10:39 21 Oktober 2017
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    Klage vor Aus: Strauss-Kahn im Fegefeuer der Wahrheiten

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    Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, könnte es doch noch schaffen, aus der unschönen Sex-Affäre mit einer sauberen Weste davonzukommen.

    Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, könnte es doch noch schaffen, aus der unschönen Sex-Affäre mit einer sauberen Weste davonzukommen.

    Der Strafprozess gegen ihn ist ins Stocken geraten: Die Ankläger müssen sich nun wirklich viel Mühe geben, um zu beweisen, dass Strauss-Kahn tatsächlich ein Zimmermädchen im New Yorker Luxushotel Sofitel vergewaltigt hat.

    Für den zurückgetretenen IWF-Präsidenten war das vergangene Wochenende: Nach seiner Entlassung aus dem Hausarrest 1. Juli feierte er ausgelassen in einem Nobelrestaurant in New York.

    In Frankreich sorgte die Freilassung Strauss-Kahns für großen Wirbel: In Paris war die Wende in seinem Prozess das Top-Thema.

    Der Fall Strauss-Kahn wäre ein tolles Skript für einen Hollywood-Thriller mit Lügen, Drogendealer und viel Geld (100 000 US-Dollar, die angeblich in den letzten zwei Jahren auf das Konto des angeblich vergewaltigten Zimmermädchens überwiesen wurden) usw. Vieles deutet darauf hin, dass Strauss-Kahn verleumdet wurde. Das aus Guinea eingewanderte Zimmermädchen hatte angeblich gelogen, als sie vor mehreren Jahren Asyl in den USA beantragte. Außerdem machte sie eine verwirrende Aussage direkt nach der „Vergewaltigung“ und kann deshalb nicht als glaubwürdige Zeugin gelten. Andere Zeugen, die die Tat bezeugen könnten, gibt es nicht.

    In Amerika haben Personen mit einer angekratzten Glaubwürdigkeit kaum Chancen bei den Geschworenengerichten. Das ist ein Vorteil für die Anwälte von Strauss-Kahn. Selbst die Ankläger mussten gestehen, dass die Zeugin nicht die ganze Wahrheit gesagt hat. Wenn der Gegner solche Karten in der Hand hat, ist das Spiel so gut wie verloren.

    Wie viele Leben hat Strauss-Kahn noch?

    Niemand kann aber vorhersagen, wie der Prozess gegen Strauss-Kahn enden könnte. Möglich ist alles. Theoretisch könnte er noch bei den Präsidentenwahlen in Frankreich 2012 kandidieren. Klar ist nur, dass es für ihn kein Zurück mehr zum IWF gibt - seine Landsfrau Christine Lagarde hat dort den Chefposten übernommen.

    Über die Strauss-Kahn-Affäre in New York wurde ausführlich berichtet. Viel interessanter ist, was ihn in Frankreich erwarten könnte. Hat DSK genug Kraft, um sich nicht nur gerichtlich, sondern auch politisch zu rehabilitieren?

    Schon das zweite Mal seit gut zwei Monaten sorgt Strauss-Kahn für großen Wirbel in der französischen Politik. Am 14. Mai wurde er in New York festgenommen, jetzt wurde er aus dem Hausarrest entlassen.

    Das ist zwar vorerst weder die absolute Freiheit noch die Anerkennung seiner Unschuld. Aber sieht es danach aus, dass Strauss-Kahn bald freigesprochen wird. 

    Frankreich ist derzeit in zwei große Lager gespalten. Die einen (49 Prozent der Bürger) finden, dass Strauss-Kahn im Falle seiner Freisprechung in die große Politik zurückkehren sollte. 45 Prozent der Franzosen sind überzeugt, dass seine politische Karriere am Ende ist.

    Die Qual der Sozialisten

    Jetzt hängt alles von der US-Justiz und den französischen Sozialisten ab. Die nächste Gerichtsverhandlung in New York ist für den 18. Juli anberaumt. In Frankreich ist der 12. Juli der letzte Tag, an dem sich die Kandidaten für eine Vorwahl im Oktober anmelden können, um im Frühjahr 2012 Amtsinhaber Nicolas Sarkozy aus dem Elysee-Palast zu verdrängen.

    Einer der meist gehandelten Favoriten unter den Kandidaten, der frühere Sozialistenführer Francois Hollande, hat bereits erklärt, nichts gegen eine Verschiebung des Stichtags zur Wahlregistrierung zu haben. Ihm zufolge könnte sich das New Yorker Gericht bis August Zeit lassen.

    Parteichefin Martine Aubry, die ebenfalls Ambitionen auf eine Kandidatur hat, ist in eine heikle Situation geraten: Sie versprach Strauss-Kahn ihre Unterstützung. Es wäre unfair, den möglicherweise unschuldigen Parteifreund für die Vorwahl nicht zu berücksichtigen. Es wäre aber auch ungünstig, zu lange zu warten, zumal DSK auch schuldig gesprochen werden könnte.

    Noch mehr als das: Die Unterstützung Strauss-Kahns hat für die Sozialisten nicht nur Vor-, sondern auch viele Nachteile. In Frankreich galt er auch vor dem Sex-Skandal in New York als Schürzenjäger und Sexist. Selbst wenn die jetzigen Anklagen teilweise oder vollständig fallen gelassen werden, müssten die Sozialisten mit Stimmenverlusten rechnet.

    Denn selbst Strauss-Kahns Verteidigung räumt ein, dass ihr Mandant mit dem Zimmermädchen Geschlechtsverkehr hatte, allerdings nach dessen Zustimmung. Die französischen Feministinnen fühlten sich deshalb aufgerufen, noch aktiver gegen die männliche Dominanz in der französischen Politik anzukämpfen.Wenn Strauss-Kahn als Präsidentschaftskandidat nominiert werden sollte, würden die Sozialisten viele Wählerinnen vor den Kopf stoßen.

    Sarkozys Anhänger glauben nicht an eine vollständige Freisprechung Strauss-Kahns und haben keine Angst davor. Vielleicht wollten sie sich nur aufmuntern, aber ihre Logik ist durchaus vernünftig. Ein hochrangiges Mitglied des Präsidialamtes sagte kürzlich: „Die einfachen Franzosen wissen jetzt, dass DSK ein Playboy ist. Sie brauchen aber keinen zweiten Berlusconi.“ 

    Die Gallier brauchen tatsächlich keinen „zweiten Berlusconi“. Sie brauchen aber auch nicht eine weitere Amtszeit mit Nicolas Sarkozy im Elysee-Palast, dessen Popularitätswerte so niedrig wie noch nie sind.

    Strauss-Kahns Anhänger halten ihn für einen Helden und Märtyrer, der grundlos auf der Anklagebank sitzt. Für sie ist er ein unschuldiges Opfer der perfiden Amerikaner, die schon immer keine Europäer und vor allem Franzosen mochten. In diesem Sinne betrachten sie seine Festnahme als eine Art Auszeichnung seiner „europäischen Qualität“. Das habe seinem Ruf in der Heimat und Europa nur gut getan.

    Es dauert also nicht mehr lange, bis Dominique Strauss-Kahns Abenteuer in New York genug Stoff für eine Verfilmung bietet – mit oder ohne Happy End.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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