12:00 19 Oktober 2018
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    Weichenstellung oder Abstellgleis? Kim Jong Il bereist Russland im Panzerzug

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    Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Il ist wieder mit seinem gepanzerten Zug in Russland unterwegs.

    Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Il ist wieder mit seinem gepanzerten Zug in Russland unterwegs.

    Vor zehn Jahren rollte er in seinem Sonderzug unter hohen Sicherheitsvorkehrungen bis nach Moskau, was beinahe einen Kollaps des Bahnverkehrs zur Folge hatte. Damals traf er sich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Jetzt reist Kim Jong Il nur durch den Fernen Osten Russlands. Heute will er sich mit Putins Nachfolger Dmitri Medwedew treffen.

    Von den Verhandlungen in der russischen Teilrepublik Burjatien sollte kein Durchbruch erwartet werden. Die Tagesordnung des Treffens ist bereits seit mehreren Wochen bekannt. Im Mittelpunkt stehen mehrere Wirtschaftsprojekte – der Bau einer Pipeline und Bahnstrecke auf der Koreanischen Halbinsel. Dabei können Medwedew und Kim Jong Il kaum allein darüber entscheiden - für die Umsetzung dieser Projekte sind Verhandlungen mit Südkorea nötig.

    Verlorene Jahre

    Die Situation auf der Korea-Halbinsel kommt seit den frühen 2000er Jahren kaum in Bewegung. Damals warfen die USA Pjöngjang ein geheimes Atomprogramm vor, das gegen die zuvor getroffenen Vereinbarungen verstoßen würde. Washington konnte nie seine Anschuldigungen mit Beweisen untermauern. Doch das war auch nicht mehr nötig, denn Pjöngjang gab seine Nuklearpläne offen zu und besitzt inzwischen mehrere Atomsprengköpfe.

    Man sollte aber nicht vergessen, was Nordkorea im Jahr 2002 war. Damals wurden dort Wirtschaftsreformen nach dem Vorbild Chinas oder wenigstens Vietnams eingeleitet. Man sprach sogar von einem Zusammenschluss Nordkoreas und Südkoreas in ferner Zukunft. Im entmilitarisierten Grenzgebiet machen die Bahngesellschaften der beiden koreanischen Staaten gemeinsame Sache.

    Auch Russland ist davon unmittelbar betroffen, denn es handelte sich eigentlich um die Zusammenlegung der Transsibirischen und der Transkoreanischen Eisenbahn. Das während Kim Jong Ils erster Russland-Reise im August 2001 vereinbarte Mega-Projekt sollte nicht nur für die Beteiligten von Nutzen sein, sondern auch zur Verkehrsachse für die Entwicklung Nordkoreas und gleichzeitig  zur Wirtschaftsachse zwischen Moskau und Pjöngjang, die mittlerweile bestenfalls für den Fernen Osten eine Bedeutung hat.

    Das nächste Treffen zwischen Putin und Kim Jong Il fand 2002 in Wladiwostok statt. Auch damals wurde hauptsächlich über das Bahn-Projekt gesprochen. Damals schien sich Nordkoreas Regime unter Mitwirkung aller drei Nachbarländer (Russland, China, Südkorea) sich langsam zu verändern.

    Durch den Atomstreit gerieten die Bemühungen um Annäherung für neun Jahre ins Stocken. Jetzt sollen die Gespräche wiederbelebt werden. Auf der Tagesordnung steht mittlerweile auch der Bau einer Gaspipeline.

    Pipeline und Eisenbahn

    Dieses Projekt wurde vom russischen Gaskonzern Gazprom initiiert, der an Gaslieferungen nach Südkorea interessiert ist. Westlichen Experten zufolge geht es dabei um etwa zehn Milliarden Kubikmeter Gas jährlich im Laufe von 30 Jahren. Aber das russische Gas wäre wohl nicht nur für Südkorea, sondern auch für Nordkorea nützlich. Das würde der russischen Politik zur Diversifizierung der Gaslieferungen in Richtung Osten entsprechen. Die Verhandlungen mit China verlaufen zäh, aber neben der Volksrepublik gibt es in der Region auch andere Länder, die Gas brauchen.

    Moskau verhandelt schon seit mehreren Monaten sowohl mit Seoul als auch mit Pjöngjang, eine Gasfernleitung entlang der Bahnstrecke zu verlegen.

    Wirtschaft soll Politik anspornen

    Was könnten die Staatsoberhäupter außer den gemeinsamen Wirtschaftsprojekten besprechen? Vielleicht Sicherheitsfragen? Zumal es höchste Zeit für die Fortsetzung der vor Jahren auf Eis gelegten Sechser-Verhandlungen über Pjöngjangs Atomprogramm ist.

    Natürlich hatten auch die Nordkoreaner ihre Gründe, dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush vorzuwerfen, einen Machtwechsel in Pjöngjang zu beabsichtigen. Er hatte Pjöngjang neben Bagdad und Teheran zur so genannten „Achse des Bösen“ gezählt. Kurz danach begann der langjährige US-Kriegseinsatz im Irak. Aber selbst die Tatsache, dass die Sechser-Verhandlungen begonnen haben, soll Pjöngjang signalisieren, dass es keinen „zweiten Irak-Krieg“ geben würde.

    Bisher konnte man nur von einer Vermittlerrolle Russlands in dieser Geschichte sprechen. Der russisch-amerikanische „Neustart“ sollte aber Pjöngjang die Zuversicht verleihen, dass es wieder ein gerngesehener Teilnehmer der Kooperation in dieser Ecke der Welt ist. Dadurch könnte auch die Lösung von Sicherheitsfragen vorangebracht werden.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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