19:39 24 November 2017
SNA Radio
    Meinungen

    Russland und China: Gas gegen Modernisierung

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    Putin besucht China (18)
    0 4 0 0

    Bei dem China-Besuch des russischen Regierungschefs Wladimir Putin wurden die Lieferungen der russischen Energieträger an China und die Modernisierungsallianz zwischen beiden Ländern besprochen.

    Bei dem China-Besuch des russischen Regierungschefs Wladimir Putin wurden die Lieferungen der russischen Energieträger an China und die Modernisierungsallianz zwischen beiden Ländern besprochen.

    Flugzeugbau, Nano- und Biotechnologien, Informatik, Medizin – die Zusammenarbeit in diesen Bereichen wurde ebenfalls bei dem zweitägigen Chinabesuch erörtert.

    Preisformel

    Bereits vor Putins Abfahrt nach China war bekannt gewesen, dass das Ende der Verhandlungen über die langfristigen Gaslieferungen an China nicht zu erwarten ist. Deshalb waren Putins Äußerungen über das baldige Ende der Gasverhandlungen eine angenehme Überraschung. Das betrifft auch die Ölvereinbarungen (das Öl fließt bereits vom russischen Skoworodino nach China). Der Streit war ausgebrochen, nachdem China die Zahlungen für die russischen Öllieferungen reduziert hatte. Der russische Pipelinebetreiber Transneft drohte mit gerichtlichen Schritten.

    Bei der russisch-chinesischen Diskussion über den Gaspreis (Gas soll an China im Laufe von 30 Jahren geliefert werden) ist es nicht leicht, die goldene Mitte zu finden. Laut inoffiziellen Angaben handelt es sich um eine Preisspanne von 250 bis 350 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas.

    Einerseits ist es nicht sehr schwer, einen Kompromisspreis zu verhandeln, doch andererseits geht es um die Lieferungen von 68 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr - 30 Milliarden Kubikmeter auf der westlichen Route (voraussichtlich ab 2015) und weitere 38 Milliarden Kubikmeter auf der östlichen Route. In der Weltenergiewirtschaft hat es noch nie solche große Verträge gegeben. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Verhandlungen bereits fünf Jahre geführt werden und noch eine Weile dauern werden.

    Wie kann aber die Preisformel für die nächsten 30 Jahre bestimmt werden? China könnte den Preis, der für das turkmenische Gas gezahlt werden muss, mit dem Preis, den Russland für seine Gaslieferungen von Europa haben will, vergleichen. Darüber hinaus könnten die Chinesen den Preis für Flüssiggas und die Bemühungen Europas, sich von der russischen Gasabhängigkeit zu befreien, ins Kalkül ziehen. Doch wie soll die Preisformel aussehen? In der Finanzkrise weiß doch niemand, wie Dollar oder Euro im nächsten Jahr stehen werden.

    Moskau und Peking sind für Energiestabilität. Sie besteht darin, die Preise für Energieträger von Marktunsicherheiten zu befreien sowie stabile und voraussagbare Lieferungen zu fördern.

    Russland hat diese Idee zum Hauptthema des G8-Gipfels 2006 in St. Petersburg gemacht. Die Partner haben zwar damals ein Abkommen unterzeichnet, es ist aber später in Vergessenheit geraten.

    Modernisierung

    In Peking wurde unter anderem ein Abkommen über Zusammenarbeit bei der Modernisierung unterzeichnet, die die Wirtschaftskooperation auf das Niveau globaler Politik hebt.

    Das ist eine gute Nachricht. Moskau hatte bereits Erfolge bei der Überwindung der „kolonialen Schieflage“ beim Handel mit seinem wichtigsten Wirtschaftspartner (Laut Putin kann der Handelsumsatz in diesem Jahr 70 Milliarden Dollar ausmachen). Der Kolonialcharakter besteht darin, dass Russland an China Rohstoff und China an Russland High-Tech-Waren liefert. Wenn Sie in Suchsystemen das Wort „China“ eingeben, tauchen neben dem Wort „Tee“ auch die Worte „Autos“, „iPhone“ auf. So sieht die Realität aus.

    Der Ausweg besteht also darin, dass China bei der Modernisierung der russischen Wirtschaft hilft (China profitiert ebenfalls davon). Darüber hinaus handelt es sich um Politik, unter anderem auch um russische Innenpolitik.

    Ich würde gerne einige Auszüge aus meinem jüngsten Kommentar zum Hauptthema von Medwedews Präsidentschaft zitieren. Falls es sich um Russlands Politik in der westlichen Richtung handelt (also mit der EU und den USA), ist die von Moskau vorgeschlagene Modernisierungsallianz politisch motiviert. Auf eine technologische Modernisierung der russischen Wirtschaft wird unvermeidlich eine politische Modernisierung folgen.

    Die russischen liberalen Kräfte, die oft zu außenpolitischen Illusionen neigen, haben dieser Modernisierungsallianz zusätzliche Deutungen beigemessen. Zum Beispiel: Das Wesen der Allianz besteht in einer entschlossenen Wendung nach Westen, zum Ärger der östlichen Despoten. Anders geht es nicht, weil sich alle Modernisierungsressourcen in den USA und in der EU befinden.

    Dennoch wäre es sehr befremdlich, diese Wendung zu dem Zeitpunkt zu machen, wenn sich der Westen nach Osten wendet. Es wird immer klarer, dass sich das Modernisierungspotential und viele andere Ressourcen dorthin verschieben, wo sich neue Mächte schnell entwickeln.

    Die Wirtschaftsbesonderheiten der Kooperation zwischen Russland und China sind zwar nicht immer positiv, jedoch nützlich für die russische Modernisierung.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

    Themen:
    Putin besucht China (18)
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren