14:02 22 Februar 2018
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    USA: Verlierer im Great Game um Zentralasien?

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    Die Tötung des Top-Terroristen Osama bin Laden (72)
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    Die USA haben den Hubschrauber zurückerhalten, der am 2. Mai bei der US-Operation zur Ergreifung des Terrorfürsten Osama Bin Ladens in Pakistan zum Einsatz gekommen war.

    Die USA haben den Hubschrauber zurückerhalten, der am 2. Mai bei der US-Operation zur Ergreifung des Terrorfürsten Osama Bin Ladens in Pakistan zum Einsatz gekommen war.

    Das ist wohl der größte Erfolg der Reise des US-Senators John Kerry nach Islamabad.

    Der Hubschrauber soll bei der Operation „Geronimo“ am 2.Mai abgestürzt sein. Oder wurde er sogar von den US-Spezialkräften oder pakistanischen Truppen abgeschossen - genau kann das niemand sagen. Die Pakistaner lassen sich den geheimen US-Einsatz in ihrem Land nicht gefallen, während die USA ihnen vorwerfen, dass die dem meistgesuchten Terroristen der Welt Unterschlupf gewährten. Der verunglückte Hubschrauber ist immerhin ein geheimes Modell, das in die Hände der chinesischen Freunde Pakistans geraten könnte, die es dann nachbauen. Nun kann man sich in Washington endlich sicher sein, dass dies nicht passiert. Und die anderen Probleme zwischen Washington und Islamabad lassen sich nicht so leicht vom Tisch räumen, denn sie machen einen Teil der US-Politik im Raum zwischen dem Himalaja und Marokko aus.

    Stotternder „Neustart“

    Der demokratische Senator John Kerry gehört dem engen Kreis von Präsident Barack Obama an und steht an der Spitze des Auswärtigen Ausschusses im US-Senat. Seine Mission in Islamabad war Teil des äußerst schwierigen Prozesses zum „Neustart“ der schlechter gewordenen Beziehungen zu Islamabad.

    Was hat Kerry neben der Rückgabe des Hubschraubers erreicht? Unter anderem konnte er vereinbaren, dass ihm US-Außenministerin Hillary Clinton nach Islamabad folgt. Außerdem gab er zu verstehen, dass die USA sich nicht bei Pakistan für die Verletzung seiner Souveränität entschuldigen. Dafür hat er Islamabad versprochen, dass die USA es nächstes Mal - wenn es überhaupt dazu kommen sollte - über ihre Einsatzpläne in Pakistan vorab in Kenntnis setzen. Danach stimmte Pakistans Premier Yousaf Raza Gilani dem US-Gast zu, dass sich die Seiten um die Wiederherstellung des früheren Vertrauens bemühen müssten.

    Nichts ist entschieden

    Kaum waren die diplomatischen Gespräche beendet, wurden die Stellungen der pakistanischen Grenzsoldaten im Nordwesten des Landes von Nato-Hubschraubern angegriffen. Zwei Soldaten wurden dabei getötet.

    War das ein Zufall? Natürlich. Aber das war nicht der erste Zufall dieser Art. Wenn man die Meldungen über den US-Kampf gegen den Terror in Afghanistan und Pakistan analysiert, wird offensichtlich, dass dabei neben Taliban-Kämpfern auch sehr viele pakistanische Soldaten oder Zivilisten getötet worden sind. Die USA entschuldigen sich zwar jedes Mal, aber dann kommt es jedoch erneut zu  tödlichen Zwischenfällen.

    US-Senator Kerry sprach in Islamabad merkwürdigerweise nicht über die finanzielle Unterstützung für Pakistan, mit dem es als „Verbündeter im Kampf gegen den Terror“ rechnen dürfte.

    Washington macht kein Hehl daraus, dass Islamabad kein Geld mehr bekommt, wenn es nicht herausfindet, wer in der pakistanischen Führung Bin Laden jahrelang deckte. Bis zuletzt gab es keine weiteren Hinweise, ob Pakistan weiter die Finanzhilfe erhält. Vielleicht bringt Clinton Klarheit in die Situation.

    Mission impossible

    Die US-Truppen werden voraussichtlich bis 2014 aus Afghanistan abziehen. Dann können sich auch die Beziehungen zwischen Washington und Islamabad anders und nicht unbedingt gut entwickeln. Aber welche Wahl haben die USA? Müssen sie den Krieg am Hindukusch verschärfen, um länger in der Region zu bleiben? Oder zufällig noch mehr Pakistaner töten? Oder den Norden Pakistans besetzen?

    Man sollte auch bedenken, dass der US-Abzug aus Afghanistan nicht nur China, sondern auch das benachbarte Iran stärken wird. Teheran bereitet Washington schon seit vielen Jahren große Kopfschmerzen. Weder George W. Bush noch sein Nachfolger Obama fanden den richtigen Umgangsstil mit der iranischen Führung. Von den USA rückt zunehmend auch Saudi-Arabien ab, das neben Pakistan ihr wichtigster Verbündeter im Nahen und Mittleren Osten ist. Einer der Gründe, warum es zwischen den beiden zu Spannungen kam, ist die Situation um Iran.

    Mit Saudi-Arabien ist dieselbe Situation wie mit Pakistan entstanden. Alles ist schlecht, egal was man tut. Laut den jüngsten US-Medienberichten mögen die Saudis (genauso wie die Pakistaner) die Amerikaner nicht. Nicht zu übersehen sind auch Washingtons gescheiterte Einsätze - im Irak (der nach dem US-Abzug faktisch in den Einflussbereich Irans geraten ist) und in Afghanistan. Hinzu kommen die arabischen Revolutionen, die das Weiße Haus wider Willen unterstützen musste. Bislang ist fraglich, ob es dadurch neue Freunde in Ägypten oder Tunesien gefunden hat. Klar ist jedoch, dass Saudi-Arabien nicht mehr zu seinem Freundeskreis gehört. Denn in diesem arabischen Chaos werden die pro-iranischen und andere Kräfte immer stärker, die für die saudische Monarchie unerwünscht sind.

    Eben darauf lassen sich Riads Signale an Washington zurückführen, keine Partner mehr zu sein. Welche Folgen das für beide Seiten haben wird, ist vorerst unklar.

    Es geht nicht um offensichtliche Misserfolge der US-Außenpolitik in der Region. Im Gegenteil: Diese Politik ist durchdacht. Das Problem ist eher, dass Washington keine andere Wahl hat (die Situation mit Pakistan beweist das), was aber nicht die Schuld der jetzigen US-Administration ist.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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