21:19 10 Dezember 2016
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    Angebot an Gaddafi: Ab ins Exil!

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    Internationale Sanktionen gegen das Gaddafi-Regime (985)
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    Wenn eine Maus von vielen Katzen gejagt wird, kann sie ihnen am leichtesten entwischen.

    Wenn eine Maus von vielen Katzen gejagt wird, kann sie ihnen am leichtesten entwischen.

    UN-Beamte, Vertreter der arabischen Staaten, der Afrikanischen Union und mehr als 40 Außenminister treffen sich in London, um eine gemeinsame Front zur Unterstützung der NATO-Operation in Libyen zu bilden.

    Es entsteht ein Eindruck, dass die Gaddafi-Diktatur mit Pauken und Trompeten zu Grabe getragen werden soll. Der britische „Guardian“ schreibt jedoch, dass die westlichen Länder Gaddafi ein Fluchtangebot unterbreitet haben: Italien versucht, einen Zufluchtsort in Afrika für Gaddafi zu finden. Die USA signalisieren, dass die dem Diktator keine Steine in den Weg legen wollen.

    Die britische Tageszeitung „The Independent“ ist darüber überrascht. Die Suche nach einem Exil für Gaddafi verläuft vor dem Hintergrund einer Diskussion, ob es sich überhaupt lohnt, den libyschen Herrscher aus dem Land zu lassen. „Großbritannien und die USA wollen, dass der Oberst vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag gestellt wird. Deswegen soll das Land, wohin er sich begibt, nicht in die Zuständigkeit dieses Gerichts fallen“, so  „The Independent“.

    Es ist also unklar: Will die Anti-Gaddafi-Koalition den libyschen Machthaber vor Gericht stellen oder nicht? Italiens Außenminister Franco Frattini hätte kaum ohne Absprache mit Washington und London verkündet, dass die Arikanische Union für den Diktator einen sicheren Zufluchtsort finden könnte. Zudem würde Äquatorialguinea von sich aus kaum wagen, Gaddafi eine Zuflucht anzubieten.

    Gaddafi soll offenbar zu einem „politischen Tanz“ eingeladen werden - einen Flamenco, wo sich Drohgebärden mit Andeutungen auf einen Kompromiss mischen. Das mit dem Flamenco ist kein Zufall. Wie der US-Botschafter in Tripolis früher nach Washington kabelte, wollte Gaddafi im September 2009 auf dem Rückweg von New York einen Abstecher nach Sevilla machen, um sich dort eine Flamenco-Show anzusehen.  In seiner Depesche berichtete der Botschafter Gaddafis Flugangst und den Wunsch, einen Ort in New York zu finden, um dort ein Beduinenzelt aufzuschlagen. „Man kann seine Schrullen mit seiner Launenhaftigkeit erklären: Gaddafi ist ein schwieriger Mensch, der sich der Methoden der Realpolitik 40 Jahre an der Macht halten konnte“, so der Botschafter.

    Gaddafi wird also als ein Realpolitiker angesehen. Ist das der Schlüssel zu Enträtselung des westlichen Flamencos um seine Person? So eine schmeichelhafte Bezeichnung erhielt weder der vor Gericht gestellte Slobodan Milosevic noch der hingerichtete Saddam Hussein. Sie interessierten sich wohl zu wenig für die große Politik und verfügten kaum über die Informationen, die aus Europa und dem Nahen Osten nach Tripolis kamen. Gaddafi spielte dank den libyschen Öldollars eine wichtige politische Rolle in vielen einflussreichen EU-Ländern. Zudem hatten weder Milosevic noch Saddam Hussein so viele Geheimdienstleute im Ausland wie Gaddafi. Stellen Sie sich vor, dass dieser Mensch, der heikle Einzelheiten der Politik vieler Länder kennt, vor dem Gerichtshof in Den Haag gestellt wird.

    Milosevic verzichtete auf einen Anwalt. Gaddafi wird einen Anwalt wohl kaum brauchen. Weder Washington noch Paris oder London wollen Gaddafi auf der Anklagebank vor Kameras und Journalisten sehen. Libyens Herrscher kann aber auch zufällig oder unzufällig ermordet werden oder wie Osama bin Laden verschwinden.

    Eine solomonische Entscheidung könnte sein, Gaddafi die Zuflucht nach Guinea oder einem der anderen 22 afrikanischen Ländern anzubieten, die nicht in die Zuständigkeit des Internationalen Gerichtshofs fallen. Nicht ausgeschlossen ist, dass die Wohltat diesem Land geheim erwiesen wird. Eines schönen Tages landet neben einem hinter Stacheldraht liegenden Beduinenzelt ein unbekanntes Flugzeug mit Tänzern aus Sevilla.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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