20:26 18 Dezember 2018
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    Internationale Rangliste: Russische Unis nur Mittelmaß

    © RIA Novosti . Anton Denisov © RIA Novosti . Vladimir Fedorenko © RIA Novosti . Tatiana Podoinitsyna
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    Zwei russische Universitäten haben binnen eines Jahres in den QS World University Rankings einen gewaltigen Sprung nach oben gemacht. Elf weitere Universitäten bzw. Hochschulen haben sich im internationalen Vergleich ebenfalls verbessert.

    Zwei russische Universitäten haben binnen eines Jahres in den QS World University Rankings einen gewaltigen Sprung nach oben gemacht. Elf weitere Universitäten bzw. Hochschulen haben sich im internationalen Vergleich ebenfalls verbessert.

    Die Agentur QS hat weltweit 2919 Universitäten unter die Lupe genommen, 712 von ihnen wurden ins Ranking aufgenommen. Unter den Top 300 ist die Moskauer Staatliche Universität „Michail Lomonossow“ (Platz 112) und die St. Petersburger Staatliche Universität (Platz 251) vertreten. Insgesamt sind 13 russische Hochschuleinrichtungen im Ranking gelandet.

    „Weltweit gibt es mehr als 20 000 Universitäten. Eine Erwähnung im QS Ranking bedeutet, den vier Prozent der besten Universitäten der Welt anzugehören“, sagte Soja Saizewa, QS-Vorsitzende in Mittel- bzw. Osteuropa und Zentralasien, der  RIA Novosti.

    Bei der Erstellung des Rankings wurden insgesamt sechs Kriterien berücksichtigt: der akademische Ruf der Universität, die Relevanz der Forschungsarbeiten, das Verhältnis zwischen Lehrkräften und Studenten, das Interesse der Unternehmen für die Absolventen sowie der Anteil der Ausländer unter den Studenten.

    In die Liste wurden nur Universitäten aufgenommen, an denen Disziplinen aus mindestens zwei Bereichen (Natur- oder Sozialwissenschaften, Technik usw.) unterrichtet werden. Aus diesem Grund kamen beispielsweise die renommierte Moskauer Physisch-Technische Universität oder die Verwaltungsakademie beim Präsidenten für das Ranking nicht infrage.

    Mehr russische Unis im Ranking

    Den Verfassern des Rankings zufolge entwickeln sich die 13 russischen Universitäten positiv. So habe es die Bauman-Universität auf Anhieb auf Platz 379 geschafft. „Normalerweise landet eine Universität beim ersten Mal üblicherweise zwischen Platz 500 und 600“ erläuterte Soja Saizewa. „Dass die Bauman-Universität so hoch eingestuft wurde, ist absolut untypisch und hat alle Mitarbeiter unserer Agentur überrascht.“ Ihr zufolge hängt der Erfolg ausschließlich mit dem guten Ruf der Universität im Ausland zusammen. Deren Absolventen sind bei Unternehmen sogar gefragter als von der St. Petersburger Universität.

    Überraschend war auch der Erfolg der Moskauer Universität für Internationale Beziehungen, die im Vorjahr auf den hinteren Plätzen eingestuft worden war. Diesmal wurde sie auf Platz 389 gesetzt.

    „Wir hatten uns Sorgen um die Uraler Föderale Universität gemacht“, fuhr die QS-Vorsitzende fort. „Denn sie war mit einer anderen fusioniert worden, die ihre Chancen wegen der eigenen niedrigen Quote und anderer Probleme beeinträchtigen könnte.“ Doch das Gegenteil sei eingetreten, denn die Ural-Universität kletterte um 100 Plätze nach oben.

    Vier russische Universitäten wurden zum ersten Mal in das Ranking aufgenommen: Russische Universität für Völkerfreundschaft, die Tomsker Polytechnische Universität, die Staatliche Universität Altai und die Staatliche Universität zu Nischni Nowgorod „Nikolai Lobatschewski“.

    Die besten Unis verlieren an Boden

    Für die Moskauer Lomonossow-Universität als Aushängeschild des russischen Bildungssystems war es in den vergangenen drei Jahren immer nach oben gegangen (Platz 183 2008, Platz 101 2009 und Platz 93 2010). Diesmal muss sich die Universität mit Platz 112 begnügen, dennoch ist sie die bestplazierte Universität in Mittel- und Osteuropa. Die St. Petersburger Universität rutschte um 44 Positionen auf Platz 251 ab.

    „Damit eine Universität im Ranking nach oben klettert, muss eine andere Universität abrutschen“, so Soja Saizewa weiter. „Das bedeutet jedoch nicht, dass die Lehre an der Universität A schlechter als vor einem Jahr oder der Universität B geworden ist. Das könnte bedeuten, dass die Lehrkräfte der Universität B auf einmal besser wurden.“

    Die russischen Universitäten würden ihre guten Positionen im Ranking vor allem ihrem Image bei den Arbeitgebern und dem Verhältnis der Studenten- und Professorenzahl verdanken, so die Expertin. Um aber konstant besser bewertet zu werden, sollte jede Universität ständig Fortschritte machen. In dem Punkt hinken die russischen Lehreinrichtungen der westlichen Konkurrenz deutlich hinterher.

    Relativ wenige Ausländer sind an russischen Universitäten eingeschrieben. In den 1980er Jahren kamen viele Studenten aus Afrika, Asien und Osteuropa zum Studium in die Sowjetunion. In den 1990er Jahren waren sie mit Problemen konfrontiert, die mit der russischen Bildung nichts zu tun hatten.

    Skinhead-Angriffe und die schwierigen Lebensbedingungen in Russland schrecken ausländische Studenten ab. Bei einem Feuer in einem Studentenwohnheim der Moskauer Universität für Völkerfreundschaft im Jahr 2003 kamen 36 Studenten ums Leben. Für das Image der russischen Universitäten war das alles andere als positiv.

    Ranking gibt Anlass zum Nachdenken

    „Die Kriterien, nach denen internationale Rankings erstellt werden, sind anders als die Merkmale, nach denen man sich in Russland richtet“, findet Alexander Murawjow von der Moskauer Physisch-Technischen Universität. Deshalb könne man anhand dieser Rangliste nicht über das Niveau des russischen Bildungswesens urteilen.

    Soja Saizewa sieht den Hauptgrund für die Unterbewertung der russischen Universitäten in der mangelhaften Forschungsarbeit. Alexander Murawjow ist da anderer Meinung. Ihm zufolge besteht das Problem darin, dass viele Forscher ihre Arbeiten in russischer Sprache veröffentlichen, weshalb sie bei ausländischen Kollegen unbekannt sind.

    „Man kann sich lange über die Besonderheiten dieser Rangliste streiten, darüber, dass sie sich nach dem angelsächsischen Bildungsmodell richtet usw. Wir müssen jedoch zugeben, dass die russische Bildung hinterherhinkt“, stellte Professor Alexander Sergejew von der Moskauer Internationalen Hochschule für Wirtschaft fest. Deshalb seien die russischen Universitäten auf dem weltweiten Bildungsmarkt nicht wettbewerbsfähig.

    „Leider nehmen die russischen Universitäten die aktuellen Probleme nicht ernst und die internationalen Ranglisten tragisch“, bedauerte der Professor. „Das ist, als würde ein schlechter Student böse Professoren, mangelhafte Bildungsprogramme oder auch das schlechte Wetter, aber nur nicht sich selbst für seine schlechten Noten verantwortlich machen.“

    In diesem Kontext verwies der Experte auf den Platz 46 der Pekinger Universität. „Die Chinesen lernen schnell, auch wenn es um die Etablierung von modernen  Universitäten geht. Wir Russen ziehen es dagegen vor, uns nach unserer großen Vergangenheit zu sehnen“, bedauerte Professor Sergejew. Nach seiner Auffassung ist das jüngste Ranking ein Anlass, sich um die Zukunft des russischen Bildungssystems zu kümmern, damit es nicht endgültig verfällt.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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