03:21 16 Oktober 2018
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    Hubschrauberträger: Mistral & Co. buhlen um russischen Milliardenauftrag

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    Hubschrauberträger Mistral (212)
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    Russlands Generalstabschef Nikolai Makarow hat die Namen der Länder genannt, die als Lieferanten für Landungsschiffe in Frage kommen.

    Russlands Generalstabschef Nikolai Makarow hat die Namen der Länder genannt, die als Lieferanten für Landungsschiffe in Frage kommen.

    Neben Frankreich, das für seine Mistral-Schiffe kräftig die Werbetrommel rührt, buhlen auch Spanien, die Niederlande sowie russische Werften um den Auftrag. Was hat jeder der Konkurrenten der russischen Flotte anzubieten?

    Mehrzwecklandungsschiffe sind auf dem internationalen Markt der Kriegsschiffe derzeit am meisten gefragt. An der russischen Ausschreibung nehmen die besten Modelle dieser Klasse teil. Inwieweit unterscheiden sie sich und wie sind die Chancen, dass sie umgesetzt werden?

    Um eine Vorstellung von den neuen Schiffen für die russische Marine zu bekommen, sollte man zunächst die Geschichte der universalen Landungsschiffe kennen lernen.

    Ein Mehrzwecklandungsschiff wurde erstmals in den USA entwickelt, die zu Recht als „Modeschöpfer“ im Bereich der Landungsoperationen gelten. Die während des Zweiten Weltkriegs gebauten Landungsschiffe der LST-Klasse (Landing Ship Tanks), die für die Truppen- und Techniklandung unmittelbar von der Rampe bestimmt waren, konnten nur begrenzt zum Einsatz kommen - die Küsten der Weltmeere waren dafür meist nicht geeignet. Außerdem war so ein Schiff vor der Küste eine ideale Zielscheibe.

    Dementsprechend verlief die Evolution der Landungsoperationen in zwei Richtungen: Dabei ging es um die Entfernung der Schiffe von der Küste und um die Ausweitung der Küstengebiete, die für Landungen geeignet sind. Die Schlüsselrolle gehörte dabei den Hubschraubern, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs serienmäßig gebaut werden und in den frühen 1950ern äußerst beliebt wurden und vielseitig als Unterstützung genutzt werden können.

    Genauso wichtig waren kleinere Landungsboote, die Kampftechnik und Marineinfanteristen von Schiffen an die Küste brachten und mit Dockschiffen zu den Einsatzgebieten transportiert wurden.

    Mehrzwecklandungsschiffe wurden als Mittelding zwischen Dockschiff und Hubschrauberträger mit durchgängigen Decks entwickelt.

    Derzeit haben amerikanische Mehrzwecklandungsschiffe dieser Klasse die meisten Möglichkeiten: Sie sind die größten und können die meisten Soldaten, Hubschrauber und andere Technik an Bord nehmen, aber sie werden nicht auf den internationalen Markt geliefert und sind außerdem viel zu teuer.

    Unter den europäischen universalen Landungsschiffen kommt vor allem die Mistral-Klasse in Frage, die für die russischen Seestreitkräfte am geeignesten gilt.

    Das Schiff mit einer Wasserverdrängung von 21.300 Tonnen wird in Frankreich als Verlegungs- und Führungsschiff eingesetzt (batiment de projection et de commandement, BPC). Sie sind für Expeditionen bestimmt, bei denen keine intensiven Kampfaktionen vorgesehen sind. Die Mistral-Schiffe sind nicht so teuer und haben weniger Waffen an Bord als amerikanische Schiffe, aber selbst für Operationen in entlegensten Gegenden des Weltmeeres sind sie geeignet und stehen in ständiger Kampfbereitschaft. Bis zu 450 Marineinfanteristen (bis zu 900 bei weniger Komfort und geringerer Autonomie) und bis zu 16 mittelschweren bzw. 30 leichten Hubschraubern finden auf den Schiffen Platz.

    Das Mistral-Modell ist speziell als Führungsschiff ausgerüstet worden und kann als Kommandoschiff eines Verbandes bei Friedenseinsätzen oder beim Flaggezeigen in Konfliktgebieten eingesetzt werden. Notfalls kann die Mistral auch als Basis oder als schwimmendes Krankenhaus verwendet werden.

    Sollte sich die russische Marine für dieses Schiff entscheiden, muss es umgebaut werden. So werden die für Russland vorgesehenen Schiffe eine zusätzliche Eisverstärkung haben, während ihre Hangars 17 Zentimeter höher sein sollen, damit auf dem Hangardeck russische Kamow-Hubschrauber untergebracht werden können, die höher als europäische Helikopter sind.

    Darüber hinaus werden die neuen Schiffe mit russischen Luftabwehranlagen ausgerüstet, die im Vergleich zu dem nahezu unbewaffneten Original verstärkt werden sollen.

    Wenn sich die russische Militärführung für die Mistral entscheidet, hofft sie auch Zugang zu den neusten Technologien zu bekommen, die für seinen Bau verwendet wurden, sowie die modernsten westlichen Führungs-, Navigations- und Kommunikationssysteme kennen zu lernen. Geplant ist, dass Russland in den kommenden zehn bzw. 15 Jahren vier Schiffe dieses Typs bekommt, von denen je zwei in Frankreich und in Russland gebaut werden.

    Das spanische Konkurrenzschiff „Juan Carlos I.“ verfügt ebenfalls über große Möglichkeiten. Das Schiff ist größer als die Mistral (Wasserverdrängung von 27.000 Tonnen) und kann nicht nur Hubschrauber, sondern auch Harrier- bzw. F-35-Flugzeuge an Bord nehmen. Dass dieses Modell den Zuschlag bekommt, ist nahezu ausgeschlossen: Russland hat keine Senkrechtstartjäger (Harrier-Typ), und der Anschluss an das F-35-Programm ist sowohl aus politischen Gründen als auch wegen der Probleme, die der Bau dieses Schiffes mit sich brachte, unrealistisch. Ohne diese Flugzeuge sind viele andere Vorteile der „Juan Carlos“ nahezu zwecklos.

    Ein ernsthafter Mitbewerber für die Mistral wäre wohl das niederländische Schiffsprojekt „Rotterdam“, das als Dockhubschrauberträger einer anderen Unterklasse der universalen Landungsschiffe angehört. Von den Mehrzwecklandungsschiffen unterscheiden sich diese Schiffe dadurch, dass sie kein durchgängiges Flugdeck und kein Hangardeck haben. Ein großer Hubschrauberlandesplatz befindet sich auf dem Heck, während die Hubschrauber selbst in einem Überbau auf dem Vorderteil der Schiffe untergebracht werden.

    Die Rotterdam ist kleiner als die Mistral (13.000 gegenüber 21.000 Tonnen), hat weniger Platz für Hubschrauber (vier gegenüber 16) und ist billiger. Dabei hat dieses Modell einen vollwertigen Dockraum und ist ein durchaus modernes Landungsschiff und kann bis zu 450 Mann samt Technik und Rüstungen an Bord nehmen.

    Im Vergleich zur Rotterdam ist die Mistral dank ihrer größeren Tragkraft vorteilhafter. Außerdem ist die russisch-französische Kooperation einer der wichtigsten Faktoren in der europäischen Politik, weshalb das französische Projekt wohl die besten Chancen hat.

    Schließlich hat Russland kein eigenes abgeschlossenes Projekt zum Bau eines universalen Landungsschiffes. In Sowjetzeiten wurde ein solches Modell (Projekt 11780) entwickelt, es wurden sogar zwei Schiffe („Krementschug“ und „Cherson“) in Auftrag gegeben, die nach dem Zerfall der Sowjetunion jedoch nicht in Dienst gestellt wurden.

    Nach seinen technischen Eigenschaften befindet sich das Modell 11780 zwischen den europäischen und amerikanischen Schiffen. Bei der Wasserverdrängung von etwa 25.000 Tonnen sollte das sowjetische Schiff bis zu 1000 Mann, bis zu 30 Flugapparate und natürlich zwei bis vier Luftkissen- bzw. eine größere Zahl kleinerer Landungsboote an Bord nehmen können.

    Doch das Projekt 11780 sollte sich zudem von den westlichen Modellen in mehrfacher Hinsicht unterscheiden. Das Schiff sollte ursprünglich ein starkes Triebwerk haben, das auf 30 Knoten beschleunigen kann, sowie schlagkräftigere Waffen, darunter ein Fla-Raketensystem mittlerer Reichweite und die Artillerieanlage AK-130, was seine Möglichkeiten für die Unterstützung der Marineinfanteristen wesentlich erweitern würde.

    Dank seiner hohen Geschwindigkeit könnte das Modell 11780 auch als U-Boot- Abwehrschiff eingesetzt werden.

    Aber heutzutage müsste das in den 1980er Jahren entwickelte Projekt völlig umgebaut werden, was viel Zeit in Anspruch nehmen würde, doch keine Erfolgsgarantie wäre. Dementsprechend können die russischen Werften nur als Subauftragnehmer an der Ausschreibung teilnehmen und Schiffe im Auftrag von ausländischen Unternehmen bauen.

    Das wird wahrscheinlich die Kooperationsform zwischen Russland und Frankreich beim Mistral-Projekt sein. Unklar ist nur der Anteil der russischen Industrie am Bau der zwei ersten Schiffen in Frankreich und zweier weiterer in Russland.

     

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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