02:00 21 November 2017
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    Netanjahus großer Deal: Soldat Shalit kehrt endlich heim

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    Gilad Shalit wieder frei (28)
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    Israel hat es geschafft: Die Palästinenser lassen endlich den vor fünf Jahren gefassten Soldaten Gilad Shalit frei.

    Israel hat es geschafft: Die Palästinenser lassen endlich den vor fünf Jahren gefassten Soldaten Gilad Shalit frei.

    Dafür muss aber auch Tel Aviv mehr als 1000 palästinensische Häftlinge aus dem Gefängnis freilassen.

    Experten nennen diesen „Deal“ sensationell und sogar historisch. Man muss aber sagen, dass die Israelis und Palästinenser auch früher solche Vereinbarungen trafen, und immer war der Austausch ungleich. So musste Tel Aviv 1985 etwa 1150 Palästinenser und Libanesen freilassen, um seine drei im Libanon gefangen genommenen Soldaten zu befreien.

    Dennoch ist die Befreiung Shalits (wenn nichts dazwischen kommt, was in solchen Situation schon öfter passierte) wirklich außerordentlich.

    Die Hauptfrage, die in diesem Kontext entsteht, ist: Wird denn der bevorstehende Austausch eine Wiederaufnahme der israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen oder sogar die endgültige Konfliktregelung ermöglichen? Darauf gibt es keine eindeutige Antwort.

    Steht die radikale Hamas näher zu Israel als der gemäßigte Abbas?

    Paradoxerweise hat sich der wohl rechtsradikalste Premierminister Israels, Benjamin Netanjahu, ausgerechnet mit der Hamas, dem größten Antagonisten des jüdischen Staates in der ganzen Nahost-Region, einigen können.

    Er hat das geschafft, was sogar seinem Vorgänger Ehud Olmert aus der linkszentristischen Partei Kadima nicht gelang, der gerade an der Macht war, als Shalit gekidnappt wurde.

    Laut israelischen und britischen Medienberichten waren viele Mitglieder der Fatah-Führung über so ein „Geschenk“ Netanjahus an die Hamas sehr empört (315 der mehr als 1000 Häftlinge waren übrigens zu lebenslänglich verurteilt). Die Unzufriedenheit wurde noch größer, als bekannt wurde, dass der frühere Fatah-Kommandeur Marwan Barghuthi und der Generalsekretär der Volksfront zur Befreiung Palästinas, Ahmad Saadat, weiterhin hinter Gittern bleiben. Zuvor hatte man mit ihrer Freilassung gerechnet.

    Warum hat denn Netanjahu dieses riesige Zugeständnis ausgerechnet an die radikale Hamas und nicht an die gemäßigte Fatah akzeptiert?

    Entgegenkommen und doch keinen Schritt machen

    Man muss einräumen, dass Netanjahu ein großer Meister ist, was seine politische Findigkeit angeht. Außerdem sollte man die Situation bedenken, die vor dem Gefangenenaustausch herrschte. Im September geriet der israelische Premier in eine schwierige Lage. Nach dem „arabischen Frühling“ veränderte sich die Situation in der Region grundlegend: In Kairo wurde die israelische Botschaft angezündet, und damit konnte Ägypten nicht mehr als zuverlässiger Partner bei den Friedensverhandlungen gelten. Aus Ankara, das bis zuletzt als muslimischer Partner Tel Avivs galt, wurde der israelische Botschafter ausgewiesen. US-Präsident Barack Obama bleibt zwar ein Freund Israels, ist ihm aber nicht so treu wie einst George W. Bush. Und schließlich lässt sich die EU Netanjahus Sturheit bei den Verhandlungen mit Palästina nicht gefallen.

    Selbst zu Hause hat der radikale Premier nicht so viele Anhänger wie früher. Denn es ist offensichtlich, dass Israel nicht ewig mit aller Welt auf Konfrontationskurs gehen kann. Die absolute internationale Isolation kann es sich nicht leisten.

    Deshalb musste sich Netanjahu etwas einfallen lassen, um seine Offenheit für die Palästinenser zu zeigen, ohne allerdings seine Positionen völlig aufzugeben. Die Vereinbarung mit der Hamas passte bestens in dieser Situation, zumal auch die Hamas im Vorfeld der 2012 anstehenden Wahlen ihren Wählern etwas vorweisen muss.

    Fünf Jahre lang hatte Tel Aviv versucht, den im Sommer 2006 im Gaza-Streifen entführten Gilad Shalit zu befreien. 2009 wäre eine Einigung nahezu erreicht worden, doch der Austausch scheiterte im letzten Moment. Auch damals stand übrigens die Freilassung von etwa 1000 Palästinensern zur Debatte. Netanjahu hat also etwas geschafft, was niemandem vor ihm gelungen war.

    Gleichzeitig löste er übrigens einen neuen Streit zwischen der Hamas und der Fatah aus und bewies, dass der Palästinenser-Chef Mahmud Abbas nicht imstande ist, die Befreiung der von Israel gefassten „Brüder“ zu erreichen, während die Hamas durchaus verhandlungsfähig ist. Zu diesem Zweck musste er allerdings nicht viel tun – die Beziehungen zwischen beiden palästinensischen Bewegungen waren schon immer angespannt.

    Paradox ist nur, dass all diese „Liebenswürdigkeiten“ die Autorität der Hamas im Gaza-Streifen festigen, gegen die Israel die ganze Zeit verbissen kämpfte. Nicht zu vergessen, dass sich Tel Aviv für die Gaza-Blockade ausgerechnet nach Shalits Entführung entschloss.

    Obwohl Netanjahu seine Gründe für den ungleichen Gefangenenaustausch mit den Palästinensern hatte, muss man einräumen: Israel hat nie seine in Gefangenschaft geratenen Soldaten im Stich gelassen und tat immer sein Bestes, um ihre Heimkehr zu ermöglichen, egal ob lebendig oder tot. Öfter ließen die Israelis Hunderte von Palästinensern frei, um nicht einmal Leichname, sondern Leichenteile ihrer Soldaten zurück zu bekommen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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