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    Rüstungsauftrag 2011: Kopfschmerzen für Militärbehörde

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    Das russische Verteidigungsministerium hat es doch geschafft: Für 95 Prozent des staatlichen Rüstungsauftrags wurden Auftragnehmer gefunden.

    Das russische Verteidigungsministerium hat es doch geschafft: Für 95 Prozent des staatlichen Rüstungsauftrags wurden Auftragnehmer gefunden.

    Das teilte der Erste Vize-Verteidigungsminister Alexander Suchorukow am vergangenen Dienstag mit.

    Dennoch bleiben mehrere wichtige Verträge im Rahmen des Staatlichen Rüstungsprogramms immer noch offen.

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    Im Sommer hatte Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow in einem Bericht die katastrophale Situation um die Erfüllung des Rüstungsauftrags eingeräumt. Die Militärbehörde hat aber daraus Schlüsse gezogen und will künftig die Vertragspreise noch vor Vertragsabschluss mit den Auftragnehmern vereinbaren. Das soll bereits 2012 zur Norm werden.

    Für die schleppende Erfüllung des Rüstungsauftrags gibt es mehrere Gründe. Erstens sind die Rüstungsausgaben Russlands enorm schnell gewachsen, worauf die Rüstungsindustrie nicht vorbereitet war.

    Außerdem wird gerade das gesamte System der Rüstungsaufträge umstrukturiert. Früher waren die Kommandos einzelner Waffengattungen zum Kauf der Militärtechnik bevollmächtigt. Jetzt aber ist das nur dem Verteidigungsministerium vorbehalten, dessen zuständige Abteilung plötzlich überlastet war.

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    Alexander Suchorukow gab in seiner Rede zu verstehen, dass die Schwierigkeiten bei der Erfüllung des Rüstungsauftrags nicht nur administrative und finanzielle Maßnahmen zur Folge hatten, sondern auch mehrere hochrangige Militärs ihre Posten aus diesem Grund verloren haben.


    In diesem Kontext erwähnte er die Entlassung des Präsidenten der Vereinigten Flugzeugbaukorporation (russ. Abk.: OAK), Alexej Fjodorow, des Generaldirektors der Werft Sewmasch, Nikolai Kalistratow, und des Generaldirektors des Konzerns Almas-Antej, Igor Aschurbeili. Letzterer sei gefeuert worden, weil die Versorgung der Luftabwehrkräfte mit S-400-Raketen gescheitert sei, betonte der Vizeminister. Nach der Entlassung seien die Verwaltungsprozesse im Betrieb zentralisiert und die Finanzströme im Mutterbetrieb konsolidiert worden, erläuterte er.

    Bis dahin hatte es in der Branche eine Doppelherrschaft gegeben. Innerhalb des Konzerns Almas-Antej, der fast alle Raketenentwickler Russlands vereinigt, agierte die Firma Almas (Entwickler von S-300P- und S-400-Raketen), die sowohl mit dem Verteidigungsministerium als auch mit den Kunden selbstständig verhandelte. Jetzt sind Vertragsschlüsse nur dem Mutterkonzern vorbehalten.

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    Obwohl die Erfüllung des Rüstungsauftrags allmählich in die Wege geleitet worden ist, gibt es mehrere äußerst wichtige und seit langem angekündigte Verträge, die das Verteidigungsministerium seit Monaten nicht abschließen kann.

    Die Lieferung von 65 Übungs- und Kampfflugzeugen Jak-130 wurde nach langwierigen Verhandlungen endlich vereinbart: Die OAK wird dafür 444 Millionen Rubel (1 Euro= ca. 42 Rubel) pro Maschine kassieren. Der Preis ist allerdings geringer als 15,4 Millionen Dollar, der früher in den Medien erwähnt wurde und der für die Militärbehörde zu hoch war. Die Lieferungen mussten jedoch auf 2012 verschoben werden.


    Auch die Verträge über die Lieferung von strategischen Raketenkomplexen wurden letztendlich geschlossen. Dass der russische Raketenschutzschild nicht modernisiert werden kann, teilte der Chefkonstrukteur des Moskauer Instituts für Wärmetechnik, Juri Solomonow, Anfang Juli mit. Für das Scheitern der Verhandlungen machte er das Verteidigungsministerium verantwortlich und löste damit eine heftige Reaktion des Ministers Anaroli Serdjukow aus.

    Am Ende konnten die Seiten bei der Preisbestimmung für ballistische Raketen RS-24 Jars und RSM-56 Bulawa einen Kompromiss erzielen. Die Einzelheiten der Vereinbarung wurden natürlich nicht veröffentlicht.


    Ob aber dieser Kompromiss beiden Seiten passt, ist unklar. Möglicherweise kommt es künftig zu neuen öffentlichen Auseinandersetzungen zwischen den Raketenbauern und der Militärbehörde.

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    In den Sternen steht noch die Lieferung von 24 Deck-Kampfjets MiG-29K/KUB. Diese Maschinen sind für den einzigen russischen Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“ bestimmt. Die endgültige Vereinbarung, die auf zwei Milliarden Dollar geschätzt wird, wurde vorerst nicht getroffen.

    Alexander Suchorukow führte die Verhandlungsprobleme auf einige Besonderheiten dieses Vertrags zurück. So geht es nicht nur um Kampfjets selbst, sondern auch um andere Anlagen, die auf dem Schiff montiert werden müssen.

    Das größte Problem ist aber, dass das Verteidigungsministerium die Technik kauft, die es nicht bestellt und auch nicht bezahlt hat. Nicht zu übersehen ist, dass die MiG-29K, die ursprünglich in den späten 1980er Jahren entwickelt wurde, eine vor mehreren Jahren im Auftrag der indischen Luftstreitkräfte entstandene Modifikation ist. Die russischen Militärs mussten dafür also nichts bezahlen.


    Jetzt aber zeigt sich das Verteidigungsministerium bereit, nicht nur den Bau, sondern auch die Entwicklung dieses Modells zurückdatiert zu bezahlen. Über den Preis können sich die Seiten aber nur schwer einigen. 

    Damit sei die MiG-29K-Lieferung für 2013 bzw. 2015 aufgeschoben worden, informierte Suchorukow. Der Vertrag sollte jedoch noch bis Jahresende unterzeichnet werden.

    Absolut unklar bleibt die Situation um den Bau von neuen Atom-U-Booten. Die Verträge für die Projekte 955 (Raketenträger Borej) und 885 (Mehrzweck-U-Boot Jasen) bleiben aus. Die Schiffbaukorporation OSK beklagt sich über die Wahnsinnspreise für Stahl und Strom. Das Verteidigungsministerium verweist seinerseits auf das „mangelhafte System der Preisgestaltung“ in Russland, was einerseits alles, zugleich aber auch nichts erklärt.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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