21:12 13 Dezember 2018
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    Russlands Raumfahrt: Geldverdienen statt neue Rakete

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    Russland hat die Entwicklung der neuen Rakete Rusj-M gestoppt, die vom künftigen Weltraumbahnhof Wostotschny gestartet werden sollte.

    Russland hat die Entwicklung der neuen Rakete Rusj-M gestoppt, die vom künftigen Weltraumbahnhof Wostotschny gestartet werden sollte.

    Wie der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Wladimir Popowkin, Ende vergangener Woche in der Staatsduma (Parlamentsunterhaus) mitteilte, seien zurzeit kommerzielle Weltraumstarts wichtiger.

    Keine Chance für Rusj-M

    Die Rusj-M sollte ab 2018 bei Weltraumstarts mit bemannten Raumschiffen zum Einsatz kommen. Russland vollzog jetzt jedoch völlig überraschend einen Kurswechsel bei der Entwicklung seiner Raumfahrt.

    „Wir haben nach Überlegungen festgestellt, dass wir keine neue Rakete brauchen - das aktuelle Raketenmodell entspricht unseren Anforderungen“, sagte Popowkin während der „Regierungsstunde“ in der Duma, bei der er über die jüngsten  Misserfolge in der Raumfahrt Bericht erstattete. „Unsere Meinung haben wir der Staatsführung mitgeteilt, die sich dafür entschieden, die Arbeiten an der Rusj-M-Rakete einzustellen.“

    Der erste unbemannte Weltraumstart der neuen Rakete war ursprünglich für 2015 vom künftigen Weltraumbahnhof Wostotschny geplant. Der erste bemannte Start sollte 2018 erfolgen.

    Diese Entscheidung bedeutet, dass Russland in absehbarer Zeit keine neuen bemannten Raumschiffe entwickelt. Das seit Sowjetzeiten bestehende Sojus-Paar (gleichnamige Rakete und Raumschiff) sollte durch Rusj-M abgelöst werden.

    Das Bessere ist des Guten Feind

    Beobachter hatten schon seit mehreren Monaten geahnt, dass das Rusj-M-Projekt gestoppt wird. Die Entwicklungsarbeiten waren noch unter dem früheren Roskosmos-Chef Anatoli Perminow begonnen worden.

    Nach seiner Entlassung im Frühjahr gerieten sie jedoch ins Stocken. Sein Nachfolger Popowkin zeigte sich von Anfang an skeptisch zum Rusj-M-Projekt. Nach seiner Auffassung reichen die bereits vorhandenen Raketen Sojus-2 und Proton aus, um die vor der russischen Raumfahrt stehenden Aufgaben erfolgreich zu meistern, zumal in zwei Jahren der erste Start der neuen Angara-Rakete geplant ist.

    „Der Verzicht auf die Rusj-M-Rakete ist Roskosmos sehr schwer gefallen“, sagte der Sprecher der Behörde, Vitali Davydow. „Aber wir haben die Situation analysiert und festgestellt, dass die neue Rakete in vielen Aspekten dem Modell Angara ähnlich wäre, deren Entwicklung schon vor mehreren Jahren in die Wege geleitet worden ist.“

    Die Arbeiten an der neuen Trägerrakete könnten wiederaufgenommen werden. Die technischen Anforderungen könnten allerdings anders sein. Vom geplanten Weltraumbahnhof Wostotschny werden höchstwahrscheinlich Sojus-2-Raketen gestartet.

    System muss komplett reformiert werden

    Der Verzicht auf das Rusj-Modell kam nicht unerwartet. Popowkin hatte sich in letzter Zeit  häufig für eine grundsätzliche Reform der russischen Raumfahrt ausgesprochen.

    Neben der Erforschung von entlegenen Winkeln des Sonnensystems geht es jetzt vor allem darum, die Raumfahrt als Einnahmequelle zu nutzen.

    Der Roskosmos-Chef stellte fest, dass Russland in diesem Bereich hinter den anderen Weltraumnationen hinterher hinke. Obwohl Russland 40 Prozent aller Weltraumstarts unternehme und 20 Prozent aller Raumapparate baue, habe es lediglich einen Anteil von drei Prozent auf dem Markt der kommerziellen Raumstarts, führte Popowkin an.

    „Bis 2015 sollen bis 20 Fernerkundungs-Satelliten (jetzt fünf), bis 30 GLONASS-Satelliten (jetzt 24) und bis 48 Kommunikationssatelliten (jetzt 26) ins All gebracht werden“, kündigte er in der Duma an.

    Zuvor hatte Popowkin kritisiert, dass der Schwerpunkt auf unrentable ISS-Forschungsprojekte gelegt wurde.

    Forschung bleibt Priorität

    Trotz seiner klaren Worte beteuerte Popowkin, dass die Forschungsprogramme nach wie vor zu den wichtigsten Entwicklungsrichtungen der russischen Raumfahrt gehören.

    „Wir visieren das Jahr 2050 an und wollen bestimmen, in welche Richtung die strategische Entwicklung verlaufen soll. Vorerst hat die Monderforschung die größte Priorität für uns“, betonte er. „Bemannte Flüge zum Mars oder zu Asteroiden sind erst viel später möglich. Die Umsetzung dieser Projekte hängt nicht nur von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes ab, sondern vor allem vom Entwicklungsstand der Technologien.“

    Ein erster Schritt in diese Richtung soll der für Anfang November geplante Raumstart des Apparats Fobos-Grunt sein. Er soll auf dem Marsmond Phobos Bodenproben nehmen.

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