00:13 14 Dezember 2018
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    Medwedew bei Merkel: Russisches Gas gegen deutsche Maschinen

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    Medwedew kommt zu russisch-deutschen Beratungen nach Hannover (23)
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    Kreml-Chef Dmitri Medwedew hat während seines Besuchs in Hannover eine Äußerung gemacht, mit der das Rätselraten um die Kandidatur für das russische Präsidentenamt neue Nahrung erhalten hat.

    Kreml-Chef Dmitri Medwedew hat während seines Besuchs in Hannover eine Äußerung gemacht, mit der das Rätselraten um die Kandidatur für das russische Präsidentenamt neue Nahrung erhalten hat.

    Medwedew sagte während seines Grußworts an die Teilnehmer des „Petersburger Dialogs“, er habe sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel darauf geeinigt, den Vorsitz bei dem Forum noch nicht zu übernehmen. Bis 2009 hatten den Vorsitz des „Petersburger Dialogs“ ehemalige Staats- und Regierungschefs beider Länder bekleidet. Auf der deutschen Seite ist es bis heute Lothar de Maizière, letzter Ministerpräsident der DDR. Auf der russischen Seite war es bis 2009 der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow, heute ist es Vizepremier Viktor Subkow.

    Kann Medwedews Äußerung als Indiz gewertet werden, dass er für eine zweite Amtszeit kandidieren wird? Auf jeden Fall lieferte er Gesprächstoff für weitere Spekulationen.

    Zukunft Merkels und Medwedews


    Zwar glauben die meisten daran, dass Medwedew für weitere vier Jahren kandidieren wird, doch niemand weiß genau, zu welcher Machtkonstellation es in der russischen Politik kommen wird.

    Merkel will 2013 wieder für die Union in den Wahlkampf ziehen. Doch der Unmut der Wähler über die Bundeskanzlerin wächst. Nach neuesten Umfragen liegt die CDU/CSU zehn Prozent hinter der SPD und den Grünen.

    Zurzeit sieht es aus, dass Merkel wohl eher als künftige Vorsitzende des „Petersburger Dialogs“ infrage kommt.

    Russisch-deutsche Freundschaft


    Deutschland pflegt besondere Beziehungen zu Russland, vor allem im Gashandel. Zudem wollen die Deutschen ihre Exporte nach Russland steigern und gewinnbringend investieren.
    Während der russisch-deutschen Regierungskonsultationen im Beisein vieler wichtiger Minister  geschieht das Wichtigste gewöhnlich am Rande. Vor dem Treffen war bereits klar, dass es bei den Wirtschaftsfragen Fortschritte geben wird. Doch Deutschland als europäische Exportmacht Nummer eins wird große Wirtschaftsprobleme bekommen - vor allem wegen der andauernden Schuldenkrise und der unklaren Zukunft des EU-Markts. Die Nachfrage in Europa wird in nächster Zukunft vorerst nicht anziehen.

    In Russland ist dagegen die Nachfrage nach deutschen Waren weiter konstant. Wie Medwedew betonte, wird der Umsatz zwischen beiden Ländern in diesem Jahr die Rekordmarke von 2008  erreichen und auf  60 bis 70 Milliarden US-Dollar steigen (im vergangenen Jahr machte er 51,8 Milliarden US-Dollar aus). Deutschland hatte im selben Jahr 10,4 Milliarden US-Dollar in Russland investiert. Moskau und Berlin haben das Programm „Partnerschaft für Modernisierung“ begonnen, das Projekte im Bahnverkehr, neue Reifenfabriken und High-Tech-Unternehmen umfasst.

    Die Deutschen sorgen sich derzeit vor allem um ihre Energieversorgung. Nach dem Fukushima- Atomunfall in Japan will Deutschland bis 2020 alle Atomkraftwerke vom Netz nehmen. Der wachsende Energiebedarf kann dabei nur mit der Erhöhung der Gas- und Öllieferungen aus Russland gedeckt werden. 

    Deutschland ist der größte Importeur russischen Gases. Zuverlässige Lieferungen aus dem von Revolutionen erschütterten Nordafrika sind vorerst nicht zu erwarten. In Libyen, Gasmacht Nummer eins in Nordafrika, ist die Lage weiterhin instabil.

    Die deutsche Industrie sucht bereits nach Reserven, um Engpässe in der Stromversorgung vorzubeugen. Die Strompreise klettern nach oben. Deutschland braucht mehr Gas aus Russland.  In Washington werden die Gasgeschäfte allerdings mit Argwohn beobachtet

    Bei den Verhandlungen wurde auch der Bau eines dritten Strangs der Nord-Stream-Pipeline erörtert. Die ersten zwei Stränge sollen im Oktober im Betrieb genommen werden. Falls der dritte Strang Realität wird, wird Deutschland sich noch mehr in die Arme Russlands begeben, als der Vorsitzende des Aktionärsausschusses der Nord Stream AG (Pipeline-Betreiber), Gerhard Schröder geplant hatte.

    Falls die Pipeline tatsächlich ausgebaut wird, muss Russland das South-Stream-Projekt einfrieren. Zudem gibt es bei diesem Projekt ständig Schwierigkeiten mit der Türkei und Bulgarien. Am South-Stream-Projekt nehmen Russland, Italien und Frankreich teil. Die Pipeline soll durch das Schwarze Meer über den Balkan bis nach Österreich und Italien verlaufen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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