11:50 16 Dezember 2017
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    Protestaktionen gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi in Libyen (403)
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    Im September 1969 hat Muammar ben Muhammed abu Menyar Abdel Salam ben Khamid al-Gaddafi, damals ein 27-jähriger Offizier, die frische Luft der kolonialen Befreiung, der sozialen Gerechtigkeit, der Korruptionsbekämpfung und der Volksfreiheit nach Libyen gebracht.

    Im September 1969 hat Muammar ben Muhammed abu Menyar Abdel Salam ben Khamid al-Gaddafi, damals ein 27-jähriger Offizier, die frische Luft der kolonialen Befreiung, der sozialen Gerechtigkeit, der Korruptionsbekämpfung und der Volksfreiheit nach Libyen gebracht.

    Mit Verwunderung schauten die großen Akteure der weltpolitischen Arena - Washington, Moskau, Kairo, London, Paris und Rom - den Aktivitäten des gut aussehenden Hauptmanns zu. Zunächst hat dieser die ausländischen Militärstützpunkte beseitigt und die Ölförderung sowie alle ausländischen Unternehmen und Banken nationalisiert und deren gesamten Besitz beschlagnahmt.

    Die UdSSR hätte sich darüber nur freuen können, hätte Gaddafi nicht gleich alle Kommunisten, Linken, Extremrechten, Atheisten und moslemischen Radikalen vom politischen Feld seines Landes beseitigt.

    Seine Freundschaft mit den arabischen Nachbarn gestaltete Gaddafi allerdings recht seltsam: Überall wollte er „gleicher“ sein als alle Gleichen und erhob Anspruch auf die Führerrolle in der panarabischen Welt. Im Laufe der Jahre zeichnete sich diese Megalomanie immer deutlicher ab. Die von ihm geplante Vereinigung Libyens mit Ägypten, Tunesien und Algerien kam nicht zustande. Auch sein Bündnis mit Marokko zerfiel. Genauso kurzlebig war sein Bündnis mit dem Iran.

    Mittlerweile hat er Präsidentschaft, Regierung, Parlament und die örtlichen Machtorgane in Libyen abgeschafft. Stattdessen gründete er die Jamahiriya - einen Staat der Volksmassen, in dem Volkskomitees verschiedener Ebenen regierten.

    Später kehrte er aber von der Nationalisierung zur Privatisierung zurück. Ausländischen Unternehmen wurden wieder Tür und Tor geöffnet. War Gaddafi nach der Explosion der PanAm-Boeing mit 270 Insassen 1988 über Lockerbie noch ein Paria, so verwandelte er sich später in einen durchaus akzeptablen Politiker für Europa.

    Besonders große Liebe genoss er in Italien, weil dieses Land seinen Öl- und Gasbedarf zu 60 Prozent mit Lieferungen aus Libyen deckt. Vergessen wurde, dass Gaddafi die IRA-Terroristen in Großbritannien und die baskischen ETA-Separatisten mit Waffen belieferte. Russland erinnert sich nicht mehr daran, dass er auch die Putschisten unterstützte, die im August 1991 Michail Gorbatschow stürzen wollten.

    Zwischen dem jungen Hauptmann von 1969 und dem „libyschen Revolutionsführer“ von 2011 liegen Welten: Der heldenhafte Offizier verwandelte sich in einen operettenhaften Diktator in poppiger Uniform a la Michael Jackson. Schritt für Schritt wurde aus dem Befreiungsheld und Reformer eine Lachfigur. Nun ist er allerdings dabei, Henker des eigenen Volkes zu werden.

    Dies wird wohl aber seine letzte Rolle sein. Äußerst fraglich erscheinen heute Prognosen, einer seiner Söhne - der Reformer Saif al-Islam oder Sicherheitschef Muatassim - könnte Gaddafi auf dem „Thron“ ablösen.

    Anfang dieses Jahres gab es im arabischen Afrika noch vier Methusalems an der Macht: Ben Ali in Tunesien, Hosni Mubarak in Ägypten, Gaddafi in Libyen und Abd al-Aziz Bouteflika in Algerien. Die beiden ersten sind inzwischen weg vom Fenster. Gaddafi ist anscheinend knapp dabei.

    Bedenkenswert ist allerdings, dass der Nahe Osten und die arabische Welt innerhalb kürzester Zeit so unberechenbar geworden sind, dass man sich auf jeden möglichen Wandel - und auf jede Verwandlung - gefasst machen muss. Nach dem Ausscheiden der alten Herrscher nimmt die Unberechenbarkeit um ein Mehrfaches zu.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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