09:53 16 Oktober 2018
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    USA und China müssen sich einigen

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    Die Mülltonne der Geschichte ist mit denen überfüllt, die geglaubt haben, Amerika würde keine Bedeutung mehr haben“, hatte US-Verteidigungsminister Robert Gates vor seinem jüngsten China-Besuch gesagt.

     „Die Mülltonne der Geschichte ist mit denen überfüllt, die geglaubt haben, Amerika würde keine Bedeutung mehr haben“, hatte US-Verteidigungsminister Robert Gates vor seinem jüngsten China-Besuch gesagt.

    In Peking hatte Gates Vorgespräche zum USA-Besch des chinesischen Staatschefs Hu Jintao geführt, der dieser Tage in Washington weilt. Obwohl in Amerika solche Aussagen derzeit häufig zu hören sind, lag der Zusammenhang in diesem Fall auf der Hand. Gates zielte mit seiner Aussage direkt auf China.

    Eigentlich wollten die USA den Chinesen im vergangenen Jahr zu verstehen geben, dass sie keine Angst vor ihnen hätten und von ihrem ewigen Status als Supermacht Nummer eins überzeugt seien.

    Die Tagesordnung der Verhandlungen zwischen Hu Jintao und Barack Obama in Washington ist prall mit Themen gefüllt. Im Vordergrund stehen aber Themen wie Verteidigung, Sicherheit und strategisches Gleichgewicht. Sehr wichtig ist auch die Zukunft der Handelskontakte und beider Währungen, Dollar und Yuan. 
    Jahr der US-Flugzeugträger

    Es entsteht der Eindruck, dass der Besuch Hu Jintaos von Anfang an nur ein einziges Ziel hatte: den Schaden wiedergutzumachen, den Obamas Team den Beziehungen zwischen den beiden Supermächten zugefügt hat. Natürlich will niemand Schwächen zeigen. Aber war es nicht ein bisschen übertrieben, zwei Allianzen gegen China zu schmieden - vor der Korea-Halbinsel und im Südchinesischen Meer?

    Im ersten Fall nutzten die USA mehrere fragwürdige Zwischenfälle zwischen den beiden koreanischen Staaten aus - die Versenkung der südkoreanischen Korvette „Cheonan“ und die Gefechte in einem umstrittenen Meeresgebiet. 2010 war für China das „Jahr der US-Flugzeugträger“ vor seiner Küste.

    Im zweiten Fall brach die US-Diplomatie grundlos einen Konflikt um umstrittene Gebiete im Südchinesischen Meer vom Zaun, indem sie Peking „Aggressivität“ vorwarf. Daran könnten wohl viele Menschen glauben, nur nicht jene, die mit der langjährigen Geschichte der weltweiten Kontroversen um diese Gewässer und Inseln vertraut sind.

    Die USA konnten im chinesischen Grenzgebiet dadurch an Bedeutung gewinnen. Unklar ist jedoch, was es mit den „Muskelspiel“ erreichen kann. Es sieht so aus, als hätte Washington Peking auf diese Weise unter Druck setzen wollen, um eine Lösung seines derzeit größten Problems in den Beziehungen zu China zu forcieren - des Geld-, Handels- und Finanzproblems.
     
    Die USA sind zwar noch stark, aber…

    Die jetzigen chinesisch-amerikanischen Handelsverhandlungen sind die wichtigsten seit zehn Jahren. Was die beiden Supermächte voneinander erwarten, ist allgemein klar. Unklar ist aber, wie diese Verhandlungen verlaufen und welche Folgen sie haben werden.

    Es handelt sich nicht nur um die Wirtschaftskontakte zwischen zwei großen Ländern, sondern um einen Wandel des heutigen Modells der globalen Wirtschaftsbeziehungen, die 2008 die Wirtschaftskrise ausgelöst haben.

    Bei diesem Modell spielt China die Rolle einer Fabrik, die für amerikanische und europäische Verbraucher arbeitet. Als Ausgangspunkt gilt das Jahr 2001, als die Volksrepublik WTO-Mitglied wurde. Jetzt verkaufen US-Unternehmen Waren im Wert von 90 Milliarden Dollar (gegenüber 19 Milliarden Dollar 2001) nach China. Doch sie kaufen leider viel mehr. Das Handelsdefizit zwischen den USA und China liegt derzeit bei nahezu 300 Milliarden Dollar jährlich.

    „Das ist nicht gerade das Modell der Beziehungen, das wir wollten“, lauten die Klagen in Amerika, das mit 14 Billionen Dollar der größte Schuldner der Welt ist. „Was sollen wir mit diesen Geldern anfangen“, mag man sich in China fragen, dessen Devisenreserven größer als die zusammengenommenen Reserven der EU-Länder, Russlands, Japans und mehrerer anderer Länder sind.

    Was die USA von China wollen, ist bekannt. Die Volksrepublik soll mehr Waren einführen, um Industrie in den Vereinigten Staaten und Europa wiederzubeleben. Zu diesem Zweck soll der Yuan-Wechselkurs erhöht werden. Zu diesem Thema wurden in den letzten Jahren unzählige Bücher und Artikel geschrieben. China soll Amerika und seine Wirtschaft retten. Andernfalls könnte Washington Gründe für den Einsatz seiner Flugzeugträger finden.

    Einigung möglich?

    Das ist ein typisch amerikanisches Verhalten. China verhält sich aber auch sehr traditionell. Eigentlich sagte Hu Jintao in seinem Interview für "Washington Post" und „Wall Street Journal“ vor seinem Abflug nach Washington schon alles.

    Dabei stellte er fest: Beide Nationen müssen sich im 21. Jahrhundert einigen. Zu diesem Zweck sollten sie einander mehr vertrauen und ihre Sprech- und Denkweise ändern.

    Wenn man die unangebrachte Neigung beider Seiten zum Schlagabtausch ausklammert, dann kann man feststellen: Washington und Peking bewegen sich in die richtige Richtung - sie suchen nach einem akzeptablen Modell der Koexistenz. Irgendwann finden sie es, auch wenn ihre Beziehungen manchmal genauso schlecht wie bei dem früheren demokratischen US-Präsidenten Bill Clinton zu sein scheinen. Es ist nun einmal so, dass sich die Chinesen mit den US-Demokraten nicht einigen können. Da sind sie nicht die einzigen…

    Muskelspiele bringen nichts

    Trotz aller Bemühungen Obamas, den Schein zu wahren, dass die USA eine dominierende Weltmacht sind, ist offensichtlich, wie sich die amerikanisch-chinesischen Beziehungen entwickeln werden. Chinas Export wächst doppelt so schnell wie die chinesische Wirtschaft insgesamt. Einst hatte die Sowjetunion ein Sonderlager eingerichtet, um seinen wirtschaftlichen Einfluss auf andere Länder zu fördern. China kann aber auch bei einem offenen Wettbewerb triumphieren.

    Die früheren Verbündeten der USA verlieren allmählich ihre Positionen, während die neuen Mächte - Indien, Brasilien, Russland oder die Türkei - zwar keine richtigen Verbündeten Chinas sind, aber auch nie Verbündete der USA waren. Laut der US-Zeitschrift „Fortune“ sind unter den zehn größten Unternehmen der Welt zwei amerikanische, aber drei chinesische zu finden. In anderen Bereichen sieht das Bild ähnlich aus.

    Niemand will in der Mülltonne der Geschichte landen, indem man behauptet, Amerika spiele keine Rolle mehr. Aber diese Rolle ist nicht mehr die alte…

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.


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