19:34 24 November 2017
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    George Soros und 95 weitere Prominente wollen Europa retten

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    US-Spekulant George Soros hat beschlossen, an der Rettung Europas teilzunehmen.

    US-Spekulant George Soros hat beschlossen, an der Rettung Europas teilzunehmen.

    Soros und 95 weitere Prominente aus Politik, Wirtschaft und Großunternehmen haben in einem gemeinsamen Brief an die EU-Behörden, ein „Rezept“ zur Wiederbelebung der europäischen Wirtschaft vorgeschlagen. Experten zufolge ist die Methode der Prominenten wenig originell und enthält vor allem technische Lösungen, die zwar den Zustand der europäischen Wirtschaft verbessern, sie jedoch nicht heilen können.

    Soros-Methode

    Die Verfasser des Briefes rufen dazu auf, ein Finanzinstitut zu gründen, das Geld für die Euro-Zone als Ganzes verwalten wird, die Haushaltsdisziplin zu stärken, die Aufsicht über das Finanzsystem zu verschärfen und die Einlagensicherung in der Eurozone stärker zu regulieren. Zudem soll eine Strategie ausgearbeitet werden, die ein stabiles Wirtschaftswachstum in der Eurozone gewährleisten würde. Falls keine dringlichen Maßnahmen getroffen werden, könne das Finanzsystem zusammenbrechen, betonen die „besorgten Europäer“.

    Sowohl russische als auch ausländische Experten stimmen zwar zu, dass das jetzige Finanzsystem am Rande eines Zusammenbruchs steht, doch es ist unklar, was gemacht werden soll.

    „Die Herausforderungen sind heute enorm groß. Die Eurozone ist beinahe ohnmächtig. Wir können keine vernünftigen Maßnahmen treffen. Erst jetzt versuchen die Regierenden der Eurozone zu erfassen, worin die Probleme bestehen“, sagte Stijn Verhelst vom Royal Institute for International Relations (Belgien).

    In den letzten Wochen wurde die EU wegen der Unfähigkeit kritisiert, auf die Krisensituationen zu reagieren.

    „Bei der Schaffung einer Währungsunion haben sich die Europäer nicht bemüht, einen Finanzmechanismus zu schaffen“, sagte Jewgeni Gawrilenkow, Geschäftsführer des Investmenthauses Troika Dialog. „Das Hauptproblem besteht in der Mangelhaftigkeit des Führungsmodells“, sagte der Experte.

    Es geht darum, dass die EU-Beamten Entscheidungen zu lange hinauszögern – beispielsweise die Finanzhilfe an die Problemwirtschaften. Ein gutes Beispiel ist auch, dass die Slowakei als erstes und einziges Euro-Land die Erweiterung des Euro-Rettungsschirms vorläufig gestoppt hatte. Kurz danach hat das slowakische Parlament jedoch für die Ausweitung des europäischen Rettungsfonds EFSF gestimmt.

    Laut Gawrilenkow werden die Behörden der Eurozone in der nächsten Zeit nach einem annehmbaren Finanzführungsmodell suchen, das die Souveränität der EU-Mitgliedsländer nicht einschränken wird.

    Angeborener Mangel

    Falls die Behörden der Eurozone jedoch einen annehmbaren Finanzmechanismus ausarbeiten, werden dadurch die Wirtschaftsprobleme gelöst?

    “Es liegt auf der Hand, dass das Problem zu umfassend und zu kompliziert ist, um es mit organisatorischen Maßnahmen zu lösen”, sagte Igor Nikolajew von der Consultingfirma FBK. „Die Agonie des Finanzsystems wird hinausgezögert, was wird jedoch weiter geschehen?“, betonte Nikolajew.

    Es ist tatsächlich unklar, was weiter geschieht. Experten geben zu, dass die Antikrisenmaßnahmen zwar die europäische und die Weltwirtschaft vom Abgrund fernhalten, ihnen jedoch keinen Antrieb für die Entwicklung geben. Die Probleme bestehen nicht nur in der Eurozone.

    Wie Gawrilenkow betonte, leiden alle Großwirtschaften (chinesische, europäische, US-Wirtschaft) unter den Missverhältnissen. Die Wirtschaftsprobleme der EU hängen mit einer überflüssigen Umverteilung der Einnahmen unter den Wirtschaften und eines künstlichen Ausgleichs der Pro-Kopf-Einnahmen unter EU-Mitgliedsländern zusammen. Die USA leiden unter einem überflüssigen Verbrauch, der im Laufe von mehreren Jahren von Krediten gefördert wurde, was zu einer Schuldenkrise führte. Chinas Probleme sind mit überflüssigen Investitionen verbunden, die vom Staat unterstützt werden. Es ist einfach unmöglich, alle Probleme auf einem übernationalen Niveau gleichzeitig zu lösen.

    Eigene Interessen

    Einige Experten sind der Ansicht, dass sich Soros bei seinem Appell vorrangig um eigene Interessen und nicht um das Schicksal von Europa und der ganzen Welt kümmert. Laut Jelena Matrossowa, Ökonomin der Beratungsfirma BDO Unicon, sind Großspekulanten sehr stark an einer zentralisierten Finanzpolitik und Geldspritzen für die Wirtschaft interessiert.

    „Er macht Geld – darunter auf Kosten der Ausrichtung in der Politik der Finanzbehörden. Um die Operationen mit Gold, Silber, Börseninstrumenten zu beginnen, braucht man Geld. Er dreht zwar Milliarden, doch Europa sagt weder A noch B. Es ist unklar, was weiter geschieht. Deshalb kann er nicht mit spekulativen Trends rechnen“, sagte Matrossowa.

    Das jetzige Finanzsystem sei äußerst fehlerhaft. Es solle demontiert werden, damit danach etwas Neues aufgebaut werden könnte. Doch dieser Prozess werde sehr schmerzhaft sein, so  Nikolajew.

    „Das wird eine große und umfassende Krise mit allen Konsequenzen sein. Alle Unterzeichner begreifen das sehr wohl“, sagte Nikolajew.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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