09:00 17 Oktober 2018
SNA Radio
    Meinungen

    Höhere Gewinne: Russische Ölkonzerne zieht es in die Ferne

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 0 0

    Russische Ölkonzerne erschließen lieber Vorkommen im Ausland als in der Heimat. Russland entgehen dadurch Steuereinnahmen, Investitionen und Arbeitsplätze. Die Öl-Multis erhoffen sich mehr Gewinne in der Ferne. Doch Projekte in politischen instabilen Ländern bedeuten auch mehr Risiko.

    Russische Ölkonzerne erschließen lieber Vorkommen im Ausland als in der Heimat. Russland entgehen dadurch Steuereinnahmen, Investitionen und Arbeitsplätze. Die Öl-Multis erhoffen sich mehr Gewinne in der Ferne. Doch Projekte in politischen instabilen Ländern bedeuten auch mehr Risiko.

    Keine Einigung erreicht

    Am  Montag wurde bekannt, dass Gazprom Neft, Öltochter des russischen Energieriesen Gazprom die Lizenz für die Erschließung des iranischen Ölvorkommens Azar entzogen wurde. Das Abkommen zwischen Gazprom Neft und des iranischen Staatölkonzerns NIOC zur Erschließung von 270 Millionen Tonnen Öl war von dem iranischen Botschafter in Moskau, Seyed Reza Sajjadi, zwei Jahre lang ausgearbeitet worden. Der russische Ölförderer weigert sich jedoch bereits seit acht Monaten, das Dokument zu unterzeichnen. In der vergangenen Woche hatten die Iraner den Russen bereits vorgeschlagen, die Lizenz an ein anderes Unternehmen weiterzureichen. Vertreter von Gazprom Neft erklären die Verzögerung damit, dass der Iran nicht auf die Forderung nach neuen Vertragsbedingungen reagiert hat.  Was hat Gazprom an dem Vertrag auszusetzen?

    „Es handelte sich um einen Vertrag zur Serviceleistung“, sagte der Analyst des Investmenthauses Kapital, Vitali Krjukow. „Das geförderte Öl bekommt komplett der Iran. Russland bekommt dabei nur eine festgeschriebene Summe für die Ölgewinnung“, so derb Experte. Ihm zufolge bevorzugen Ölkonzerne gewöhnlich das Product-Sharing-Prinzip bei Förderprojekten im Ausland.

    Zudem gibt es einen politischen Hintergrund. Die Zusammenarbeit mit einem unter Sanktionen stehenden Land könne die Auslandsexpansion von Gazprom Neft bedrohen, betonte Krjukow. Auch der russische Ölkonzern Lukoil und der norwegische Energieriese Statoil hatten mit den Iranern über Förderprojekte verhandelt, doch zur Unterzeichnung von Verträgen kam es nicht. Lukoil ist wegen der UN-Sanktionen gegen den Iran aus dem Projekt ausgestiegen. Allerdings ließ sich der Ölkonzern eine Hintertür für die Rückkehr in den Iran offen, wenn die politische Situation es zulässt.

    Es geht nur um Profit

    Russische Ölunternehmen sind auch an Projekten in anderen Ländern beteiligt. Wie Konstantin Simonow, Direktor des Fonds für nationale Energiesicherheit, mitteilte, erschließen russische Firmen Ölvorkommen in etwa 20 Ländern in Afrika, Südamerika, Zentralasien und im Nahen Osten.

    Wozu braucht Russland  Öl aus dem Ausland? In Russland lagern rund elf Prozent der weltweiten Ölvorräte. Das Interesse der russischen Ölunternehmen an Vorkommen in der Ferne scheint nur auf den ersten Blick zu irritieren. Der Eigenkosten des Öls sind im Ausland deutlich niedriger als in Russland. „Im Irak liegt der Selbstkostenpreis eines Barrels bei weniger als einem US-Dollar. In Sibirien sind es zwischen fünf und zwölf US-Dollar“, sagte Simonow.

    Die Steuerpolitik der russischen Regierung tut ihr Übriges - die Bodenschatzsteuer liegt bei 419 Rubel je Tonne und soll im kommenden Jahr um 6,5 Prozent erhöht werden. Deswegen sind Auslandsprojekte für die russischen Ölkonzerne lukrativer.

    Laut Krjukow decken die Gewinne mit den westsibirischen Ölvorkommen nur die Projektinvestitionen. Product-Sharing-Projekte in Westafrika, im Golf von Mexiko oder vor Brasiliens Küste haben eine 20-prozentig höhere Rentabilität, so der Experte.

    Trotz des Risikos gehen die russischen Ölkonzerne in politische instabile Länder - Libyen, Venezuela, Algerien, Äquatorialguinea u.a.

    Nichts gelernt aus Sowjetzeiten

    Die Beispiele der Iran und Libyen, wo Gazprom Neft die Förderlizenz für das Elephant-Ölfeld nach Gaddafis Sturz zu verlieren droht, zeigen, dass sich Risiko nicht bezahlt macht, so Simonow.

    Wenn die Steuern heruntergefahren werden, würden die Ölvorkommen in Russland (selbst die schwer zugänglichen in Ostsibirien) genausoviel Gewinne abwerfen wie in Südamerika oder Afrika. Laut Krjukow liegt die Rentabilität des Vorkommens Wankor (Ölförderer Rosneft) in Ostsibirien bei rund 20 Prozent.

    Simonow ist davon überzeugt, dass viele der vom Staat kontrollierten russischen Ölunternehmen sich nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus politischen Gründen im Ausland engagieren. Der Kreml wolle den politischen Einfluss in Ländern ausbauen, in denen russische Investitionen fließen. Doch Russland mache denselben Fehler wie die Sowjetunion, die ihren Einfluss durch riesige Investitionen ins Ausland erhöhte, aber nichts zurückbekam, sagte Simonow.

    Viele Experten raten der russischen Regierung, die Erschließung der westsibirischen Vorkommen durch eine günstigere Steuerpolitik zu fördern. Wegen der Steuerermäßigungen und des hohen Selbstkostenpreises wird weniger Geld in die Staatskasse fließen als bei den ostsibirischen Ölfeldern. Noch weniger Haushaltseinnahmen gab es bei der Ausbeutung der irakischen oder afrikanischen Ölvorkommen unter russischer Beteilgung. Das Geld, das in die Entwicklung der russischen Regionen und Schaffung neuer Arbeitsplätzen hätte gesteckt werden können, fließe nach Afrika, Lateinamerika und in den Nahen Osten, betonte Simonow.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren