20:01 22 Februar 2018
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    USA steigen in Wettlauf um Arktis-Schätze ein

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    Im grönländischen Nuuk trafen sich vergangene Woche die Außenminister des Arktisrats.

    Im grönländischen Nuuk trafen sich vergangene Woche die Außenminister des Arktisrats.

    Am Treffen des Arktisrats nahmen erstmals seit zehn Jahren US-Außenministerin Hillary Clinton und US-Innenminister Ken Salazar teil. Washington hatte zu diesen Treffen bisher bestenfalls Vizeminister geschickt.

    Verfassung der Meere

    Dem Arktisrat (1996 auf Initiative Finnlands gegründet) als wichtigste Organisation in der Arktis gehören Dänemark, Finnland, Island, Kanada, Norwegen, Russland, Schweden und die USA an. Beobachterstatus haben Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Holland, Polen, Spanien, China, Italien und Südkorea.

    Vor einigen Jahren hatten sich die unmittelbaren Arktis-Anrainer (Russland, USA, Kanada, Dänemark, Norwegen) in Kanada getroffen. Damals betonte Clinton, es sei nicht schön, dass Island, Schweden und Finnland und Vertreter der Ureinwohner nicht an den Gesprächen teilnehmen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow musste erklären, dass die „arktischen Fünf“ dem Arktisrat keineswegs Konkurrenz machen wollen, sondern nur eine informelle Ergänzung seien.

    Die Teilnahme der US-Chefdiplomatin gibt dem Arktis-Treffen mehr Bedeutung. Clinton versprach, dass Washington sich demnächst der UN-Seerechtskonvention anschließen werde. Die USA haben das Abkommen zwar unterzeichnet, jedoch nicht ratifiziert. Das hindert sie bislang daran, Ansprüche auf ihren Teil des arktischen Schelfs zu erheben. Die UN-Seerechtskonvention trat 1994 in Kraft. Zu den Unterzeichnerstaaten gehören 161 Länder, darunter Russland, dass 2013 bei der UNO den Antrag für seinen Arktis-Abschnitt einreichen will.

    Die US-Senatoren sperren sich gegen die Ratifizierung der UN-Konvention. Das Übereinkommen wird allerdings vom Weißen Haus unterstützt.

    Vor einigen Tagen veröffentlichte die Enthüllungsplattform WikiLeaks weitere US-Geheimdepeschen. Die US-Botschaft in Kopenhagen kabelte vor drei Jahren nach Washington, dass der damalige dänische Außenminister Per Stig Moller dazu rät, das Übereinkommen schneller zu ratifizieren - andernfalls werde die Arktis ohne die USA aufgeteilt. Moller hätte sich kaum so viel Sorgen gemacht, wenn er gewusst hätte, dass die US-Diplomaten empfahlen, Grönlands Unabhängigkeit zu unterstützen. Ohne Dänemark sei es einfacher, die Wirtschafts- und Militärinteressen rund um Grönland zu gewährleisten.

    Egotrips der Arktis-Anrainer

    Die Arktis-Anrainer wurden aktiv, als sie erfuhren, dass die Arktis große Kohlenwasserstoff- und andere Rohstoffvorräte beherbergt. Nach Schätzungen der US-Kartographiebehörde (USGS) können sich unter dem Arktis-Schelf über 25 Prozent der nicht erkundeten Öl- und Gasvorräte der Welt befinden. Die Kohlenwasserstoffvorräte Saudi Arabiens sehen im Vergleich dazu aus wie ein Fass neben einer Schwimmhalle.

    Anfang Mai schickte das britische Ölunternehmen Cairn eine Bohrinsel und ein Bohrschiff nach Grönland. Im vergangenen Jahr hatten die Briten große Ölvorräte vor Grönlands Küste entdeckt.

    Der Ölkonzern Shell hat in den USA bereits Anträge auf die Erschließung von Ölvorkommen im Norden der Beaufortsee eingereicht, die im kommenden Jahr beginnen soll. Bei einem Ölpreis von derzeit 114 US-Dollar wird sich die Förderung im hohen Norden wohl bezahlt machen.

    Die Ölvorräte müssen unter einem Kostenaufwand gefunden und erschlossen werden. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Arktis unter den heutigen Klimabedingungen schneller als andere Kontinente schmilzt. In zehn oder 15 Jahren könnte der nordwestliche Seeweg passierbar werden -  der kürzeste Seeweg zwischen dem Pazifik und dem Atlantik entlang der nördlichen Grenzen Kanadas. Der Seeweg zwischen Japan und Europa kann damit um die Hälfte verkürzt werden. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die USA in der Arktis Fuß fassen wollen und die Unabhängigkeit Grönlands unterstützen.

    Beim Wettlauf um die Bodenschätze zeigen sich die nationalen Egoismen der Arktis-Anrainer. Kanadas Regierungschef Stephen Harper betonte hinsichtlich der Nato-Pläne, an Operationen in der Arktis teilnehmen zu wollen, dass dies unnötig sei. Die Nato-Präsenz in der Arktis werde den nicht-arktischen Ländern zu viel Einfluss in der Region geben, zu der sie nicht gehören, so Harper.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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