20:00 19 Oktober 2018
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    Vom Spezialisten zum Multitalent: Russland forciert Comeback der Raketenkreuzer

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    Der schwere Atomraketenkreuzer „Admiral Nachimow“, der bereits seit mehr als zehn Jahren die Sewmasch-Werft in Sewerodwinsk (Gebiet Archangelsk) nicht verlassen kann, wird voraussichtlich 2012 wieder in Dienst gestellt.

    Der schwere Atomraketenkreuzer „Admiral Nachimow“, der bereits seit mehr als zehn Jahren die Sewmasch-Werft in Sewerodwinsk (Gebiet Archangelsk) nicht verlassen kann, wird voraussichtlich 2012 wieder in Dienst gestellt.

    Die langjährige Modernisierung soll komplett finanziert werden. Außerdem sollen auch alle anderen Schiffe des Projekts 1144 modernisiert werden. Laut Quellen wurde die entsprechende Entscheidung im russischen Verteidigungsministerium getroffen.

    Die mögliche „Rückkehr“ der Gruppierung der Raketenkreuzer gehört zu den Lieblingsthemen der Experten. Sie streiten sich immer wieder, ob diese Schiffe dem aktuellen Bedarf der russischen Marine entsprechen.

    Lieblingsprojekt von Admiral Gorschkow

    „Nur Herr Gorschkow kann sich ein so kostspieliges Spielzeug leisten“. Mit diesen Worten hat Akademiemitglied Wladimir Tschelomej, Chefkonstrukteur des Raketensystems Granit, viel Porzellan in seinen guten Beziehungen zum damaligen Oberbefehlshaber der sowjetischen Seestreitkräfte, Sergej Gorschkow, zerschlagen.

    Aber eigentlich hatte er recht: Die riesigen und enorm teuren Schiffe, die lediglich als Aufgabe haben, feindliche Flugzeugträger zu vernichten, schienen ein Anachronismus zu sein, als sich die ganze Welt mit der Entwicklung von Mehrzweckschiffen befasste, deren universale Raketenanlagen verschiedene Aufgaben lösen können.

    Natürlich waren die Kreuzer des Modells 1144 nicht nur für den Kampf gegen große Überwasserschiffe bestimmt. Sie waren mit starken Luftabwehranlagen ausgerüstet und konnten auch U-Boote bekämpfen. Diese Rüstungen waren aber eher Hilfsmittel, während sein wichtigster und stärkster Raketenkomplex ein sehr beengtes Aufgabenfeld hatte.

    Diese Schiffe konnten nur US-Flugzeugträgerverbände verfolgen. Ihr Einsatz zu anderen Zwecken war aber sinnlos.

    Die einseitige Einsatzfähigkeit bedingte das Schicksal der Schiffe in den schweren Zeiten Russlands: Ende der 1990er Jahre war nur das letzte der vier Schiffe dieses Projekts, die „Pjotr Weliki“, weiter im Dienst, die dank des politischen Willens zum 300-jährigen Jubiläum der Seestreitkräfte fertig gebaut wurde. Die ersten drei Schiffe verharrten weiter in den Werften.


    Was tun mit den „Weißen Elefanten“?

    In der britischen Flotte gibt es einen sehr passenden Begriff: die „weißen Elefanten“. So werden untypische Kriegsschiffe bezeichnet, deren Größe usw. nicht den allgemeinen Standards entsprechen, weshalb ihr Einsatzzweck selbst für Experten unklar ist.

    Bei den Schiffen des Projekts 1144 handelt es sich um „weiße Elefanten“, nachdem die Sowjetunion zerfallen war. Die Verfolgung der US-Flugzeugträger erübrigte sich - selbst im Falle eines russisch-amerikanischen Krieges wären die Raketenkreuzer ohne die Unterstützung anderer Kräfte nur große Zielscheiben. Wegen des Verfalls der russischen Militärstruktur konnten sie keine Hilfe erhalten.

    Erst in der zweiten Hälfte der 2000er Jahre hatte das russische Verteidigungsministerium wieder genügend Geld, um von neuen Rüstungen zu reden. Man dachte sofort auf die Indienstnahme der Kreuzer, die weiter in ihrer Heimatwerft in Sewerodwinsk verweilten.

    Alle Experten waren sich aber einig, dass die „Rückkehr“ der 1144er Schiffe erst nach einer umfassenden Modernisierung in Frage käme, damit sie als Mehrzweckschiffe zum Einsatz kommen.

    Zu diesem Zeitpunkt war die russische Industrie bereits fähig, eine solche Modernisierung zu vollziehen: Es wurden bereits universale Waffensysteme entwickelt, die unterschiedlich eingesetzt werden können. Außerdem verfügte die russische Marine über neuste Informations- und Führungssysteme, die die kollektive Verteidigung eines Schiffverbands ermöglichten, unter anderem einen Informationsaustausch in Echtzeit und die Feuerleitung mehrerer Schiffe von einem Kommandopunkt aus.

    Diese Neuigkeit, die für die neuen Schiffe, die gerade im Auftrag des Verteidigungsministeriums gebaut werden, typisch ist, war die Chance für die alten Kreuzer, wiederbelebt zu werden.

    Noch mehr als das: Diese Schiffe können nach der Modernisierung eine prinzipiell andere Rolle spielen. Dank ihrer Größe können sehr viele Waffen an Bord installiert werden, damit sie als richtige Mehrzweckschiffe sowohl für die Luft- als auch für die U-Boot-Abwehr eingesetzt werden.

    Solche Schiffe könnten verschiedene Aufgaben erfüllen - von der Unterstützung der Landtruppen an der Küste bis zum Kampf gegen Überwasserschiffe, U-Boote und die Luftwaffe. Dabei könnten ihre Waffensysteme abhängig von den konkreten Zielen und Aufgaben entsprechend optimiert werden.

    Neue Struktur für neue Kreuzer

    Derzeit entwickelt sich die russische Überwasserflotte „vom einfachen zum komplizierten“ - die neuen Korvetten und Fregatten sollen in den nächsten zehn Jahren durch größere Schiffe, darunter durch Zerstörer und Mehrzweck-Landungsschiffe, gestärkt werden.

    Dank den universalen Waffen und Ausrüstungen können aus solchen Schiffen schlagkräftige Verbände gebildet werden, deren Unterhaltung nicht allzu teuer sein dürfte - dank zahlreichen universalen bzw. standardisierten Zulieferteilen, die für Schiffe verschiedener Projekte geeignet wären.

    Diese Struktur, die ohnehin zahlreiche Aufgaben sowohl in den Friedens- als auch in den Kriegszeiten lösen könnte, könnte auch durch zusätzliche Elemente ausgebaut werden. Als solche könnten sich die modernisierten Raketenkreuzer sowie die Flugzeugträger der neuen Generation erweisen, falls eine solche politische Entscheidung getroffen werden sollte.

    Zumal die kampffähigen leichten Kräfte eine unentbehrliche Voraussetzung für die Einführung von neuen schweren Schiffen sind: Derzeit können die russischen Marinekräfte weder universale Landungsschiffe, noch Raketenkreuzer, noch Flugzeugträger einsetzen. Schwere Schiffe, für die es keine leichten Begleitschiffe gibt, verlassen die Werft nur, um an einer Parade teilzunehmen. Wenn es gelingt, einen schlagkräftigen Schiffsverband zusammenzustellen, stechen sie hin und wieder in See.

    Der Flugdeckkreuzer „Admiral Kusnezow“ und der einzige schwere Atomraketenkreuzer „Pjotr Weliki“ kommen zurzeit nur in solchen Fällen zum Einsatz. Hoffentlich plant das russische Militär mit der Modernisierung der anderen Kreuzer, sie für andere Zwecke einzusetzen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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