10:35 18 August 2017
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    Zehn Jahre Weltraumtourismus: Dennis Tito, der erste US-Kosmonaut

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    Heute vor zehn Jahren startete der damals 60-jährige Amerikaner Dennis Tito als erster Weltraumtourist zur Internationalen Raumstation (ISS).

    Heute vor zehn Jahren startete der damals 60-jährige Amerikaner Dennis Tito als erster Weltraumtourist zur Internationalen Raumstation (ISS).

    Tito unternahm seinen Weltraumflug zusammen mit dem Russen Juri Baturin und dem Kasachen Talgat Mussabajew an Bord der Sojus TM-32 (Start) und Sojus TM-31 (Landung). Insgesamt verbrachte er exakt sieben Tage, 22 Stunden und vier Minuten im Weltraum. Der Trip ins All kostete ihn 20 Millionen Dollar.

    „Er ist ein sehr ungewöhnlicher und zielstrebiger Mensch. Einerseits ist er Pragmatiker und Realist, andererseits hätte er kaum 20 Millionen US-Dollar für einen Flug ausgegeben, wenn er anders gewesen wäre. Zudem war er in guter physischer Verfassung vor und nach dem Flug, obwohl er zwei Wochen vor dem Flug nach einer Lungenentzündung das Krankenhaus verlassen hatte. Das zeigt erneut, dass die Weltraumtouristen nicht so gewissenhaft untersucht werden wie professionelle Raumfahrer. Ein professioneller Kosmonaut wäre in diesem Zustand nicht geflogen“, sagte Karasch, korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Raumfahrt, im Interview mit RIA Novosti.

    Russland spricht - Tito fliegt

    Laut Karasch gab es vor allem politische Schwierigkeiten um den ersten Flug eines Weltraumtouristen.

    „Die Idee, Tito in die Umlaufbahn zu schicken, löste sehr negative Reaktionen seitens der NASA und anderer Partnerländer beim ISS-Projekt aus. Die NASA erwiderte, dass sich niemand über jemand anderem in diesem Projekt hinwegsetzen kann, weil im zwischenstaatlichen ISS-Abkommen die Führungsrolle der USA bei dem internationalen Projekt festgeschrieben ist. Russland teilte mit, alles so zu machen, wie es für nötig hielt. Alle wurden vor der Tatsache gestellt, dass Tito ins All fliegt“, sagte Karasch.

    Wegen Geldmangels habe die russische Raumfahrt in den 1990er Jahren auf finanzkräftige Weltraumtouristen zurückgreifen müssen, so der Weltraumforscher.

    Touristen auf dem Mond

    Karasch erinnerte daran, dass der Raketenbauer RKK Energija einmal vorgeschlagen hatte, Touristen für 100 Millionen US-Dollar zum Mond zu bringen.

    „Warum nicht? Das Sojus-Raumschiff war ursprünglich für Mondflüge entwickelt worden. Das war ein Produkt des Wettlaufs zwischen den USA und der UdSSR. Sojus kann problemlos Menschen zum Mond und zurück bringen. Am Raumschiff muss zwar noch etwas gearbeitet werden, doch prinzipiell ist das möglich“, betonte der Experte.

    Die USA sind Karasch zufolge derzeit nicht in der Lage, Russland im Weltraumtourismus Konkurrenz zu machen. „Zurzeit spricht man viel über das US-Unternehmen Virgin Galactic, das speziell für touristische Weltraumflüge gegründet worden war. Doch die Flüge in übergroßen Höhen sind nicht mit den schwerelosen Weltraumflügen vergleichbar. Zwar erreichen sie eine Höhe von über 100 Kilometer, überschreiten also die Grenze der Atmosphäre und des Weltraums. Doch es ähnelt mehr dem ‘Schwimmen vor der Küste als im offenen Meer’“, sagte Karasch.

    In Bezug auf den Weltraumtourismus in Europa betonte der Experte, dass dies möglich sei, wenn die EU-Länder mehr Geld in den Bau von Weltraumapparaten stecken würden. „Doch nicht alles hängt vom Geld ab. Vieles hängt mit dem Wunsch zusammen. Europa hat große Erfahrungen im Bereich der praktischen Raumfahrt, beispielsweise mit der Trägerakete Ariane, Satelliten, dem ATV-Frachter. Auf der ISS gibt es auch ein europäisches Modul. Falls Europa dieses Ziel anvisiert, wird es dies erreichen. Doch ist es notwendig? Es gibt jetzt nicht so viele Menschen, die 35 bis 40 Millionen US-Dollar für einen Flug ausgeben wollen“, betonte der Experte.

    Geschichte des Weltraumtourismus

    Als zweiter Weltraumtourist flog der südafrikanische Unternehmer Mark Shuttleworth ins All. Seine Reise dauerte vom 25. April bis zum 5. Mai 2002. Die Besatzungsmitglieder der Sojus TM-34 waren der Russe Juri Gidsenko und der Italiener Roberto Vittori.

    Der dritte Weltraumtourist war der US-Unternehmer Gregory Olsen. Er startete am 1. Oktober 2005 zur ISS und kehrte am 10. Oktober zurück. Mit an Bord waren der russische Kosmonaut Waleri Tokarew und der US-Astronaut William McArthur.

    Danach flog die erste Weltraumtouristin, die gebürtige Iranerin Anousheh Ansari, ins All. Sie startete am 18. September 2006 zur ISS und kehrte am 29. September zurück. Sie bereitete sich sowohl in Russland als auch bei der NASA in Houston auf den Flug vor. Mit an Bord der Sojus TMA-9 waren der russische Kosmonaut Michail Tjurin und der US-Astronaut Michael López-Alegría.

    Am 7. April 2007 flog der fünfte Weltraumtourist ins All - der aus Ungarn stammende US-Milliardär Charles Simonyi (Landung erfolgte am 21. April). An Bord der Sojus TMA-10 waren zudem die russischen Kosmonauten Fjodor Jurtschichin und Oleg Kotow.

    Der nächste Weltraumtourist war der Softwareentwickler Richard Garriott. Er flog mit der Sojus TMA-13 am 12. Oktober 2008 ins All und kehrte am 24. Okober zurück. Sein Vater Owen Garriott flog bereits mit dem Space-Shuttle ins All. Mit an Bord waren der russische Kosmonaut Juri Lontschakow und der US-Astronaut Michael Fincke.

    Simonyi flog am 26. März 2009 das zweite Mal zur ISS (Rückkehr am 8. April).

    Der achte und bislang letzte Weltraumtourist war der Gründer des Cirque du Soleil, der Kanadier Guy Laliberté. Seine Reise dauerte vom 30. September bis zum 11. Oktober 2009.

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