17:52 17 Juli 2018
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    G20-Gipfel: Waffenstillstand im Währungskrieg

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    G20-Gipfel in Seoul (19)
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    Im Mittelpunkt des G20-Gipfels in Seoul hat die Bekämpfung der Währungskriege gestanden.

    Die G20-Staats- und Regierungschefs warnten davor, einen Abwertungswettlauf um ihre Nationalwährungen zu starten.  „Niemand darf ein Wirtschaftswachstum zu Lasten der anderen anstreben. Dies würde zu einem Wettlauf in den Ruin führen. Die Aufgabe der G20 besteht darin, eine solche Entwicklung zu verhindern“,  sagte der EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bei der Eröffnung des Gipfels. Dennoch ist eine schnelle Lösung dieses Problems kaum zu erwarten. Dies wurde während des G20-Gipfels deutlich sichtbar.

    Je niedriger, desto besser

    Die Währungskriege begannen im Herbst, als viele Länder (von den USA und Brasilien bis Südkorea und Thailand) ihre Währungskurse senkten. Dadurch wollten sie die Konkurrenzfähigkeit ihrer Exporte erhöhen und ausländische Investoren anlocken (dank der Verbilligung der Aktiva). Dies wurde durch direkte Interventionen auf dem Währungsmarkt und die indirekte Kursschwächung (liquide Mittel wurden in die heimischen Wirtschaften gepumpt) erreicht.

    So kündigte die US-Notenbank Federal Reserve Zukäufe von Staatsanleihen für insgesamt 600 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von acht Monaten an. Das bedeutet also, dass die Notenpresse erneut angeworfen wird.

    Bislang haben die Anstrengungen zur Bekämpfung der Währungskriege kaum die erwünschten Ergebnisse gebracht. Ende Oktober, vor dem G20-Gipfel, haben die Finanzminister beschlossen, auf Währungsabwertungen zu verzichten und sich einem marktbasierten Wechselkurssystem anzunähern. Dennoch übernahmen die Emittenten der Reservewährungen nicht die Verpflichtung, eine koordinierte Geldpolitik durchzuführen.

    Sonst hätten die USA beispielsweise darauf verzichten müssen, 600 Milliarden US-Dollar in die Wirtschaft zu spritzen.

    Die Handlungen der wichtigsten Akteure der Weltwirtschaft bestätigen die Richtigkeit des Sprichworts „Jeder ist sich selbst der Nächste“. Die USA fordern seit mehreren Jahren von China, entschlossene Maßnahmen zur Stärkung der Nationalwährung zu treffen. Sie beschweren sich darüber, dass die chinesischen Exporteure dank des schwachen Yuans unfaire Wettbewerbsvorteile erhalten.

    US-Finanzminister Timothy Geithner erinnerte vor dem Auftakt des G20-Gipfels, dass der schwache Yuan der Marktlogik widerspreche und zum Anstieg der Inflationsrate führen könne. Aber auch die USA werten trotz der Forderung an China den Dollar ab.

    Wie soll der Währungskrieg gestoppt werden?

    Alle sprechen zwar darüber, dass der Währungskrieg gestoppt werden muss, keiner unternimmt jedoch ernsthafte Schritte in dieser Richtung.

    Die Ursachen der Währungskriege haben sich im Laufe von einigen Jahrzehnten herausgebildet. Ende des 20. Jahrhunderts begannen die amerikanischen und europäischen Unternehmen, ihre Produktion zuerst in die südostasiatischen Länder und später nach China zu verlagern. Dank dieser Maßnahme hatte sich der Westen für einige Zeit von vielen wirtschaftlichen, sozialen und Umweltproblemen befreit.

    Die Unternehmen, die ihre Werke in Europa und in den USA behalten haben, leiden unter dem Druck der billigen chinesischen Exportwaren. Die Gehälter der Arbeiter in den USA sind fünf bis zehn Mal höher als in China. Zudem stellte sich vor kurzem heraus, dass die Einnahmen aus Dienstleistungen und Know-how (die wichtigsten Exportprodukte des Westens) die Ausgaben für den Kauf der Industrieprodukte aus dem Osten nicht decken. Bestätigt wird dies durch die Tatsache, dass das Außenhandelsdefizit der USA 3,3 Prozent des BIP und das Außenhandelsprofizit Chinas 4,7 Prozent des BIP ausmacht.

    Bislang ist keine Lösung der Systemprobleme in der Weltwirtschaft gefunden worden. Stattdessen werden formelle Schritte zur Verteilung der Rollen in den internationalen Organisationen unternommen. Vor dem G20-Gipfel wurde beschlossen, die Sitze im Internationalen Währungsfonds zugunsten der Schwellenländer umzuverteilen. Die Zahl der Direktoriumsmitglieder bleibt jedoch bei 24. Die Schwellenländer werden zwei zusätzliche Sitze auf Kosten der EU-Staaten bekommen.

    Dadurch erhalten die Entwicklungswirtschaften zwar einen leichteren Zugang zu IWF-Krediten, ihre Positionen in der Weltwirtschaft werden jedoch kaum stärker werden. Bereits bei der Entstehung der G20 haben viele Experten prophezeit, dass die Rolle der internationalen Wirtschaftsorganisationen wie der IWF oder die Weltbank ihre Bedeutung als Regulatoren der Weltwirtschaft verlieren werden. Die wichtigsten Entscheidungen (darunter die Streitigkeiten über die Währungskurse) werden bei Verhandlungen zwischen den Vertretern der Wirtschaftsmächte getroffen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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