15:26 17 August 2017
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    Zweiter Weltkrieg Monat für Monat: August 1941

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    Im 24. Monat des Zweiten Weltkriegs musste die Sowjetunion enorme Verluste erleiden und viele Gebiete an die vorrückende Wehrmacht abtreten. Die Soldaten und Kommandeure der Roten Armee kämpften bis zum letzten Blutstropfen.

    Im 24. Monat des Zweiten Weltkriegs musste die Sowjetunion enorme Verluste erleiden und viele Gebiete an die vorrückende Wehrmacht abtreten. Die Soldaten und Kommandeure der Roten Armee kämpften bis zum letzten Blutstropfen.

    Umzingelt, gefangen, erschossen...
    Die Wehrmacht setzte ihre Offensive in allen wichtigen Richtungen fort. Große Erfolge verbuchte sie an der Westfront, wo Anfang August Guderians Panzergruppe in der Nähe von Roslawl Einheiten der sowjetischen 28. Armee (zwei Schützen- und eine Panzerdivision) eingekreist hatte. Mehr als 38 000 Soldaten wurden von den Deutschen in Gefangenschaft genommen.

    Der Armeebefehlshaber Wladimir Katschalow wurde am 4. August bei einem Ausbruchsversuch getötet. Weil das Hauptquartier des Oberkommandos keine Nachricht über seinen Verbleib hatte, klagte es Katschalow im Befehl Nr. 270 vom 16. August 1941 des Verrats und der Kapitulation gegenüber dem Feind an. Der General sollte erst 1953, nachdem die wahren Umstände seines Todes geklärt wurden, posthum rehabilitiert werden.

    Noch schlimmer war die Lage an der Südwestfront. Am 2. August kesselten nahe der ukrainischen Stadt Uman die Panzergruppe von Kleist und die 17. Feldarmee zwei die 6. und die 12. sowjetische Armee ein. Nach einer Woche endete der Widerstand der eingeschlossenen Verbände. Die deutschen Truppen erhielten die Gelegenheit, die gesamte Südwestfront einzukreisen. Das geschah allerdings erst im September.

    Laut sowjetischen Angaben wurden 60 000 Rotarmisten gefangen genommen, den Deutschen zufolge waren es 100 000. Unter ihnen waren die Befehlshaber der 6. und der 12. Armee - Generalleutnant Nikolai Musytschenko und Generalmajor Pawel Ponedelin - sowie mehrere andere Heereskommandeure. Ponedelin und der Kommandeur des 13. Schützenkorps Generalmajor Nikolai Kirillow wurden 1950 "wegen Vaterlandsverrats" erschossen. 1956 wurden beide posthum rehabilitiert.

    An der Südfront mussten die Verbände sich schnell in Richtung Osten zurückziehen, um nicht in eine ähnliche Falle zu geraten. Am 5. August begannen die Kämpfe vor Odessa. Vom 5. bis 27. August dauerte die Verteidigung des Hafens in Tallinn, bis die Stadtgarnison nach Kronstadt und Leningrad beordert wurde. Im Gegensatz zu Tallinn konnte Odessa bis Mitte Oktober gehalten werden.

    Vereinzelte Erfolge in der Luft
    Trotz der Niederlagen gab es Hoffnungsschimmer, vor allem in der Luft. So rammte der Jagdflieger Viktor Talalichin in der Nacht zum 7. August als einer der ersten einen He-111-Bomber und schoß ihn in der Nähe von Moskau ab. Am Tag darauf wurde er als Held der Sowjetunion geehrt.

    Am 8. August unternahmen die Flieger der sowjetischen Marine den ersten Luftangriff auf Berlin, als "Antwort" auf die Bombardierung Moskaus am 22. Juli. Die Luftangriffe auf die deutsche Hauptstadt dauerten bis zum 5. September. Bei den 52 Flügen wurden mehr als 36 Tonnen Spreng- und Brandbomben sowie Flugblätter abgeworfen. Zehn Piloten wurden als Helden der Sowjetunion ausgezeichnet. Das 1. Minentorpedo-Fliegergeschwader der Baltischen Flotte erhielt als eines der ersten den Ehrentitel.

    Die lokalen Erfolge in der Luft konnten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die sowjetischen Verteidiger im eigenen Land arg in Bedrängnis geraten waren. Obwohl Jossif Stalin am 8. August das Kommando des Obersten Befehlhabers übernommen hatte, taten sich die sowjetischen Streitkräfte schwer damit, die deutschen Tuppen am Weitermarsch zu hindern.

    Im Westen war Smolensk weiter umkämpft. Guderians Panzergruppe und der 2. Feldarmee setzten den sowjetischen Truppen schwer zu: Mitte August wurden das 45. und das 63. Schützenkorps zerschlagen; ihre Kommandeure, Generalmajor Erman Jakowlewitsch Magon und Generalleutnant Leonid Grigorjewitsch Petrowski, kamen ums Leben.

    Petrowski war kurz vor seinem Tod zum Befehlshaber der 21. Armee ernannt worden. Er bat seine Vorgesetzte immer wieder, mit der Auszeichnung zu warten, solange er nicht seine Truppe aus dem Kessel gebracht hat. Als Zeichen der Achtung vor dem mutigen General stellten die Deutschen ein Kreuz mit seinen Initialen auf seinem Grab auf.

    Familien des Deserteurs werden mitbestraft
    Am 14. August beschloss das Hauptquartier des Obersten Befehlshabers, die von Guderians Angriffen brüchige Westfront zu verstärken. Zwischen der Haupt- und der Reservefront wurde die Brjansker Front geschaffen und Generalleutnant Andrej Jerjomenko zu ihrem Oberbefehlshaber ernannt. Ende August wurden die Verbände der Hauptfront in die Brjansker Front eingegliedert.

    Um die Truppen noch schlagkräftiger zu machen, ordnete das Hauptquartier des Obersten Befehlshabers am 16. August an, die komplette Familie von Deserteuren zu verhaften.

    An der Nordwestfront durchbrachen die Deutschen am 12. August den Verteidigungsabschnitt bei Luga. Der Feind rückte in Richtung Leningrad vor. Der Kommandeur der Operativen Gruppe Luga, Generalleutnant Konstantin Pjadyschew, wurde wegen antisowjetischer Agitation zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt. 1944 starb er, 1958 wurde er rehabilitiert.

    Am 15. August drangen Vorauskommandos der Wehrmacht in Nowgorod ein. Am 20. August nahmen sie Tschudow ein und schnitten die Bahnverbindung Moskau - Leningrad ab. Am 31. August besetzten sie die Bahnsiedlung Mga, 50 Kilometer südöstlich von Leningrad.

    Am 15. August schrieb der Generalstabschef des Heeres, Franz Halder, in sein Tagebuch, dass die Panzerdivisionen viel Kriegsgerät verloren hätten und nur langsam nach Moskau vorankommen würden. Halder zufolge hat der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte Fedor von Bock als Angreifer mit dem überlegenen Feind Vabanque gespielt. Nunmehr müsse die Heeresgruppe zur Verteidigung übergehen.

    Einige Tage später, am 21. August, wies Hitler die Truppen erneut an, bis zum Anbruch des Winters nicht Moskau, sondern die Krim zu besetzen und Leningrad einzukesseln. Der Beschluss des Führers, die Heeresgruppe Süd mit der 2. Armee und 2. Panzergruppe zu verstärken und damit den Angriff auf Moskau zu stoppen, traf nicht bei allen deutschen Generälen auf Zustimmung. Halder bezeichnete diesen Befehl als entscheidend für den gesamten Ostfeldzug und Guderian war gegen das Abschwenken nach Süden.

    Wie Generaloberst Hermann Hoth, Kommandierender der 3. Panzergruppe, zu Recht vermerkte, waren beide Flanken der Heeresgruppe Mitte beim Vorstoß gegen Moskau Angriffen ausgesetzt, im Süden habe sich diese Gefahr bereits bemerkbar gemacht.

    Die Rote Armee begann am 30. August eine Gegenoffensive an drei Fronten: der West-, der Reserve- und der Brjansker Front.

    Anti-Hitler-Koalition
    Unterdessen bildete sich die Anti-Hitler-Koalition. Am 14. August nahmen die USA und Großbritannien die Atlantik-Charta. Darin wurde die Notwendigkeit hervorgehoben, die Aggressoren militärisch niederzuringen. Die UdSSR schloß sich dieser Deklaration am 24. September 1941 an.

    Am 16. August  begann Großbritannien damit, Moskau mit Waren und Geld zu unterstützen . Am 25. August schickten die beiden Mächte ihre Truppen in den Iran, um die dortigen Ölvorkommen vor den deutschen Truppen und ihrer Verbündeten sowie die (südliche) Lieferroute in die Sowjetunion zu schützen. Am 31. August trafen in Archangelsk die ersten britischen Schiffe ein. Die sowjetische Nordflotte und die Kriegsflotte der Alliierten kämpften von nun an Seite an Seite.

    Der Krieg weitete sich aus. Die Chancen auf einen Triumph wurden für Nazi-Deutschland und seine Verbündeten jedoch zunehmend geringer.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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