11:28 15 November 2018
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    Japan und USA: Manöver in gefährlichen Gewässern

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    Japan und die USA halten derzeit ein Seemanöver im Ostchinesischen Meer ab.

    Japan und die USA halten derzeit ein Seemanöver im Ostchinesischen Meer ab.

    An der bis zum 3. Februar dauernden Übung beteiligen sich 4500 japanische und 1500 amerikanische Soldaten. Bemerkenswert ist der Ort der Übung: Erst im Dezember hatte Japan sein neues Verteidigungsprogramm veröffentlicht, laut dem ausgerechnet die südlichen und südwestlichen Inseln stark bewacht werden sollen.

    Japan und China: wachsende Konkurrenz

    Die im Südwesten Japans gelegenen Nansei-Inseln sind eine kleine Inselgruppe zwischen Taiwan und Kyushu. Auf der Landkarte sehen sie aus wie die Kurilen-Inseln, die eine Kette zwischen Hokkaido und der russischen Halbinsel Kamtschatka bilden.

    Yonaguni, die westlichste der Nansei-Inseln, liegt nur 125 Kilometer von Taiwan entfernt.

    Japanische Strategen haben festgestellt, dass die Nansei-Inseln vor äußeren Gefahren kaum beschützt werden können. Deshalb beschlossen sie, eine Übung zur Abwehr von möglichen Diversionen und Raketenangriffen, abzuhalten. Der vermeintliche Gegner wurde natürlich nicht beim Namen genannt, aber es liegt auf der Hand, dass es sich dabei um China handelt.

    Die Geschichte kennt zahlreiche Konflikte zwischen dem Land der aufgehenden Sonne und dem Reich der Mitte. In den vergangenen Jahrzehnten hielt Tokio China aber nur für eine Nebengefahr, nicht zuletzt wegen der ziemlich schwachen Marine und Luftwaffe der Volksrepublik, die sich keine großen Manöver weit enfernt von der Küste leisten konnten. Außerdem war Chinas Militärplanung zwischen den 1960er und 1980er Jahren offenbar gegen die Sowjetunion gerichtet.

    In den 1990er Jahren kam jedoch die Wende. Erstens entspannten sich allmählich die Beziehungen zwischen Peking und Moskau. Zweitens baute China konsequent seine Luft- und Seestreitkräfte aus, insbesondere dank seiner Kooperation mit Russland.

    Heutzutage ist es offensichtlich, dass China eine Flotte aufbaut, die in einer großen Entfernung von ihren Stützpunkten agieren kann und über viele moderne Langstreckenbomber verfügt, die mit unterschiedlichen Marschflugkörpern ausgerüstet sind. Zusammen mit dem intensiven Ausbau der Militärinfrastruktur im Süden bzw. Südosten Chinas ruft das große Besorgnisse hervor - und zwar nicht nur in Japan.

    China und mehrere andere Länder sind ihrerseits über die Aktivitäten Japans um den Ausbau seiner Selbstverteidigung beunruhigt. 

    Im Grunde handelt es sich derzeit in der Region um ein Wettrüsten, wobei Japan und China die Führungsrolle spielen. Angesichts der Aufrüstung auch anderer ostasiatischer Länder könnte der Ferne Osten künftig zur welweit hochgerüsteten Region aufsteigen.

    Die jüngste Korrektur der Verteidigungsstrategie Japans ist nicht unbemerkt geblieben: Chinesische Medien berichten immer häufiger mit großer Besorgnis darüber. Die Zeitung der chinesischen Volksbefreiungsarmee stellte fest, dass eine solche Situation „nichts als große Sorgen der benachbarten Länder in Asien“ hervorruft und auch für Japan negative Folgen haben könnte. 

    Gemeinschaft mit Schutzherr „Uncle Sam“

    Japans intensive Aufrüstung bedeutet allerdings keineswegs den Verzicht auf die Kooperation mit seinen traditionellen Verbündeten, vor allem mit den USA. Gemeinsam mit Washington bemüht sich Tokio nach wie vor um die Errichtung eines Raketenabwehrsystems, dessen Aufgabe vor allem die Abwehr von möglichen Raketenangriffen seitens Nordkoreas und möglicherweise Chinas werden soll: Beide Länder verfügen über zahlreiche ballistische Mittelstreckenraketen, die Japan erreichen können.

    Die USA sind für Japan ein wichtiger Know-how-Lieferant, ob im technischen oder im organisatorischen Bereich. Dank dieser Kooperation kann Japan moderne Waffen herstellen und seine Selbstverteidigungskräfte eigenständig effektiv vorbereiten.

    Darüber hinaus bemüht sich Tokio um die Entwicklung der Militärkooperation mit Südkorea, Indien, Australien und anderen Ländern der Region, die entweder unmittelbare Verbündete oder Freunde der USA sind.

    Allgemein kann man feststellen, dass in Ostasien in letzter Zeit eine Art „demokratischer Sicherheitsgürtel“ entstanden ist, der die Länder zusammenschließt, die auf Seite der USA stehen und Angst vor dem immer stärker werdenden China haben.

    Blick aus dem Norden

    Für Russland entsteht damit einerseits eine sehr günstige Situation. Da sich alle stärksten Kräfte der Region auf ein von seinen Grenzen entfernt gelegenes Gebiet konzentrieren, ist der Druck auf Russlands Grenzen nicht so groß - seitens sowohl Japans als auch Chinas, dem viele Russen weiter eher misstrauen. Dabei spielt die jüngste Annäherung Moskaus und Washingtons eine wichtige Rolle für ein Tauwetter zwischen Russland und Japan in Bezug auf den Kurilen-Gebietsstreit: Ohne die Zustimmung Washingtons wird sich Tokio wohl kaum für eine Eskalation um die Südkurilen entscheiden, die es für seine „nördlichen Territorien“ hält.

    Diese augenscheinlich beruhigende Tatsache könnte aber auch gefährlich sein. Dass Barack Obama bei der Präsidentenwahl 2012 wiedergewählt wird, ist fraglich. Eins ist sicher: Ab 2018 werden die Vereinigten Staaten auf jeden Fall einen neuen Staatschef haben. Die Position der künftigen US-Administration zu dieser Frage kann man zurzeit unmöglich prognostizieren. Japans Armee gewinnt an Stärke und ist für Russland potenziell gefährlich.

    Deshalb ist für Moskau die bereits angekündigte Förderung der Kurilen-Inseln samt ihrer Verteidigung derzeit wohl die richtigste Vorgehensweise. Egal wie die Rivalität zwischen Japan und China enden sollte, Russlands Interessen müssen im Fernen Osten zuverlässig geschützt werden.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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