass Deutschland beim Aufbau einer multikulturellen Gesellschaft gescheitert ist. Noch vor kurzem waren in Deutschland die Probleme zwischen den Nationalitäten ein Tabuthema gewesen. Für Immigranten wird es in Europa offenbar immer schwieriger.

    Wie Merkel betonte, müssen sich die Einwanderer in die deutsche Gesellschaft integrieren. Alle verstanden, dass Merkel vor allem die Moslems (genauer gesagt die Türken) ansprach. Unter den 16 Millionen in Deutschland lebenden Einwanderern gibt 2,5 Millionen Türken.

    Bundespräsident Christian Wulff rief am 19. Oktober alle in Deutschland lebenden Türken auf, schneller die deutsche Sprache zu lernen.

    Zum Auftakt seines fünftägigen Türkei-Besuchs sagte Wulff im Interview mit der türkischen Zeitung „Hürriyet“, dass viele Probleme gelöst werden könnten, wenn die Türken Deutsch lernten.

    Merkel hatte auch früher ähnliche Verkündigungen gemacht. Im November und im Dezember 2004 sagte sie beim CDU-Treffen in Düsseldorf, dass Multikulti ausgedient habe. Der Unterschied besteht nur darin, dass sie damals noch die Opposition angeführt hat.

    Deutschland unterstützt jetzt Frankreich, Belgien, Niederlande, Italien und Großbritannien bei der Änderung der Einstellung zu diesem gesamteuropäischen Problem. Eine multikulturelle Gesellschaft bleibt wohl ein Wunschtraum. Ein anderer Weg muss gewählt werden, der unbedingt eine Zweibahnstraße sein muss. Verschiedene Kulturen werden sich getrennt kaum einleben.

    Merkels Worte könnte man durch ihren schwankenden Kurs in der regierenden CDU/CSU und in der eigenen Partei erklären. Entscheidungsträgern der CDU zufolge manövriert Merkel die Partei zu stark nach links. Es ist bereits die Rede von einem innerparteilichen Aufstand, Abspaltung des rechten Flügels, Rücktritt der Parteivorsitzenden und vorgezogenen Wahlen.

    Die Worte der Pfarrerstochter aus der DDR hängen offensichtlich mit den anstehenden Wahlen zusammen. Sie finden zwar erst 2013 statt, doch politische Instabilität wünscht sich in Deutschland niemand. Eine Spaltung der Konservativen würde die Siegeschancen der Sozialdemokraten bei den Wahlen erhöhen.

    Deutschland ist nicht das muslimischste Land in der EU. Von den insgesamt 1,5 Milliarden Moslems leben etwa 15 Millionen in der EU. Die meisten Moslems leben in Frankreich - acht Prozent der Einwohnerzahl. In Niederlanden beträgt der Anteil der Moslems sechs Prozent, in Deutschland, Österreich, Schweden, Griechenland und in der Schweiz vier Prozent, in Großbritannien drei Prozent, in Italien zwei Prozent.

    2050 sollen die Moslems beinahe die Hälfte der europäischen Bevölkerung ausmachen. Viele Experten zweifeln zwar an diesen Berechnungen, sie sind sich jedoch sicher, dass die Zahl der Moslems in Europa steigen wird.

    Russland sollte die Einwanderungsfrage in Europa aufmerksam verfolgen und verstehen, wie die eigenen Probleme mit den Zugereisten gelöst werden können. Man kann vieles von Europa lernen und Fehler vermeiden.

    Das Problem besteht jedoch darin, dass die Integration von moslemischen Einwanderern, Al-Qaida und Bin Laden in der sich verändernden Welt und wegen der schlechten Wirtschaftslage ein gefährlicher und unvermeidlicher Prozess ist. Wer diese Probleme im Alltag und nicht nur auf kultureller und politischer Ebene kennt, versteht dies sehr gut. Die Feindlichkeit gegenüber Einwanderern ist in allen europäischen Staaten kein Geheimnis.

    Es wäre selbstverständlich gut, wenn die nationalen Unterschiede keine Rolle spielen würden. Zudem hat sich die kulturelle Vielfalt in Europa im Laufe mehrerer Jahrhunderte gebildet. Es wäre z.B. unmöglich gewesen, maurisches Kulturerbe von Spanien abzutrennen. Eine multikulturelle, eher eine homogene Gesellschaft strebt jedes Land an, wo alle Kulturen untrennbar verschmolzen sind. Dieses Ideal ist aber leider nicht erreichbar.

    Die Moslems müssen sich selbstverständlich kulturell und sprachlich an Deutschland und Europa anpassen.

    Europa und Deutschland müssen jedoch über eine simple Frage nachdenken. In den 1950er und 1960er Jahren wurden viele Gastarbeiter (aus der Türkei, Marokko, Algerien, Pakistan, den Philippinen, Indien, Nigeria u.s.w.) wegen des Arbeitskräftemangels eingeladen. Kann man sie einfach wegschicken, nachdem die Wirtschaft in Schwung gebracht und die Straßen gebaut sind? Das sieht nicht nach „europäischer Art“ aus. Hoffnungen, dass Einwanderer aus dem wohlhabenden Europa in die notleidende Heimat zurückkehren werden, gehen an der Realität vorbei. Konnnte keiner das früher begreifen?

    Dieses Problem betrifft also nicht nur Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Niederlande u.s.w., sondern ganz Europa. Russland, wo dieses Problem bereits herangereift ist, wird sich damit auch befassen müssen. Man muss einfach auf die Straße gehen, um dies zu verstehen.

     

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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