10:36 21 Oktober 2017
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    Neue Vorwürfe gegen Strauss-Kahn: Alles nur Zufall?

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    IWF-Chef unter Verdacht auf sexuelle Belästigung verhaftet (22)
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    Der wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurückgetretene IWF-Chef Dominique Straus-Kahn muss seine Ambitionen auf die französische Präsidentschaft wohl endgültig begraben.

    Der wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurückgetretene IWF-Chef Dominique Straus-Kahn muss seine Ambitionen auf die französische Präsidentschaft wohl endgültig begraben.

    Neue Vorwürfe setzen Strauss-Kahn weiter unter Druck - just zu einem Zeitpunkt, als sich in seinem Fall eine Wende andeutete. Die Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin und die Entlassung aus dem Hausarrest versprachen ein baldiges Ende der Sex-Affäre.

    Doch die Affäre um Strauss-Kahn geht in die nächste Runde. Die 32-jährige Journalistin Tristane Banon reichte am Dienstag in Paris eine Klage ein, weil Strauss-Kahn sie bei einem Interview vor acht Jahren massiv bedrängt haben soll.

    Tristane war damals eine Freundin von Dominique Strauss-Kahns’ Tochter, deshalb war das für sie kein Problem, ein Treffen mit dem  früheren Parteivorsitzenden der Sozialistischen Partei zu organisieren. Sie habe damals eine Anzeige erwogen und sei acht Jahren durch die Hölle gegangen. Nach dem Vorfall in einem New Yorker Hotelzimmer im Mai habe sie den Mut gefunden, sich endlich an die Öffentlichkeit zu wenden. Die Anwälte von Strauss-Kahn  bezichtigen sie der Lüge und drohen mit einer Gegenanzeige wegen Verleumdung.

    Strauss-Kahn und sein Verhalten gegenüber Frauen

    In der heutigen Welt kann alles Mögliche geschehen. Es fällt schwer, in dem Fall Partei zu ergreifen, denn bislang ist nichts bewiesen worden.

    Die Tatsache, dass Strauss-Kahn auf freien Fuß gesetzt wurde und die Aussagen des Zimmermädchens angezweifelt werden, beweist noch nichts. Doch in der Angelegenheit geschehen Dinge, die einem spanisch vorkommen. Es entsteht der Eindruck, dass jemand Strauss-Kahn nicht aus der Falle lassen will. Die Sozialistische Partei in Frankreich wird dabei in ihren Grundfesten erschüttert.

    „Gift-Cocktail“

    Einige Wahlskandale sind sehr wirksam und beeinflussen nachhaltig die Wählerschaft. Politische Gegner können auf diese Weise effektiv bekämpft werden. Der „Gift-Cocktail“ entpuppte sich als ätzend für Strauss-Kahn.

    Dass es sich im Fall Strauss-Kahn um eine Aneinanderreihung von dummen Zufällen handelt, ist kaum noch glaubwürdig - vor allem vor dem Hintergrund der Präsidentschaftswahlen in Frankreich im April oder Mai.

    Präsident Nicolas Sarkozy und seine Mitstreiter reagieren auffällig zurückhaltend – nämlich gar nicht. Das ist verständlich. Jeder Kommentar könnte für den französischen Staatschef zum Bumerang werden. Die sozialistischen Anhänger von Strauss-Kahn sind fest davon überzeugt, dass Sarkozy hinter der Geschichte steckt. Doch laut sagt das niemand – aus Angst vor Klagen.

    Laut französischen Gesetzen dauert es 15 Jahren, bis Vergewaltigungsanklagen verjährt sind, bei Klagen wegen sexueller Nötigung sind es drei Jahre. Selbst wenn der Klage Banons entsprochen wird,  wird es sehr schwierig sein, die Schuld zu beweisen.

    Es ist seltsam, dass Strauss-Kahn in der Gesellschaft als Sexbesessener und Schürzenjäger angesehen wird. Selbst diejenigen, die keine Sympathien für ihn hegen, können kaum daran glauben, dass er jede Frau sexuell bedrängt - unabhängig von deren Aussehen  (das Zimmermädchen ist kaum als perfekte Frau zu bezeichnen). Man kann bloß nur vermuten, wie er Professor für Wirtschaft am Institut für politische Studien, ehemaliger Finanzminister und Vorsitzender des Komitees für Finanzen, einer der Anführer der sozialistischen Partei blieb und letztendlich zum IWF-Chef wurde.

    Sein Sexwahn wurde entweder nicht bemerkt oder beflissentlich übersehen. Frankreich war niemals ein Land, in dem die feministische Bewegung sich groß hervorgetan hätte. Die „politische Korrektheit unter den Geschlechtern“ ist heute vor allem für die USA typisch. Die Französinnen haben jetzt offenbar Nachholbedarf gegenüber ihren angelsächsischen Kolleginnen.

    Sozialisten

    In der Strauss-Kahn-Affäre sind die Dinge jedoch nicht so einfach gelagert. Die Mutter von Banon, Anne Mansouret, war früher als Beraterin für die sozialistische Partei tätig gewesen und kennt sowohl Parteichefin Martine Aubry als auch ihren Vorgänger, Präsidentschaftskandidaten François Hollande. Sie hatte ihrer Tochter damals abgeraten, diesen Vorfall der Polizei zu melden. Dies hätte der Partei schaden können.

    Unter den Sozialisten in Frankreich gibt es viele politischen Strömungen und Flügel. Die jetzigen Ereignisse um Strauss-Kahn können die Partei vor die Zerreißprobe stellen.

    François Hollande soll von diesem Vorfall gewusst haben und soll als Zeuge aussagen, falls es zum Gerichtsprozess kommt.

    In der Politik ist es fast immer so, dass Fehler einzelner Personen auf die ganze Partei auswirken. Doch im Fall Strauss-Kahn scheint jemand anderer seine Finger im Spiel zu haben.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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