13:13 19 Oktober 2017
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    Wedomosti: Russlands Unternehmer haben kein Vertrauen zum Rubel

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    Die russische Geschäftselite hat kein Vertrauen zum Rubel und investiert ihre Rücklagen lieber im Ausland. Das ergab eine von UBS und Campden Research durchgeführte Umfrage, schreibt die Tageszeitung Wedomosti am Freitag.

    Die russische Geschäftselite hat kein Vertrauen zum Rubel und investiert ihre Rücklagen lieber im Ausland. Das ergab eine von UBS und Campden Research durchgeführte Umfrage, schreibt die Tageszeitung Wedomosti am Freitag.

    Wie die Meinungsforschung, an der 19 Unternehmer teilnahmen, zeigt, legen die russischen Geschäftsleute mit je mindestens 50 Millionen US-Dollar Umsatz wenig Wert auf das von ihnen geschaffene Werk. Die meisten von ihnen (88 Prozent) sind bereit, ihr Geschäft zu einem guten Preis zu verkaufen, wenn ein solcher angeboten werden sollte. Darin liegt der Hauptunterschied zwischen dem russischen und dem europäischen Unternehmertum, dessen Ziel es ist, beizubehalten und zu mehren, sagte der Geschäftsführende Direktor von Campden Research, Dominique Samuelson. Außerdem kontrollieren die russischen Unternehmer im Unterschied zu den westlichen persönlich ihr Geschäft (nur 21 Prozent von ihnen betrauen Manager mit Leitungsbefugnissen) und glauben nicht an die Möglichkeit, ihre Kinder zum Management heranzuziehen.

    Nach Eingeständnis der Unternehmer ist es seit einigen Jahren immer schwieriger geworden, Geld zu verdienen. Die Krise habe zwar neue Möglichkeiten eröffnet, aber die meisten der Befragten (56 Prozent) wollen ihr Geschäft in Europa und nur noch 40 Prozent in Russland entwickeln. Die beliebtesten Ziele seien dabei die Schweiz, Großbritannien und die Karibischen Inseln.

    Die Unternehmer klagen darüber, dass im russischen Geschäftsmedium Unternehmergeist und Innovationen nicht begünstigt würden. Die Hauptschranken für das Geschäftswachstum seien eine verlangsamte Nachfrage und ein Rückgang des Geldstromes. Laut Valeri Mironow, Experte an der Hochschule für Wirtschaft, werden die Möglichkeiten für ein Wachstum jetzt noch nicht ausgeweitet: Bei einem Importanstieg um 20 bis 30 Prozent jährlich nimmt die Inlandsnachfrage nur um fünf bis zehn Prozent zu und der russische Herstellermarkt verringert sich um zwei Prozent.

    Die einheimischen Unternehmer sind laut der Umfrage auch über die strenger gewordene Regelung (26 Prozent) besorgt. Nach der Krise hat sich das Verhalten des Staates zum Unternehmertum weltweit verhärtet, so UBS-Direktor Gregg Robins. Dabei sind die russischen Unternehmer kaum besorgt über die Korruption: Nur zehn Prozent der Befragen sehen darin ein Problem. Das russische Großunternehmertum hat es gelernt, mit der Bürokratie effektiv zusammenzuarbeiten, konstatierte Jelena Panfilowa, Expertin von Transparency International.

    Der Rubel ist bei den russischen Unternehmern unpopulär: Nur 25 Prozent der liquiden Vermögenswerte sind in der Landeswährung nominiert. Die Geschäftsleute geben Euro, (US-)Dollar und Pfund Sterling den Vorzug. Im Großen und Ganzen ist aber das Vertrauen zu Bargeld und Finanzinstrumenten nicht groß: die russische Geschäftselite will das erwirtschaftete Geld in Immobilien im Ausland anlegen. Wie eine ähnliche Umfrage von Merrill Lynch Global ergeben hat, verlieren die Millionäre in aller Welt Interesse an Bargeld und Depositen.

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