20:36 17 Oktober 2017
SNA Radio
    Meinungen

    Mehr Frauenpower oder Machtspiel: St. Petersburgs Gouverneurin vor Karrieresprung?

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 0 10

    Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat sich für St. Petersburgs Gouverneurin Valentina Matwijenko als neue Vorsitzende des Föderationsrats (Oberhaus) ausgesprochen.

    Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat sich für St. Petersburgs Gouverneurin Valentina Matwijenko als neue Vorsitzende des Föderationsrats (Oberhaus) ausgesprochen.

    Bei der gestrigen Beratung mit Medwedew räumten die Gouverneure Matwijenko gute Chancen auf den hohen Posten ein. Medwedew erinnerte ebenfalls daran, dass Matwijenko von 1998 bis 2003 stellvertretende Premierministerin war und den Bereich Soziales verantwortet hatte.

    „Falls eine Frau einen der wichtigsten Posten in der Staatshierarchie einnimmt, wird sich der Staat besser entwickeln und moderner sein“, sagte Medwedew. Es gibt tatsächlich nicht so viele Frauen auf verantwortungsvollen Posten - der Vorsitzende des Föderationsrats ist die drittwichtigste Person in Russland.

    Matwijenko ist eine von zwei Frauen unter den Gouverneuren und für die Geschicke der zweitwichtigsten Stadt Russlands verantwortlich. Falls sie den Vorsitz des Föderationsrats übernimmt, muss sie ihr jetziges Amt verlassen.

    Für die Petersburger würde Matwijenkos Rücktritt nach acht Jahren im Gouverneursamt keinen großen Verlust bedeuten. Ihre Popularitätswerte gingen in den vergangenen zwei Jahren nach dem Schneechaos in den letzten Wintern zurück. Zudem gab es Skandale um den Abriss von historischen Gebäuden in der Stadtmitte St. Petersburgs.

    Der umstrittene Bau eines 400 Meter hohen Gazprom-Towers wirkte sich ebenfalls negativ auf ihre Beliebtheit aus. Viele Prominente und Petersburger protestierten gegen das von der Gouverneurin geförderte Bauprojekt im Stadtkern. Sie waren der Ansicht, dass das Hochhaus das Stadtbild entstellen würde. Nach massiver Kritik des UNESCO-Weltkulturerbe-Komitees und von Denkmalschützern kippte Präsident Medwedew das umstrittene Projekt. Der Tower soll nun am nordwestlichen Stadtrand hochgezogen werden.

    Mit der Ernennung Matwijenkos könnten zum einen die unzufriedenen Petersburger zufrieden gestellt werden, zum anderen würde sie einen würdigen Abgang erhalten.

    Die Personalie Matwijenko könnte jedoch ein Hinweis auf anstehende Präsidentenwahl in Russland sein. Dem Politologen Michail Winogradow zufolge könnte die Ernennung des Nachfolgers von Matwijenko ein Signal dafür sein, dass Medwedew unter den Gouverneuren an Machtfülle gewonnen hat. Ein koordiniertes Vorgehen bei der Sitzung am 24. Juni zwischen Präsident Medwedew und Gouverneuren, darunter dem einflussreichen Republikchef Tschetscheniens, Ramsan Kadyrow, offenbarte, dass sie bereits eine gemeinsame Sprache gefunden haben.
     
    Laut dem Politologen ist es noch zu früh, davon zu sprechen, dass sich Medwedew ein Team für die nächste Amtszeit zusammenstellt. Zumal Matwijenko sich schon viel länger in den russischen Machtstrukturen bewegt als Medwedew. Dennoch wird sie nicht vergessen, wer sie bei dieser Ernennung unterstützte.

    Doch es gibt ein winziges Problem. Um Mitglied und später Vorsitzender des Föderationsrats zu werden, muss Matwijenko zuerst Abgeordnete eines Regionalparlaments werden.
         
    Doch wer etwas nicht will, sucht Gründe. Wer etwas will, sucht Wege. Medwedew äußerte seinen Willen. Wie man den Wunsch des Präsidenten erfüllt, ist eine rein technische Frage.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren