22:42 25 September 2017
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    Schwacher Kurs: Anleger flüchten aus dem Rubel

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    Ein US-Dollar kostete am Donnerstag 32 Rubel. Der Einbruch des russischen Devisenmarkts hängt mit der Börsentalfahrt in Asien, Europa und Russland zusammen. Experten rechnen mit einer weiteren Schwächung des Rubels. Weder innere noch äußere Faktoren können die russische Leitwährung stärken.

    Ein US-Dollar kostete am Donnerstag 32 Rubel. Der Einbruch des russischen Devisenmarkts hängt mit der Börsentalfahrt in Asien, Europa und Russland zusammen. Experten rechnen mit einer weiteren Schwächung des Rubels. Weder innere noch äußere Faktoren können die russische Leitwährung stärken.

    Rubel und Börsen im freien Fall

    Die Gefahr einer zweiten Krisenwelle sorgt für Spannung bei den Spekulanten. Angesichts der Nervosität reagieren die Marktakteure sehr sensibel auf gute und schlechte Nachrichten. Dies führt zu sprunghaften Kursen auf dem Börsenparkett.

    Am Mittwoch hatte das Federal Reserve Systems der USA sein Programm zur Stimulierung der Wirtschaft vorgestellt. „Die Investoren haben vom Federal Reserve System mehr Entschlossenheit erwartet. Dazu kam es jedoch nicht“, sagte Kirill Termassow, Chefanalyst der Bank of Moscow.

    In Asien mussten die Börsen am Donnerstag kräftige Kursverluste hinnehmen, von zwei bis 4,9 Prozent. Der Kurs des Hang Seng in Hongkong rauschte um 4,85 Prozent nach unten. Der MMWB-Index rutschte Donnerstagnachmittag um 5,8 Prozent auf 1420,63 Punkte ab. Der RTS-Index verlor 6,4 Prozent.

    Gleichzeitig büßt der Rubel an Wert ein. Das ist verständlich. Aus Angst vor einer neuen Krisenwelle steigen die Investoren aus riskanten Anlagen aus, zu denen die Wertpapiere der Entwicklungsländer und Rohstoff-Währungen gehören (darunter der russische Rubel). Angesichts der negativen Prognosen sackten die Ölpreise ebenfalls ab. Der Preis für einen Barrel der US-Sorte WTI gab um 3,5 Prozent nach.

    Innere Faktoren beschleunigen die Rubel-Krise. Laut Jelena Matrossowa, Ökonomin bei Beratungsfirma BDO Unicon, ist der Rubelkurs gegenüber dem Euro-Dollar-Währungskorb deutlich überschätzt. Dies sei am Verhältnis zwischen dem Verrechnungskurs und dem tatsächlichen Kurs des Rubels zu erkennen. Der Verrechnungskurs müsse zehn bis zwölf Prozent höher liegen als der nominelle Kurs. Bereits Anfang August habe der Unterschied bereits 29 Prozent ausgemacht, so die Expertin.

    „Seit Ende Sommer steht der Rubel davor, abzurutschen. Jede Instabilität auf dem Markt konnte dies verursachen“, sagte Matrossowa.

    Ungelöste Frage

    Neue Tendenzen in der Wirtschaft sind in der nächsten Zeit nicht zu erwarten. Eine Ursache für die Instabilität in der Wirtschaft und der Spannung an die Börsen sei die Griechenland-Frage gewesen, sagte Tremassow. Solange nicht entschieden ist, wie es Griechenlands Wirtschaft weitergeht und wie der Schuldenberg des Landes abgetragen werden soll, wird die Weltwirtschaft am Rand des Abgrunds balancieren. Die Spekulanten kehren deshalb den Rohstoff-Anlagen und -Währungen den Rücken.

    Der Rubel und Euro werden vom erstarkenden Dollar gedrückt. Die USA werfen immer weniger die Notenpresse an. Die Banken verkaufen ihre Aktiva, um die Dollar-Vorräte aufzufüllen.

    Eine weitere Schwächung der russischen Währung kann auch dadurch beeinflusst werden, dass die Russen verstärkt Dollar und Euro bunkern. Zudem wird das Wachstum der Haushaltssausgaben am Jahresende sein Übriges tun. Auch politische Streitigkeiten könnten den Abfluss des Kapitals aus Russland zur Folge haben, was den Rubel weiter schwächen werde, sagte Matrossowa.

    Experten rechnen aber damit, dass die russische Zentralbank einen massiven Absturz des Rubels verhindern wird. „Falls der Rubel noch um etwa fünf Prozent gegenüber dem Dollar-Euro-Währungskorb sinkt, wird die Zentralbank ihre Aktivitäten verstärken“, so Matrossowa. Allerdings sei es für die Zentralbank wichtiger, die Inflation einzudämmen als den Rubel zu stützen, betonte die Expertin.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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