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    Hintergrund: Jugoslawienkriege

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    Heute vor drei Jahren spaltete sich das Kosovo von Serbien ab.

    Heute vor drei Jahren spaltete sich das Kosovo von Serbien ab.

    Am 17. Februar 2008 hatte sich das Kosovo mit Unterstützung der USA und der führenden EU-Länder für unabhängig erklärt. 75 UN-Staaten, darunter 22 EU-Mitglieder, haben die Unabhängigkeit des Kosovos bislang anerkannt. Serbien, Russland, China, Indien, Spanien und viele andere Länder haben das Kosovo nicht als neuen Staat anerkannt.
    Der Zerfall der Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien Anfang der 1990er Jahre wurde von Bürgerkriegen und ethnischen Konflikten mit Interventionen anderer Staaten begleitet. Von den Kriegshandlungen unterschiedlichen Ausmaßes waren alle sechs ehemalige jugoslawische Republiken betroffen. Die Kriege forderten insgesamt 130.000 Todesopfer (seit Anfang der 1990er Jahre). Der materielle Schaden ging in mehrere Milliarden US-Dollar.

    Slowenien

    Der Konflikt in Slowenien (27. Juni – 7. Juli 1991) verlief am schnellsten. Der 10-Tage-Krieg (Slowenischer Unabhängigkeitskrieg) begann, als Slowenien am 25. Juni 1991 seine Unabhängigkeit erklärte.

    Die jugoslawische Volksarmee (JNA) stieß auf erbitterten Widerstand der einheimischen Verteidiger. Nach slowenischen Angaben musste die jugoslawischen Volksarmee 45 Gefallene beklagen. Weitere 146 Menschen wurden verletzt. Auf slowenischer Seite wurden 19 Todesopfer und 182 Verletzte gezählt. Zudem waren zwölf Ausländer ums Leben gekommen.

    Der 10-Tage-Krieg wurde durch die Unterzeichnung der Brioni-Erklärung am 7. Juli 1991 unter Vermittlung der EU beendet. Demnach verpflichtete sich die JNA, die Gefechte in Slowenien zu stoppen. Slowenien seinerseits setzte den Vollzug der Unabhängigkeit für drei Monate aus.

    Kroatien

    Der Konflit in Kroatien (1991-1995) wurde ebenfalls durch die Unabhängigkeitserklärung vom 25. Juni 1991 ausgelöst. Bei dem Militärkonflikt kämpften die Kroaten gegen die JNA und örtliche serbische Verbände, die von den Behörden in Belgrad unterstützt wurden.

    Im Dezember 1991 wurde die unabhängige Republik Serbische Krajina ausgerufen. 91 Prozent der insgesamt 480.000 Einwohner waren Serben. Kroatien verlor einen großen Teil seines Gebiets. In den kommenden drei Jahren rüstete Kroatien seine Armee massiv aus, beteiligte sich am Bürgerkrieg im benachbarten Bosnien-Herzegowina (1992-1995) und unternahm Militäreinsätze gegen die Serbische Krajina.

    Im Februar 1992 schickte der UN-Sicherheitsrat nach Kroatien Friedenstruppen (UNPROFOR). Zunächst galt die United Nations Protection Force als Provisorium, das die Voraussetzungen für eine umfassende Beilegung der Jugoslawienkrise schaffen sollte. Nachdem sich jedoch der Konflikt zuspitzte und auch Bosnien-Herzegowina erfasst hatte, wurde das Mandat der Blauhelme im Juni 1992 verlängert.

    Nach den kroatischen Militäreinsätzen im August 1995 wurde die Verteidigung der Krajina-Serben durchbrochen. Nach der Niederlage kehrten fast alle Serben Kroatien den Rücken. Vor dem Krieg machten die Serben zwölf Prozent der Bevölkerung Kroatiens aus. Nach dem Erfolg im eigenen Gebiet marschierten die Kroaten nach Bosnien-Herzegowina ein, wo sie zusammen mit bosnischen Muslimen die einheimischen Serben angriffen.

    Der Konflikt in Kroatien wurde ebenfalls von ethnischen Säuberungen auf beiden Seiten begleitet. Laut verschiedenen Schätzungen wurden bei dem Konflikt zwischen 20.000 und 26.000 Menschen (vorwiegend Kroaten) getötet. Etwa 550.000 Menschen der insgesamt 4,7 Millionen Einwohner Kroatiens mussten aus dem Land fliehen.

    Die territoriale Integrität Kroatiens wurde 1998 endgültig wiederhergestellt.

    Bosnien-Herzegowina

    Der Bosnienkrieg (1992-1995) war der größte und erbitterste auf dem Balkan gewesen. An den Gefechten nahmen einheimische slawische Muslime, Serben und Kroaten teil. Die Situation eskalierte nach einem Unabhängigkeitsreferendum (29. Februar - 1. März 1992), das von den meisten bosnischen Serben boykottiert wurde. Am Konflikt beteiligten sich die JNA, die kroatische Armee, Söldner und Nato-Truppen.

    Der Konflikt fand sein Ende, als ein Friedensvertrag auf der US-Militärbasis Dayton (US-Bundesstaat Ohio) am 21. November 1995 vereinbart wurde. Der Friedensvertrag von Dayton wurde am 14. Dezember 1995 in Paris vom Anführer der bosnischen Muslime, Alija Izetbegovic, dem serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic und seinem kroatischen Amtskollegen Franjo Tudman unterzeichnet. Das Abkommen regelte die Nachkriegsordnung in Bosnien-Herzegowina und die Stationierung von Nato-Friedenstruppen (60.000 Soldaten) in der Krisenregion.

    Im August bzw. September 1995, unmittelbar vor der Vereinbarung des Dayton-Vertrags, flog die Nato weitere Luftangriffe gegen die bosnischen Serben, die unter dem Codenamen „Deliberate Force“ verliefen. Sie spielten eine wichtige Rolle bei der Veränderung der Situation zugunsten der muslimischen und kroatischen Kräfte, die eine Attacke gegen die bosnischen Serben unternommen hatten.

    Der Bosnien-Krieg wurde von den massenhaften ethnischen Säuberungen und Massakern an der Zivilbevölkerung begleitet. Dabei kamen etwa 100.000 Menschen (vorwiegend Moslems) ums Leben. Zwei Millionen Menschen wurden zu Flüchtlingen. (Vor dem Krieg hatten in Bosnien-Herzegowina 4,4 Millionen Menschen gelebt. Die Moslems machten dabei 43,6 Prozent, die Serben 31,4 Prozent und die Kroaten 17,3 Prozent der Bevölkerung aus.)

    Der Krieg in Bosnien-Herzegowina verursachte einen Schaden von mehreren Dutzenden Milliarden Dollar.

    Die Wirtschaft und die Sozialeinrichtungen in Bosnien-Herzegowina wurden nahezu komplett zerstört.

    Serbien, Kosovo

    Der Konflikt im Kosovo und Metochien, der südlichen Region Serbiens, in den Jahren 1998 und 1999 wurde durch die Eskalation zwischen Belgrad und den Kosovo-Albanern verursacht, die 90 bis 95 Prozent der dortigen Bevölkerung ausmachen. Serbien startete eine große Operation gegen die albanische Terrororganisation UCK („Befreiungsarmee des Kosovo“), die für die Kosovo-Unabhängigkeit kämpfte.

    Nach den gescheiterten Friedensverhandlungen im französischen Rambouillet Anfang 1999 startete die Nato unter Führung der USA massive Bombenangriffe gegen die Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien und Montenegro). Die Kriegsoperation der Allianz ohne Zustimmung des UN-Sicherheitsrats dauerte vom 24. März bis zum 10. Juni 1999. Als Grund galten die massiven ethnischen Säuberungen.

    Am 10. Juni 1999 beschloss der UN-Sicherheitsrat die Resolution 1244, die das Ende der Bombardements bedeutete. Demnach wurde im ehemaligen Jugoslawien ein internationales Friedenskontingent (zunächst 49.500 Nato-Soldaten) stationiert. Später sollte der endgültige Kosovo-Status festgelegt werden.

    Der Kosovo-Konflikt und die Nato-Angriffe kosteten schätzungsweise 10.000 Menschen (vor allem Albaner) das Leben.

    Nahezu eine Million Menschen wurden zu Flüchtlingen bzw. Zwangsumsiedlern (im  Kosovo lebten vor dem Krieg etwa zwei Millionen Menschen). Die meisten albanischen Flüchtlinge (im Unterschied zu serbischen) kehrten später zurück.

    Am 17. Februar 2008 verkündete das kosovarische Parlament einseitig die Unabhängigkeit von Serbien. Das Kosovo wurde später von 75 der insgesamt 192 UN-Mitgliedsstaaten anerkannt.

    Serbien, Presevo

    In den Jahren 2000 und 2001 verschärften sich die Spannungen im Süden Serbiens, in den Gemeinden Presevo, Medveda und Bujanovac, wo hauptsächlich Albaner lebten. Diese Ereignisse wurden als Konflikt im Presevo-Tal bekannt.

    Albanische Extremisten aus der „Befreiungsarmee Presevos, Medvedas und Bujanovacs“ kämpften für die Abspaltung von Serbien. Die Eskalation ereignete sich in einer fünf Kilometer breiten „Pufferzone“, die 1999 in Serbien nach dem Kosovo-Konflikt und in Übereinstimmung mit dem Waffenstillstandsabkommen von Kumanovo gebildet worden war. Laut dem Abkommen durfte Jugoslawien in dieser Zone keine Truppen und Sicherheitskräfte außer örtlichen Polizisten stationieren, die nur leichte Schusswaffen trugen durften.

    Die Lage im Süden Serbiens stabilisierte sich erst im Mai 2001, als sich Belgrad und die Nato auf die Rückkehr der jugoslawischen Truppen in die Pufferzone einigten. Außerdem wurden die Extremisten amnestiert, multinationale Polizeikräfte gebildet, die Einwohner in Gesellschaftsstrukturen integriert.

    Während der Krise im Süden Serbiens kamen mehrere serbische Soldaten und Zivilisten sowie mehrere Dutzende Albaner ums Leben.

    Mazedonien

    2001 brach in Mazedonien ein blutiger Konflikt zwischen der albanischen „Volksbefreiungsarmee“ und den mazedonischen Streitkräften aus.

    Im Winter 2001 begannen albanische Kämpfer einen Partisanenkrieg, um die Abspaltung der nordwestlichen Gebiete Mazedoniens, in denen vorwiegend Albaner lebten, von Mazedonien zu erreichen.

    Die Zusammenstöße zwischen den mazedonischen Behörden und den albanischen Kämpfern wurden dank der Intervention der EU und der Nato gestoppt. Es wurde das Rahmenabkommen von Ohrid unterzeichnet, das den Albanern in Mazedonien (20 bis 30 Prozent der Bevölkerung) eine beschränkte juristische und kulturelle Autonomie (offizieller Status der albanischen Sprache, Amnestie für die Extremisten, albanische Polizei in den albanischen Bezirken) erlaubte.

    Während des Konflikts wurden mehr als 70 mazedonische Soldaten und 700 bis 800 Albaner getötet.

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