08:46 25 November 2017
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    Sparkurs: Frankreich und Großbritannien schmieden Militärpakt

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    Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Regierungschef David Cameron haben Anfang November eine enge militärische Kooperation vereinbart.

    Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Regierungschef David Cameron haben Anfang November eine enge militärische Kooperation vereinbart.

    Das Abkommen gilt als beispiellos, die Rede ist sogar von der Vereinigung der Streitkräfte der beiden Staaten oder zumindest der „Wiedergeburt der Entente Cordiale“ (die Allianz existierte bereits während des Ersten Weltkriegs).

    Künftig sollen Militäroperationen gemeinsam geleitet werden. Außerdem kooperieren beide Staaten beim Einsatz der Kriegsflotte (vor allem der Flugzeugträger). Frankreich und Großbritannien haben sich zudem darauf geeinigt, bei der Entwicklung und Produktion der Militärtechnik und bei der Entwicklung von Atomwaffen zusammenzuarbeiten. London und Paris sind in Bezug auf die Nuklearwaffen bis dato immer unterschiedliche Wege gegangen: Frankreich schuf seine Nuklearkräfte selbstständig, während Großbritannien von den USA unterstützt wurde.

    Langer Weg zur Zusammenarbeit

    Die ewigen Konkurrenten Frankreich und Großbritannien sind durch fast 1000 Jahre lange Beziehungen verbunden. Von den schwierigen Beziehungen zwischen beiden Nationen hing das Schicksal nahezu ganz Europas ab. Mitte des 19. Jahrhunderts, nach einigen Hundert Jahren der heißen und kalten Kriege versöhnten sich beide Staaten. Dennoch hätte es in den 1920er und 1930er Jahren zu einem Militärkonflikt zwischen London und Paris kommen können. Nach der Kapitulation Frankreichs gegenüber Deutschland im Sommer 1940 kam es zwischen Franzosen und Briten sogar zu Schusswechseln. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschlimmerte sich sogar die Situation.

    Frankreich und Großbritannien - koloniale Imperien, europäische Großmächte, die einst das Schicksal der Welt bestimmt hatten - konnten sich lange nicht mit ihrer neuen Rolle als Nebenmächte abfinden. Ihre neue Mission war, auf die Handlungen der neuen Großmächte, der USA und der Sowjetunion, zu reagieren.

    Frankreich und Großbritannien taten sich bei der Suez-Krise 1956 zusammen, um den Status quo des Kanals zu erhalten. Die westeuropäischen Führungsmächte konnten dank der Kontrolle über den Suezkanal sowohl den politischen Einfluss geltend machen als auch Profit herausziehen. Es war der Versuch, ihre weltweiten Ambitionen und Möglichkeiten zu demonstrieren.

    Doch die früheren Großmächte stießen auf neue harte Realitäten: Die Sowjetunion und die USA, die die Verstaatlichung des Suezkanals durch Ägypten anstrebten, zwangen Großbritannien und Frankreich (ebenfalls Israel), nachzugeben.

    Die Zusammenarbeit der beiden Staaten in der Nato entwickelte sich auf merkwürdige Art und Weise... Einerseits hoben Großbritannien und Frankreich die Allianz aus der Taufe. Andererseits ging Frankreich immer seinen eigenen Weg. Mitte der 1960er Jahre begann Paris, eine Kooperation mit der Sowjetunion aufzubauen und trat 1966 aus der Militärstruktur der Nato aus.

    Frankreich und Großbritannien leiteten dabei intensiv ihre militärtechnische Zusammenarbeit in die Wege. Paris begann allmählich, die erste Geige zu spielen. Großbritannien, dessen Wirtschaft nach dem Zusammenbruch des Imperiums lahmte, verlor allmählich seine Positionen. Die Zusammenarbeit mit Frankreich ermöglichte dem Vereinigten Königreich, die eigene Rüstungsindustrie über Wasser zu halten und sich nicht in eine Filiale der US-Superkonzerne zu verwandeln. Diese Zusammenarbeit (mit Frankreich und innerhalb der EU) war für Großbritannien immer eine Alternative zur Kooperation mit den USA.

    Als Ergebnis der militärtechnischen Kooperation entstanden unter anderem das Überschall-Passagierflugzeug Concorde, den Jagdbomber Jaguar und das PAAMS-Flugabwehrsystem.

    Großbritannien überließ in den 1940er/60er Jahren Washington und New York seine Rolle als politisches und Finanzzentrum in der angelsächsischen Welt. Dadurch verwandelte es sich in einen Satelliten der USA. Das war eine wenig beneidenswerte Rolle. Man verzeiht den schwächer gewordenen Führungsmächten keine Schwächen. Bezeichnungen wie  der „51. Bundesstaat“, „unversenkbarer Flugzeugträger“ tauchten nicht nur in den sowjetischen Zeitungen, sondern auch in der westeuropäischen Presse auf.

    Krise als Anreiz

    In diesem Jahr hat sich die Situation sowohl in Frankreich als auch in Großbritannien zugespitzt. Wegen der globalen Wirtschaftskrise mussten beide Staaten ihre Militärausgaben reduzieren. Wegen der technologischen Barriere stiegen die Kosten und die Fristen für die Entwicklung neuer Militärtechnik in exorbitante Höhen.

    In Großbritannien ist die Situation schlimmer als in Frankreich. Laut der neuen Sicherheitsstrategie, die Ende Oktober von der britischen Regierung veröffentlicht wurde, soll der Verteidigungsetat in den kommenden vier Jahren um acht Prozent gekürzt werden. Eine weitere Reduzierung ist ebenfalls nicht ausgeschlossen. Derzeit liegen die britischen Militärausgaben bei etwa 60 Milliarden US-Dollar.

    Das ist zwar viel, doch die westeuropäischen Preise für Waffen und die Ausgaben für die Berufsarmeen sind sehr hoch. Unterm Strich bleibt von dieser Summe nur wenig übrig. Wegen des Geldmangels müssen die kostspieligsten Teilstreitkräfte - Kriegsflotte und die Luftwaffe - Enthaltsamkeit üben.

    Großbritanniens Aussichten waren alles andere als rosig: Endgültige Verwandlung in eine zweitrangige Militärmacht, die nur bei Nato-Operationen mitreden kann, weil sie kein Potential für eine eigenständige Politik hat.

    In diesem Fall wären die Handlungen Großbritanniens nicht in London, sondern in Brüssel oder in Washington bestimmt worden. Großbritannien hätte sich damit kaum abfinden können.

    Hintertür gefunden

    Auch Frankreich hatte seine Probleme. Mit der Rückkehr in die Militärstruktur der Nato wollte Paris seine eigene Unabhängigkeit gegenüber Brüssel und Washington bewahren. Trotz der guten Beziehungen zu Deutschland brauchte Frankreich eine Alternative zu seinem Nachbarn, dessen Rolle in den vergangenen 20 Jahren in Europa stark zugenommen hat.

    Gemeinsame Eingreiftruppe, gemeinsame Waffenentwicklungen, Bestimmung der Militärstrategie - das alles erinnert an die besten Zeiten der gegenseitigen militärischen Zusammenarbeit. Dennoch behalten sich die Seiten gewisse Freiheiten vor. Bei der gemeinsamen Entwicklung und Produktion der Atomwaffen wollen sie weiter selbstständig die eigenen nuklearen Kräfte kontrollieren.

    Es ist noch unklar, wie effektiv dieses Bündnis sein wird. Wenn es aber Realität wird, muss man London Beifall klatschen. In einem Raum mit zwei Ausgängen – Nebenrolle in EU-Strukturen oder „Waffenträger mit eigener Meinung“ für die USA – haben die cleveren Briten eine Hintertür gefunden.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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