08:53 24 Juni 2018
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    Heikle Mission: Russland kooperiert mit Nato in Afghanistan

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    Russland ist offenbar bereit, in Afghanistan für die Nato die Kastanien aus dem Feuer zu holen.

    Russland ist offenbar bereit, in Afghanistan für die Nato die Kastanien aus dem Feuer zu holen.

    Die Verhandlungen zwischen Moskau und der Allianz vor dem Nato-Gipfel vom 19. bis 20. November in Lissabon laufen auf Hochtouren. Im Vergleich zu den Beziehungen nach dem Südossetien-Krieg 2008 kann die jetzige Situation als „totaler Neustart“ bezeichnet werden.

    Die Zusage des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew, nach Lissabon zu reisen, hat großes Interesse bei Militärs und Diplomaten erregt. Formell beteiligt er sich am Gipfeltreffen des Nato-Russland-Rats am 20. November. Allerdings ist bereits bekannt, dass sich Medwedew in Lissabon mit US-Präsident Barack Obama treffen wird. Darüber hinaus sind Verhandlungen mit Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sowie individuelle Treffen mit den Staatschefs der führenden Nato-Staaten geplant.

    Intensive Gespräche vor Lissabon-Gipfel

    Rasmussen traf gestern zu einem zweitägigen Besuch in Moskau ein, um mit Präsident Dmitri Medwedew und Außenminister Sergej Lawrow zu verhandeln. Er zog seinen für den 5. November geplanten Moskau-Besuch um drei Tage vor. Ein Ziel seines Besuchs ist die Vorbereitung auf den Gipfel des Russland-Nato-Rats. Kurz vor seinem Besuch liefen die Drähte zwischen Moskau und der Nato heiß. Russlands Außenminister Sergej Lawrow, Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow und Generalstabschef Nikolai Makarow trafen sich mit dem Befehlshaber der NATO-Truppen in Europa, US-Admiral James Stavridis.

    Danach traf sich die Nato-Delegation mit den Vertretern des russischen Zivilschutzministeriums, des Sicherheitsrats und mit dem Kommando des Militärbezirks West. Zudem inspizierten Nato-Vertreter einige militärische Ausbildungszentren.

    Außerdem sprach Lawrow mit dem deutschen Außenminister Guido Westerwelle. Ihr Thema war: Russland und die Nato.

    Bereits im September war Serdjukow zu Besuch im Pentagon, wo er sich mit dem US-Verteidigungsminister Robert Gates traf.

    Was will die Nato von Russland?

    Russland und die Nato werden entweder beim Gipfel in Lissabon oder kurz danach (falls es nicht genug Zeit für die Vorbereitung entsprechender Dokumente vor dem Gipfel geben wird) einige Abkommen über die Zusammenarbeit schließen. Dabei wird es sich um folgende Kooperation handeln:

    1.    Hilfe für die Nato beim Nachschubtransport (darunter auch militärische Frachten) nach Afghanistan durch russisches Terrain - auf dem Luftwege und per Auto- oder Eisenbahn.
    2.    Lieferung von russischen Hubschraubern an Afghanistan
    3.    Ausbildung afghanischer Piloten, Angehöriger von Spezialeinheiten, Soldaten, Mitglieder der Anti-Drogen- und Antiterror-Einheiten in russischen Instituten und Ausbildungscamps
    4.    Mögliche Beteiligung Russlands am Nato-Raketenabwehrsystem

    Letzter Punkt kann wohl schneller verwirklicht werden, als es auf den ersten Blick aussieht. Lawrow verkündete nach dem Treffen mit Stavridis, dass Moskau und die Nato bereits „eine Arbeitsmenge“ bei der Entwicklung einer gemeinsamen Raketenabwehr geleistet haben. Dennoch will Russland konkretere Vorschläge zur Raketenabwehr haben.

    Man will verstehen, wie die Nato-Vorschläge mit der US-Raketenabwehr in Obamas Fassung übereinstimmen. Obama- Raketenabwer unterscheidet sich zwar von der geplanten europäischen Raketenabwehr, die vom ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush vorgeschlagen wurde, ist jedoch kaum eine neutralere Variante für Russland, wie es die USA darzustellen anstreben.
    Fast seit einem Jahr wird über die russischen Hubschrauber gesprochen. Es handelt sich um die Lieferung von 20 bis 21 Hubschraubern an die afghanische Armee, darunter die Transporthelikopter MI-17. Diese Hubschrauber sind besser für Afghanistan geeignet als die westlichen Pendants. Russland hat bereits vier Hubschrauber dieses Typs an Polen, Mitglied der ISAF-Kräfte in Afghanistan, geliefert.

    Warum tut die Nato alles, um Russland ins Boot zu holen?

    In Afghanistan, gebeutelt von pausenlosen und wenig erfolgreichen Kriegen, sind ernsthafte Veränderungen zu erwarten. Ohne Russlands Unterstützung können sie kaum erreicht werden. Die Nato und die USA schweigen zwar darüber, alle wissen jedoch, dass es ohne Russland nicht geht.

    Beim Lissabon-Gipfel soll eine Erklärung über die Zusammenarbeit zwischen der Nato und der afghanischen Regierung nach 2014/2015 geschlossen werden. Gerade in diesen Jahren soll die Nato-Präsenz in Afghanistan auf ein Mindestmaß reduziert und die Kontrolle im Sicherheitsbereich an die afghanischen Truppen, Polizei und Sondereinheiten übergeben werden.

    Dennoch wissen alle, dass die Nato angesichts der Besonderheiten Afghanistans es bis zu diesem Zeitpunkt kaum schaffen wird, den Krieg gegen die Taliban zu gewinnen und Stabilität und Frieden in der Region herzustellen.

    Nur Russland ist in der Lage, die Nato aus dem Sumpf Afghanistans herauszuholen. Russland weiß aus Erfahrung sehr genau, wie es ist, in Afghanistan steckenzubleiben. Die Nato braucht den Transitweg durch Russland - von den Ostseehäfen via Russland bis Kasachstan, Kirgistan und Tadschikistan.

    Der Transit durch Pakistan ist nicht mehr ausreichend für die Nato-Truppen. Die Nato braucht russische Spezialisten für die Ausbildung der afghanischen Soldaten, russische Technik und russische Hilfe beim Kampf gegen Drogenterror und Heroinhandel.

    „Die Russen könnten zwar unser Leben in Afghanistan sehr erschweren, sie machen dies jedoch nicht“, sagte ein Nato-Diplomat. Das westliche Militärbündnis hofft, dass Russland von „passiver“ zu aktiver Hilfe übergehen wird.

    Partnerschaft mit Afghanistan

    Die Nato betont, dass russische Soldaten oder Ausbilder auf keinen Fall nach Afghanistan geschickt würden. Russland erneut schmerzhaft an den Afghanistan-Krieg erinnern zu lassen, wäre zu viel des Guten gewesen. Sowohl Medwedew als auch Putin hätte sich einem Sturm der Entrüstung in Russland stellen müssen.

    Das ist auch nicht erforderlich, um die Situation in den südlichen Nachbarländern zuzuspitzen. Allein die Einbeziehung Russlands in die mit der Nato gemeinsame Ausbildung der afghanischen Soldaten des prowestlichen „Karzai-Regimes“, die Öffnung des Transit-Korridors, gemeinsame Operationen mit den USA und der Nato gegen die Drogenbarone setzen Moskau der Nato und dem „Großen Teufel“ (den USA) gleich und machen es zur Zielscheibe der Taliban und Al-Qaida.

    Dennoch kann Russland kaum anders vorgehen. Ohne Kooperation mit der Nato in Afghanistan wird es noch schlimmer sein. Es handelt sich also um eine gegenseitige Hilfe. Angesichts der Durchlässigkeit der Grenzen unserer südlichen Nachbarn und des massiven Schmuggels von Heroin ist Russland gezwungen, die Nato zu unterstützen.

    Ohne die Ausbildung der afghanischen Soldaten wird selbst ein teilweiser Abzug der Nato-Truppen aus Afghanistan eine totale Katastrophe für Moskau bedeuten. Vor der Nase Russlands würde ein unkontrollierbares, gut bewaffnetes Drogengebiet entstehen.

    Russland kann für seine Nachgiebigkeit „im Süden“ im Gegenzug von der Nato die Garantie fordern, die Nato-Truppen „im Norden“ (in ehemaligen sozialistischen *-Ländern, die jetzt zur Nato gehören) zu reduzieren, die Abchasien- und Südossetien-Frage zurückzuziehen (was kaum möglich ist) und sich verstärkt mit der Vernichtung der Mohnplantagen in Afghanistan zu befassen. Russland hat also viele Vorschläge, wie seine Hilfe vergolten werden kann. Das Wichtigste ist, dass sich diese Hilfe nicht in „Kanonenfutter“ verwandelt..

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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